Hubertus Giebe
Kairos

11. November 2023 — 13. Januar 2024

Der Dresdner Maler, Zeichner und Grafiker Hubertus Giebe zählt zu den wichtigsten Vertretern einer expressiven figurativen Malerei der jüngeren deutschen Nachkriegs- generation. Seine Geschichtsbilder, Porträt- und Aktdarstellungen sowie Landschaften und Stillleben entwickelt er mit großer Klarheit, Schärfe und Einfühlung. Anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers zeigen wir Werke aus 50 Jahren Schaffenszeit - bildgewaltige Zeugnisse existenzieller Befindlichkeiten.

  • Das Gehäuse (Große Fassung)
    Giebe, Hubertus. – „Das Gehäuse (Große Fassung)”
  • Nadja III
    Giebe, Hubertus. – „Nadja III”
  • Strand auf der Insel Terschelling
    Giebe, Hubertus. – „Strand auf der Insel Terschelling”
  • Tannen am Abend im Großen Garten
    Giebe, Hubertus. – „Tannen am Abend im Großen Garten”
  • Großes Schlussblatt (Spiegel des Krieges)
    Giebe, Hubertus. – Die Blechtrommel (Günter Grass). – „Großes Schlussblatt (Spiegel des Krieges)”
  • Bildnis Emil, sitzend
    Giebe, Hubertus. – „Bildnis Emil, sitzend”
  • Engelssturz
    Giebe, Hubertus. – „Engelssturz”
  • Selbstbildnis III (im Dez. 2020)
    Giebe, Hubertus. – „Selbstbildnis III (im Dez. 2020)”
  • Das Andreaskreuz
    Giebe, Hubertus. – „Das Andreaskreuz”
  • Der alte Benn (3. Fassung)
    Giebe, Hubertus. – „Der alte Benn (3. Fassung)”
  • Sitzender Akt von vorn
    Giebe, Hubertus. – „Sitzender Akt von vorn”
  • Stehender Akt am Fenster
    Giebe, Hubertus. – „Stehender Akt am Fenster”
  • Am Bischofsweg (Dresden-Neustadt)
    Giebe, Hubertus. – „Am Bischofsweg (Dresden-Neustadt)”
  • Die Schlacht (Heiner Müller)
    Giebe, Hubertus. – Ausstellungsplakat Hochschule für Bildende Künste Dresden. – „Die Schlacht (Heiner Müller)”
  • Der Lotse
    Giebe, Hubertus. – „Der Lotse”
  • Der Thron V
    Giebe, Hubertus. – „Der Thron V”
  • Bildnis Eduard Beaucamp
    Giebe, Hubertus. – „Bildnis Eduard Beaucamp”
  • Kopf und Fuß III (Ikon)
    Giebe, Hubertus. – „Kopf und Fuß III (Ikon)”
  • Nadja im Profil
    Giebe, Hubertus. – „Nadja im Profil”
  • Marianne
    Giebe, Hubertus. – „Marianne”
  • Die Bluttaufe (Kleine Fassung)
    Giebe, Hubertus. – „Die Bluttaufe (Kleine Fassung)”
  • Mein Atelier auf der Görlitzer Straße in Dresden
    Giebe, Hubertus. – „Mein Atelier auf der Görlitzer Straße in Dresden”
  • Liegender Rückenakt mit angewinkeltem Bein
    Giebe, Hubertus. – „Liegender Rückenakt mit angewinkeltem Bein”
  • Das Gehäuse (Kleine Fassung)
    Giebe, Hubertus. – „Das Gehäuse (Kleine Fassung)”
  • Bebuquin II (Vor Horizont)
    Giebe, Hubertus. – „Bebuquin II (Vor Horizont)”
  • Meine Mutter (Margarete Giebe)
    Giebe, Hubertus. – „Meine Mutter (Margarete Giebe)”
  • Der Krieger
    Giebe, Hubertus. – „Der Krieger”
  • Stillleben mit Flaschen
    Giebe, Hubertus. – „Stillleben mit Flaschen”
  • Kasernenstube
    Giebe, Hubertus. – „Kasernenstube”
Hubertus Giebe

Hubertus Giebe

Der Dresdner Maler und Grafiker Hubertus Giebe ist kein Mann für das Ungefähre. Als Autor und ungewöhnlich belesener Intellektueller argumentiert er bisweilen scharf und unnachgiebig gegen wohlfeile Vereinfachungen und einen entkoppelten Kunstmarkt. Als Maler formuliert er in einer expressiven Bildsprache prägnante und kontrastierende Gleichnisse über die Welt und die Weltgeschichte.

