Wilhelm Lachnit
Wilhelm Lachnit gehört zu den wichtigsten Vertretern der Dresdner Kunst des 20. Jahrhunderts. Seine künstlerischen Anfänge reichen in die 1920er Jahre zurück, wo er zu den Mitbegründern der Neuen Sachlichkeit in Dresden gehörte. In den Jahren von 1947 bis 1953 hatte er eine Professor für Malerei an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste inne. Klassizität und Schönheit sowie Phantasie und Humor bestimmen die Bildthemen von Wilhelm Lachnit, vor allem Figurendarstellungen, Zirkusbilder, Stillleben und Landschaften.

Vita
| 1899 | am 12. November als drittes Kind des Tischlers Wilhelm Lachnit und seiner Frau Emma Martha Lachnit, geb. Springer, in Gittersee bei Dresden geboren |
|---|---|
| 1914-1918 | Lehre als Schriftmaler und Lackierer |
| 1918-1920 | Arbeit als Dekorationsmaler; Besuch der Abendaktkurse an der Dresdner Kunstgewerbeschule; Studien im Atelier und im Freien unter Anleitung von Georg Oehme; Eintritt in die 1919 gegründete »Dresdner Sezession - Gruppe 1919« |
| 1921-1923 | Studium der Malerei und Grafik an der Dresdner Akademie für Bildende Künste bei Richard Dreher, anschließend dessen Meisterschüler; Bekanntschaft mit Otto Dix, Otto Griebel, Conrad Felixmüller und Curt Großpietsch |
| 1923 | Abschluss des Studiums mit Auszeichnung; arbeitet als freischaffender Künstler |
| 1924 | Mitglied der »Roten Gruppe«; mit fünf Werken auf der Ersten Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Moskau, Leningrad und Saratow vertreten; die Ermitage in Leningrad erwirbt das Gemälde »Dresdner Bahnüberführung« |
| 1925 | Eintritt in die KPD; Mitbegründer der »Neuen Gruppe« mit Hans Grundig, Fritz Skade und Otto Griebel |
| 1926 | Beteiligung mit zwei Gemälden an der ersten Internationalen Kunstausstellung in Dresden; Ankauf des Gemäldes »Mädchen mit Pelz« durch die Gemäldegalerie der Stadt Dresden; weitere Ankäufe durch das Kupferstich-Kabinett und das Stadtmuseum Dresden; Begegnung mit Fritz Löffler; Austritt aus der »Dresdner Sezession - Gruppe 1919« gemeinsam mit Hans Grundig, Otto Griebel, Eugen Hoffmann, Bernhard Kretzschmar, Wilhelm Rudolph und Fritz Skade aus Protest gegen den bürgerlichen Kunstbetrieb |
| 1927 | Ausstellungsbeteiligung in Paris |
| 1928 | Beteiligung an der Deutschen Kunstausstellung in Düsseldorf |
| 1929 | Mitbegründer der Dresdner Ortsgruppe der »Association Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands« (ASSO); Beteiligung an der Ausstellung »Die Neue Sachlichkeit« in Amsterdam; Reisen nach Südfrankreich, Italien und Nordafrika |
| 1930 | Ausstellungsbeteiligung »Sozialistische Kunst Heute« in Amsterdam |
| 1931/32 | Großformatige Holzschnitte |
| 1933 | vier Zeichnungen werden als »Entartete Kunst« beschlagnahmt; Inhaftierung; nach der Entlassung steht er unter Aufsicht der Gestapo; weitgehender Ausschluss vom Kunstbetrieb; es entstehen Werke mit metaphorischen Botschaften von schmerzhafter Isolationserfahrung und existentieller Bedrohung wie »Trauriger Frühling«; Gelegenheitsarbeiten als Ausstellungs- und Messegestalter |
| 1945 | im Januar zum »Volkssturm« im Landesschützenbataillon Jungbunzlau eingezogen; am 13. Februar wird der größte Teil seines Werkes während der Bombardierung Dresdens zerstört |
| 1946 | künstlerische Auseinandersetzung mit der Nachkriegszeit (»Der Tod von Dresden«); mit sieben Werken auf der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung in Dresden vertreten |
