Einführung
Hauptthema der Malerei und Grafik von Volker Stelzmann ist der Mensch. Seine Faszination gilt den Physiognomien, der Gestik und Körpersprache seiner Mitmenschen, oft Randexistenzen. Er zeigt veristisch-schrille Typen auf Straßen, in Kneipen, in Bordellen, im Varieté - den Bordsteinkanten der Großstadt entstiegen. Darin folgt er dem trivialen Welttheater der 1920er Jahre. Stelzmann thematisiert die Vereinzelung und Vereinsamung des Menschen in der Gesellschaft und seine Vergänglichkeit. Dabei will er nicht Gesellschaftskritiker, sondern scharfer Beobachter mit angemessener Distanz sein.
Stelzmann versteht sein Werk als spannungsvolle Auseinandersetzung mit christlicher Ethik, Moralvorstellung und Realität. Die sinnlichen Gleichnisse der Bibel sind ihm in Werken großer Vorbilder wie Grünewald, Pontormo, de Chirico oder Dix allgegenwärtig und werden von ihm auf die Lebenswirklichkeit übertragen. Mit meisterhaftem Perspektivwechsel, Anschnitten, Verkantungen sowie raffinierter Lichtregie gelingen ihm intensive, bedrückende Szenerien.
Stelzmann zeigt sein handverlesenes Personal schonungslos, jedoch ohne es bloßzustellen. Die dafür notwendige unerbittliche Bildschärfe, malerisch erreicht durch eine schichtweise, manieristische Lasurtechnik, steht in der Tradition der Neuen Sachlichkeit und verleiht den Protagonisten ihre magische Präsenz. Dazu tritt eine artifizielle Farbgebung, die sich in disharmonischen Farbklängen vom Naturalismus des Dargestellten absetzt. Mittels virtuoser Zeichenkunst, die jeder Bildausführung vorausgeht, entsteht ein meisterliches Werk - eine gemalte Welt der »Comédie humaine«.
Stilleben erscheinen wie Ausschnitte aus der Wunderkammer des Künstlers. Sie sind Gleichnis für die Vanitas in einer Welt der Events und des globalen Kunstzirkus.
In unserer Zeit der Ismen und Avantgarden ist es nicht leicht, eine gegenständlich-figurative Position zu behaupten. Stelzmann gelingt dies souverän, während er seine Malerei dem Menschen verpflichtet: »Ecce Homo - Siehe, der Mensch«.
Anja Himmel