Einführung
Die Künstler Christiane Wachter und Andreas Wachter sind seit mehr als 30 Jahren ein Paar. Beide haben Kunst studiert, Christiane Wachter an der Burg Giebichenstein in Halle, Andreas Wachter an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Sie haben im Erllner Wiesengrund im Muldental ihr Leben und ihre Ateliers eingerichtet, arbeiten Tür an Tür. Andreas Wachter am Wohnhaus, Christiane Wachter im alten Hinkelhaus. Jederzeit ist die Begegnung möglich, um Bestätigung oder eine behutsame Korrektur zu erbitten. Konkurrenz gibt es zwischen ihnen nicht, vielmehr Freude über den Erfolg des anderen. Als erfolgreiches Künstlerpaar agieren beide auf sicherem Terrain. Sie schaffen jeweils ein eigenständiges Oeuvre, das aus den Unterschiedlichkeiten und aus den Gemeinsamkeiten wächst. Ihre Werke reflektieren den jeweils Anderen und zeigen bei allen sicht- und unsichtbaren Gemeinsamkeiten vor allem ihre jeweils individuelle Handschrift. Gemeinsame Bildthemen, seien es in größeren Sinne existenzielle, im engeren Sinne familiäre Themen werden in den unterschiedlichsten Techniken eigenständig umgesetzt. Auf der einen Seite stehen die Papiercollage und das Experimentieren mit verschiedenen Bildträgern, auf der anderen Seite stehen die Ölmalerei und die figürliche Plastik. Der Ausstellungstitel „Treibgut“ kann als metaphorisches Bild verstanden werden. Er beschreibt die Intention der Künstler, im Arbeitsprozess entstehende spontane Bildeingebungen als Motivfragmente auf die Leinwand und auf verschiedene Bildträger zu bannen und zu vielschichtigen Konstellationen zu vernetzen, um auf diese Weise Momente des Irrationalen und Rätselhaften einzufangen. Christiane Wachter, 1966 in Erfurt geboren, verbindet die besondere Materialästhetik von Papieren aller Art mit sparsamen Grundierungen, Übermalungen und Umrissen, die als Unterzeichnung sichtbar bleiben und Strukturen oder Konturen schärfen. Ihre Grundhaltung ist dabei eine zutiefst malerische. Im Kern sind ihre Bilder Malerei, die sich der Collage als Mittel und Material bedient. Dabei stehen nicht nur Papiere, sondern auch besondere Grundierungen und Bildträger im Mittelpunkt des Schaffensprozesses. Etwa alte Faltrollos, historische Schullandkarten oder Lehrtafeln sowie schadhafte Leinwände, deren poröse Malflächen sich aufzulösen scheinen. Diese experimentelle und offene Herangehensweise an Materialien und Techniken ist spannungsvoll und erfordert ein genaues Hinschauen, um die Meisterschaft dieser eindrucksvollen und subtilen Arbeiten zu erfassen. Andreas Wachter gehört zu den spannendsten Vertretern einer figurativen Kunst nach 1945. Die Malerei des 1951 in Chemnitz Geborenen charakterisieren waghalsige Figurenkompositionen, eine frappierende Lichtregie, ein stimulierendes Farbkonzept und eine virtuose, technisch brillante Handschrift. In seinem Werk verbindet sich die für Leipzig typische hohe Zeichenkunst mit einem außergewöhnlichen Kolorismus eigener Prägung. Andreas Wachter ist als Melancholiker eher ein Einzelgänger unter den Leipziger Realisten, der seine fast unnahbaren Figuren in geheimnisvolle Landschaften stellt. Seine Werke vermitteln eine Tiefe, die seit der deutschen Romantik selten geworden ist, und sind sogleich so irritierend und frappierend schön, dass man sie eher einer surrealen Malerei zuordnen möchte - einer Malerei, die Traum und Wirklichkeit gleichermaßen entspringt, gemischt mit einer raffinierten Lichtregie in der Tradition des Chiaroscuro, des Hell-Dunkel.