| 1947-1954 | Professor für Malerei an der Hochschule für Bildende Künste Dresden; Schüler u.a. Peter Bock, Manfred Böttger, Helmut Gebhardt, Harald Metzkes, Dietrich Becker und Jürgen Böttcher |
| 1954 | nach jahrelangen Diffamierungen und Maßregelungen durch die Hochschule gibt er seine Professur auf; seitdem freischaffend in Dresden tätig; Experimente in grafischen Techniken, insbesondere Aquatinta und Farbmonotypien |
| 1955/56 | Auftrag für die Gestaltung der Supraporten des Studentenwohnheimes der ehemaligen Technischen Hochschule; Italienreise mit Karl Kröner |
| 1960 | es entstehen sogenannte »Bedrohungsbilder«; Beginn mit der Arbeit an dem Zyklus »Quelle« in verschiedenen Techniken; erster Herzinfarkt |
| 1961 | arbeitet in Berlin an den Entwürfen für ein Emaille-Wandbild für die Mensa des Bauarbeiterzentrums in Frankfurt/Oder |
| 1962 | Wilhelm Lachnit stirbt am 14. November in Dresden an den Folgen eines zweiten Herzinfarktes; Beisetzung auf dem Friedhof Dresden-Loschwitz |
Das kommt aus Wilhelm Lachnits Bildern – eine Harmonie, aber wie man in Dresden sagte, eine Harmonie in katholischen Farben. Er kühlte das Barock mit dem kalten Wasser des Klassizismus ab. Er wollte Lebensbilder machen, die über das Schauen hinausgingen, Dämonie, Glanz und Geruch befestigen, ordnen und bändigen. Es sollte das mit hineingenommen werden, was hinter den Augen, im Gehirn vorlag – das Ornament.
Wilhelm Lachnit. Gemälde, Graphik, Zeichnungen, Berlin: Akademie der Künste 1990, S. 4
Lachnit wollte nicht Abbild, er strebte nach Vergeistigung und Metaphorik der Dinge. Er kam zu nuancenreicher Farbigkeit, zunehmender Festigkeit und Tektonik, zu kompositioneller Dichte, sublimierter Expressivität. Es gibt keine Tendenz zur Auflösung der Form, selbst bei weitgetriebener Abstraktion nicht. Einzig in den späten Monotypien ist eine Öffnung zum Informel zu beobachten.
Refugium und Melancholie. Wilhelm Lachnit. Malerei, Dresden: Städtische Galerie 2012, S. 14
weitere Ausstellungen
| 1924 | Erste Allgemeine Deutsche Kunstausstellung, Moskau, Leningrad und Saratow (Beteiligung) |
|---|---|
| 1926 | Erste Internationale Kunstausstellung, Dresden (Beteiligung) |
| 1927 | Kollektion deutscher Kunst, Paris (Beteiligung) |
| 1928 | Deutsche Kunstausstellung, Düsseldorf; Wanderausstellung durch amerikanische Städte (Beteiligung) |
| 1929 | Stedelijk Museum, Amsterdam: »Die Neue Sachlichkeit« (Beteligung) |
| 1930 | Stedelijk Museum, Amsterdam: »Sozialistische Kunst. Heute« (Beteiligung) |
| 1932 | 1. Ausstellung der Dresdner Sezession 1932, Sächsischen Kunstverein. Dresden (Beteiligung) |
| 1946 | Allgemeine Deutsche Kunstausstellung, Dresden (Beteiligung) |
| 1958 | Albertinum, 4. Deutsche Kunstausstellung, Dresden (Beteiligung) |
| 1960 | Museum am Anger, Erfurt: »Wilhelm Lachnit. Gemälde, Zeichnungen, Grafik« |
| 1961 | Galerie Wort und Werk, Leipzig |
| 1965 | Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Neue Meister, Albertinum |
| 1967 | Leonhardi-Museum, Dresden |
| 1977 | Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Kupferstichkabinett Dresden |
| 1979 | Staatliche Museen zu Berlin |
| 1989 | Galerie der Hochschule für Bildende Künste, Dresden |
| 1990 | Akademie der Künste Berlin, Neuer Marstall |
| 1999 | Schlossmuseum Schloss Friedenstein, Gotha |
| 2000 | Villa Eschebach, Dresden. Ausstellung zum 100. Geburtstag |
| 2011 | Städtische Galerie Dresden: »Refugium und Melancholie« |


