Josef Hegenbarth

Josef Hegenbarth, einer der großen deutschen Zeichner und Illustratoren des 20. Jahrhunderts, schuf mit psychologischer Treffsicherheit, atmosphärischer Dichte und meisterlich lockerem Pinselstrich Porträts und Tierdarstellungen sowie literarische und biblische Szenen. Sein Hauptwerk bilden mehr als 18.000 Zeichnungen.

Josef Hegenbarth

Vita

1884 geboren in Böhmisch-Kamnitz, Österreich-Ungarn (heute Česká Kamenice, Tschechoslowakei)
1908–1915 Besuch der Kunstakademie Dresden als Schüler von Carl Bantzer, Oskar Zwintscher und Meisterschüler von Gotthardt Kühl
1914 Erste Ausstellung bei Emil Richter in Dresden
1915 Mitglied der Dresdener Künstlervereinigung, später in deren Jury und Teilnahme an ihren Ausstellungen bis 1939
1917–1919 Aufenthalt in Prag, wo er im Schülerkreis des deutsch-böhmischen Malers und Druckgrafikers August Brömse arbeitete
1919 Rückkehr nach Dresden, Atelier im Künstlerhaus in Loschwitz
1921 Kauf des Hauses Calberlastraße 2 in Dresden-Loschwitz, dessen 2. Stockwerk er bis zu seinem Tode bewohnt und das heute das Josef-Hegenbarth-Archiv des Dresdener Kupferstich-Kabinetts beherbergt
1943–1945 Aufenthalt in Böhmisch-Kamnitz. Vertreibung und Verlust wesentlicher Teile seines Lebenswerkes
1945 Oktober Rückkehr nach Dresden
1946–1950 Mitarbeit am Berliner Ulenspiegel
1946 Anstellung an der Hochschule für Werkkunst in Dresden
1947 Professur an der Hochschule für Bildende Künste Dresden
1949 Aufgabe des Lehramtes
1954 Nationalpreis der DDR
1955 Korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie der Künste
1956 Außerordentliches Mitglied der Akademie der Künste Berlin
1957 Rückgabe des größten Teils der 1945 in Böhmisch-Kamnitz zurückgelassenen Werke durch die Tschechoslowakei
1959 Ausstellung zum 75. Geburtstag in der Nationalgalerie Berlin und in München
1960 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste in München
1962 verstorben in Dresden. Sein Wohnhaus, für das seine Witwe das Dresdener Kupferstichkabinett als Erben bestimmte, ist heute ein wissenschaftliches Archiv, monografisches Museum sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsort. Der Name Josef-Hegenbarth-Archiv geht auf Johanna Hegenbarth zurück, die unmittelbar nach dem Tod ihres Mannes mit der Aufarbeitung seines umfangreichen Werkes begann. Hegenbarths Grab, das er selbst entworfen hat, befindet sich auf dem Loschwitzer Friedhof.
»Wurde am 15. Juni 1884 zu Böhmisch-Kamnitz geboren. Ein jahrelanges Leiden gab mir die Freude am Stift wieder. Die Schule hatte sie mir verleidet. Meine eigentlichste Studienzeit beginnt im Alter von 21 Jahren in Dresden. Meine allgemeine Ausbildung genoß ich in meinem Heimatort Böhmisch-Kamnitz und in der Realschule zu Böhmisch-Leipa. Bin Deutschböhme.«
Lakonische und humorvolle Selbstbeschreibung von Josef Hegenbarth
Fritz Gurlitt, Das graphische Jahr, Berlin 1923

»Die Zurückhaltung und Unsicherheit, die ihm die Kunstpolitik der Nazis zwölf Jahre lang auferlegt hatte, war nach der Befreiung einer fast ungezügelten Produktivität gewichen. Sie war auch der springende Punkt des psychologischen Phänomens Hegenbarth. Sein Werk ruhte bis dahin in sich, es ordnete sich trotz mancher individuellen Eigenarten in die Zeit ein, und nun brach es plötzlich aus sich heraus, strömte über die alten Ufer. Hegenbarth war mindestens sechzig Jahre alt, als er sich in die Geschichte der modernen deutschen Kunst mit einer ganz eigenen Handschrift einzuschreiben begann.«
Erhard Frommhold
Ein unerschöpfliches Thema, in: Hiltrud Ebert (Hrsg.), Texte zur Kunst- und Kulturgeschichte Sachsens, Berlin 2009, S. 162 f.

weitere Ausstellungen

1954 Staatliche Kunstsammlungen Dresden: »Josef Hegenbarth zum 70. Geburtstag«
1957 Staatliche Kunstsammlungen Dresden: »Josef Hegenbarth. Rückgeführte Bilder aus der CSR und neueste Graphik«
1958 Städtisches Kunstmuseum Duisburg: »Josef Hegenbarth. Gemälde, Tempera-Arbeiten, Zeichnungen, illustrierte Bücher«
1959 Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie und Bayrische Akademie der Schönen Künste, München: »Josef Hegenbarth zum 75. Geburtstag. Gemälde und Zeichnungen«
1966 Württembergischer Kunstverein, Stuttgart: »Josef Hegenbarth«
1970 Deutsche Akademie der Künste, Berlin: »Josef Hegenbarth. Zeichnungen und Gemälde aus den Jahren zwischen 1920 und 1962«
1980 Kunstsammlungen Weimar, Kunsthalle am Theaterplatz: »Josef Hegenbarth. Werke aus dem Nachlass«
1984 Staatliche Kunstsammlungen Dresden: »Josef Hegenbarth zum 100. Geburtstag«
1987 Klingspor-Museum, Offenbach: »Der Illustrator Josef Hegenbarth 1884–1962. Zeichnungen, farbige Blätter, Grafiken und illustrierte Bücher«
2003 Oblastní Galerie, Liberec: »Josef Hegenbarth 1884–1962«