Details

Katalog

Katalog

Böhlitz, Michael / Himmel, Anja (Hrsg.). – „Hubertus Giebe. Kairos”.

2023. Galerie Himmel (Eigenverlag), Dresden. – Ausstellungskatalog, von Hubertus Giebe. – 21 x 21 cm (Format).

8°, Broschur, 112 S., 49 Abb. – Katalog zur Ausstellung anlässlich des 70. Geburtstages des Künstlers ″Hubertus Giebe. Kairos″ in der Galerie Himmel in Dresden, 11. November 2023 - 13. Januar 2024. – Vorwort von Anja Himmel und Michael Böhlitz, Text von Bernhard Maaz. – Zahlreiche Werk- Abbildungen, ausführliche Biografie. – Erstausgabe, neu.

VP 15.00 €

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Einführung

Das altgriechische Wort ›Kairos‹ überschreibt die Ausstellung, die wir Hubertus Giebe zu seinem 70. Geburtstag widmen. Es bedeutet soviel wie ›die Gunst der Stunde‹ oder ›die gute Gelegenheit‹ und meint den entscheidenden kritischen Augenblick, den man verstreichen lassen, im besten Fall jedoch erkennen und sich zunutze machen kann. In der griechischen Mythologie steht dem unerbittlichen Gott Chronos mit Kairos denn auch ein freundlicher Antipode entgegen, der ›Zeit‹ als eine ihrem Wesen nach fruchtbare schöpferische Kraft deutet. Im Kontext von Leben und Lebenslauf wird Kairos mithin lesbar als Chance, Gelegenheit oder Entscheidung, eine gute Wendung. Heute zählt Hubertus Giebe zu den bedeutenden Vertretern einer expressiven figurativen Malerei der jüngeren deutschen Nachkriegsgeneration. Seit den 1980er Jahren ist sein Name in der ost- und westdeutschen Kunstszene, spätestens seit den 1990er Jahren auch international ein Begriff und steht heute für eine herausgehobene Position zeitgenössischer Malerei. Die Ausstellung »Kairos« möchte das künstlerische Credo des Malers und Intellektuellen sowie die Genese seines unvergleichlichen Werks mit einigen wesentlichen Exponaten nachzeichnen. Dabei zeugen neben den allegorischen ›Geschichtsbildern‹ auch Porträts, Akte, Landschaften und Stillleben von innerer Befindlichkeit und Kampf, vom Ringen mit Welt und Geschichte, nicht zuletzt aber von der absoluten Notwendigkeit von Kunst. Wieder und wieder, diesmal mit der inzwischen sechsten Einzelausstellung, umgeben wir uns mit den Figuren des Giebe’schen ›Welttheaters‹, konfrontieren uns mit den Kreaturen und Bildzeichen seines Pinsels. Sie waren und sind weiterhin Hauptgegenstand seines Schaffens: Mal puppenhafte, mal gefährdete Figuren, brutal anmutende Fragmente, bizarre Gegenstände und Sinnzeichen bevölkern suggestive schreckensstarre Szenerien, die der Künstler als Regisseur aufruft und in enge Bildräume zwingt. Abseits der Sisyphos-Arbeit am ›Geschichtsbild‹, formuliert Hubertus Giebe in tradierten Sujets wie dem Bildnis, dem Akt, der Landschaft oder dem Stillleben eine nicht weniger forcierte, nicht weniger fordernde Bildsprache, bestimmt von demselben expressiven Duktus, demselben kraftvollen Kolorit, derselben Reduktion der Form und Schärfung der Kontur. Immer wieder begegnen dynamische Bewegung und flirrend leuchtender Kolorismus dumpfer Erstarrung und erschütternder Reglosigkeit. Wahlverwandte sind ihm darin Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Otto Dix. Die Bildwelten von Hubertus Giebe loten die Untiefen unseres Mensch-Seins aus, demaskieren und hinterfragen unsere Gesellschaft gleich bildgewordenen Mahnoder Klagemalen. Doch während sich diese Malerei an unsere Humanität richtet, verfällt sie nie in kunstfremde Rhetorik, sondern spricht die reine Sprache der Malerei, folgt allein ihren Gesetzen und misst sich immerfort an den Größten ihrer Zunft. Blicken wir mit Hubertus Giebe auf die ›günstigen Gelegenheiten‹ seines Lebens zurück, sehen wir: Er bekam den flüchtigen Gott oft genug beim sprichwörtlichen Schopfe zu fassen, hatte und ergriff einzigartige Möglichkeiten, traf Entscheidungen, an denen er als Mensch und als Künstler wuchs.