Einführung
In der hoch kultivierten Aquarellmalerei von Klaus Drechsler klingen die leisen Töne. Nicht von ungefähr gehören das Stillleben und der verlassen scheinende ländliche Lebensraum zu seinen Hauptthemen. Klaus Drechsler ist ein Magier des Lichts, der aus der Tiefe seiner Malerei ein kaum für möglich gehaltenes Leuchten der Dinge hervorbringt. Hineingeboren wird Klaus Drechsler in eine Landarbeiterfamilie, die nach Kriegsende ihre Heimat Schlesien verlassen muss. Die Erlebnisse durchziehender, mitunter völlig verrohter deutscher und sowjetischer Truppen überschatten Drechslers frühe Jahre. Von diesen, zum Teil traumatischen Erlebnissen bleibt ihm eine Verletzlichkeit, eine Feinfühligkeit und Hellhörigkeit, die seine Sinne schärft und Voraussetzung für sein künstlerisches Schaffen wird. Kindheit und Jugend verbringt Drechsler in der Lausitz. Später lässt er sich im idyllischen Wachwitzgrund, am Stadtrand von Dresden, nieder. In diesem Umfeld entsteht ein unverwechselbares Werk. Klaus Drechslers großes malerisches, grafisches und plastisches Werk wuchs durch die Jahrzehnte kontinuierlich, ohne innere Brüche, eigenständig, unabhängig und doch in ständiger Auseinandersetzung mit der Kunst- und Zeitgeschichte. Dreh– und Angelpunkt ist seine Beschäftigung mit dem Kreislauf von Werden und Vergehen. Ihn faszinieren Spuren gelebten Lebens. Seine Grundmotive sind denkbar unspektakulär und dem Alltag entnommen: Im Antlitz greiser Menschen, in der Darstellung verlassener Gehöfte, in Brot und reifer Frucht findet Klaus Drechsler geeignete Metaphern für die Vanitas. Er zeigt die Dinge in ihrer irdischen Schönheit wie Vergänglichkeit. Seine Bilder führen zum Innehalten, zum Befragen. Gedeckte, sanft aufleuchtende Farben bestimmen sein kostbares Kolorit, das den Belichtungen und Verschattungen des Lebens entspricht und dem Dargestellten zu einem Eigenleben verhilft. Farbreich und doch gedämpft, mit sanften Übergängen von Licht und Schatten, entsteht ein stiller Klang, der von einer tiefen Achtung gegenüber dem Bildgegenstand zeugt. Seit Mitte der 1990er Jahre finden zunehmend plastische Arbeiten, vor allem Bronzen, Eingang in Drechslers Werk. Ganz im Gegensatz zur eher milde und ausgleichend gestimmten Malerei formuliert Drechsler in der Plastik in einer gewissen Drastik. Als Sujet sind die feinen Tierplastiken zu nennen. Hunde, Katzen und vor allem Vögel. Merkwürdige Kreaturen, die fast urtierhaft verschroben ihrer nackt und zuweilen hässlich hervorstechenden Eigenart wegen zur Darstellung gelangen. Diesen Geschöpfen weiß Klaus Drechsler sowohl den Ausdruck unbedingter existenzieller Not als auch den des zuweilen Komischen, ja Lachhaften alles Kreatürlichen abzugewinnen. Hinzu treten Themen wie Fruchtbarkeit und Schwangerschaft, Charakterstudien und literarische Figuren. Manche dieser Figuren, wie »Don Quichotte«, behandelt Klaus Drechsler regelrecht liebenswert, nicht ohne ihm eine Portion Selbstironie zu verleihen. Drechslers Plastiken sind Schöpfungen eines genialen Gestalters, der seine Figuren vor allem erzählen will. Licht und Schatten verfangen sich auf der schrundig zerklüfteten Oberfläche der bronzenen Außenhaut. Die gleichsam vibrierenden Flächen werden geradezu malerisch patiniert. Auch hierin offenbart sich der Maler im Plastiker.