Einführung
Das seit 1970 entstandene malerische Werk von Hans Kutschke, 1945 in Leitmeritz geboren, gleicht einem ungehobenen Schatz. Dem vorurteilsfreien Betrachter erschließt sich hier eine stille, oft melancholisch gefärbte Bildwelt, die durch eine ebenso unabhängige wie genaue Beobachtung besticht.
Zu wenig scheint das Werk von Hans Kutschke in seiner Gesamtheit bislang gesehen worden zu sein. Das liegt in nicht geringem Maße in der lang währenden Behinderung seiner künstlerischen Laufbahn begründet. Der 1967 bewilligte Studienplatz an der Dresdner Akademie wurde ihm wegen einer banalen Kritzelei und deren grotesker Skandalisierung entzogen, spätere Bewerbungen abgelehnt. Das 1974 ersatzweise begonnene Restauratoren-Studium brach er im Folgejahr ab. Fortan arbeitete Hans Kutschke als freier Künstler in Bautzen, den Führungskadern ein Dorn im Auge, denn bis 1981 blieb ihm die Mitgliedschaft im Verband Bildender Künstler der DDR verwehrt. Schon früh - und gewissermassen als Ersatz der akademischen Nestwärme - pflegte Kutschke bestärkende und anregende Kontakte zu Malerkollegen. Unter diesen hervorzuheben Harald Metzkes, dessen künstlerische Selbstbehauptung dem jungen Maler imponierte und in dessen Hinwendung zu Cézanne er eine wesentliche Bestätigung fand. Seit 1980 fand Kutschke als Lehrbeauftragter, ab 1984 als Leiter des Abendstudiums an der Außenstelle der Dresdner Hochschule in Nadelwitz bei Bautzen Bestätigung. Diese Stellung, die vor ihm schon Egon Pukall innehatte, bot ihm neue Möglichkeiten der Entfaltung als Künstler und Lehrer. Ausdruck eines inneren Drucks, entsprechend der zunehmend spürbaren Frustration in der DDR, wurden ab 1985/86 seine expressiven "Sudelbilder". Alles geriet in Bewegung. Er verließ Bautzen gen Dresden, erlebte die Umstürze der politischen Wende, unternahm zahlreiche Reisen. Es folgten Jahre der Suche. Heute erscheint seine Handschrift beruhigt, klar in der Komposition, reich und ausgewogen in der Farbigkeit, mit feinsten Abstufungen im Hell- Dunkel. Nach wie vor stehen Mensch und Landschaft im Mittelpunkt. Er malt Freunde und Weggefährten, spürt urbanem Leben nach, erkundet verwirrende Bildräume in den optischen Überlagerungen seiner Schaufensterbilder. Kutschke leiht uns seinen unaufgeregt-ruhigen Blick auf das Leben, eine sehr private Spielart künstlerischer Wahrhaftigkeit.