Manfred Luther
Konkrete Meditationen

28. März 2024 — 08. Juni 2024

Der konstruktiv-konkrete Künstler Manfred Luther war, wie Carlfriedrich Claus, A.R. Penck oder Gerhard Altenbourg, eine Ausnahmeerscheinung der ostdeutschen Moderne. Er gilt als Philosoph unter den Dresdner Abstrakten um Hermann Glöckner. Zu Beginn seiner aktiven künstlerischen Zeit in den späten 1950er und frühen 1960er Jahren entwickelte er eine künstlerische Sprache, die wesentliche Erscheinungen westeuropäischer und US-amerikanischer Kunst vorwegnahm.

  • Figur 20
    Luther, Manfred. – Farbiger Epilog. – „Figur 20”
  • Figur 22
    Luther, Manfred. – Farbiger Epilog. – „Figur 22”
  • Figur 17
    Luther, Manfred. – Farbiger Epilog. – „Figur 17”
  • Figur 15
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen II. – „Figur 15”
  • Figur 23
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen II. – „Figur 23”
  • Figur 18
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen II. – „Figur 18”
  • Freut euch des Lebens I (Ringe und Keil)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Freut euch des Lebens I (Ringe und Keil)”
  • Freut euch des Lebens (Ringe Blau-Rot)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Freut euch des Lebens (Ringe Blau-Rot)”
  • Selbst (Schwarz auf Orange)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Selbst (Schwarz auf Orange)”
  • Selbst (Schwarz und Rosa auf Magenta)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Selbst (Schwarz und Rosa auf Magenta)”
  • Selbst (Rosa auf Blau)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Selbst (Rosa auf Blau)”
  • Gesicht (Schwarz auf Weiß)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Gesicht (Schwarz auf Weiß)”
  • Ohne Titel (Violett und Rosa)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Ohne Titel (Violett und Rosa)”
  • Ohne Titel (Trauriges Gesicht I)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Ohne Titel (Trauriges Gesicht I)”
  • Ohne Titel (Trauriges Gesicht III)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Ohne Titel (Trauriges Gesicht III)”
  • Edel sei der Mensch (Kopf im Profil - Weiß auf Blau)
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Edel sei der Mensch (Kopf im Profil - Weiß auf Blau)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Schwarz auf Gold)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Scheibe. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Schwarz auf Gold)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold über Schrift)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Kreis. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold über Schrift)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold auf Weinrot)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Kreis. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold auf Weinrot)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold auf Violett-Blau)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Scheibe. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Gold auf Violett-Blau)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Bronze auf Schwarzbraun)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Kreis. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Bronze auf Schwarzbraun)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Bronze auf Schwarz-Braun)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Kreis. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Bronze auf Schwarz-Braun)”
  • Staub zu Staub (Schwarz über Graubraun)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Kreis. – „Staub zu Staub (Schwarz über Graubraun)”
  • Weiße Eule auf Schwarz
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Weiße Eule auf Schwarz”
  • Edel sei der Mensch (Eule mit Erde, Sonne und Mond)
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Edel sei der Mensch (Eule mit Erde, Sonne und Mond)”
  • Welttheater (Theatrum mundi)
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Welttheater (Theatrum mundi)”
  • Eule, verschachtelt
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Eule, verschachtelt”
  • Eule im Rechteck
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Eule im Rechteck”
  • Eule mit Zweig I (Sapere aude)
    Luther, Manfred. – Figuren. – Eule. – „Eule mit Zweig I (Sapere aude)”
  • Paraphrase 18
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 18”
  • Paraphrase 24
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 24”
  • Paraphrase (70 Dreiecke in Quadraten)
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – Paraphrasen Schwarz-Gelb. – „Paraphrase (70 Dreiecke in Quadraten)”
  • Ohne Titel (Clown III)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Ohne Titel (Clown III)”
  • Paraphrase 44 (133 weiße und schwarze Halbkreise)
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – Paraphrasen Schwarz-Weiß. – „Paraphrase 44 (133 weiße und schwarze Halbkreise)”
  • Paraphrase 26
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 26”
  • Paraphrase 19
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 19”
  • Paraphrase 20
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 20”
  • Paraphrase 21
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – „Paraphrase 21”
  • Paraphrase 17 (35 Dreiecke im Quadrat)
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – Paraphrasen Schwarz-Weiß. – „Paraphrase 17 (35 Dreiecke im Quadrat)”
  • Paraphrase (99 Parallelogramme)
    Luther, Manfred. – Konkrete Zeichnungen III. – Paraphrasen Schwarz-Gelb. – „Paraphrase (99 Parallelogramme)”
  • Vom Uranfang an (Rote Spirale auf Gold)
    Luther, Manfred. – Ab ovo. – Spirale. – „Vom Uranfang an (Rote Spirale auf Gold)”
  • Blaue Spirale auf Weiß (I)
    Luther, Manfred. – Ab ovo. – Spirale. – „Blaue Spirale auf Weiß (I)”
  • Weiße Spirale auf Schwarz
    Luther, Manfred. – Ab ovo. – Spirale. – „Weiße Spirale auf Schwarz”
  • Schwarze Spirale auf Orange
    Luther, Manfred. – Ab ovo. – Spirale. – „Schwarze Spirale auf Orange”
  • Mutter Erde
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Scheibe. – „Mutter Erde”
  • Ohne Titel (Rad, Mund, Falter & Maske I)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Ohne Titel (Rad, Mund, Falter & Maske I)”
  • Freut euch des Lebens II (Rad und gekrümmte Bahn)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Freut euch des Lebens II (Rad und gekrümmte Bahn)”
  • Ohne Titel (Rad, Baum & Krone I)
    Luther, Manfred. – Improvisationen. – „Ohne Titel (Rad, Baum & Krone I)”
  • Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Weinrot auf Schwarzblau)
    Luther, Manfred. – Cogito ergo sum. – Scheibe. – „Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis (Weinrot auf Schwarzblau)”
  • Zwei Dreiecke (Schwarz auf Rot)
    Luther, Manfred. – „Zwei Dreiecke (Schwarz auf Rot)”
  • Homo sapiens II
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Homo sapiens II”
  • Homo sapiens I
    Luther, Manfred. – Gesichter. – „Homo sapiens I”
Manfred Luther

Manfred Luther

Details

Katalog

Katalog

Böhlitz, Michael / Himmel, Anja (Hrsg.). – „Manfred Luther. Konkrete Meditationen”.

2024. Galerie Himmel (Eigenverlag), Dresden. – Ausstellungskatalog, von Manfred Luther. – 21 x 21 cm (Format).

8°, Broschur, 104 S., 47 Abb., 6 historische Fotografien. – Katalog zur Jubiläumsausstellung anlässlich des 20. Todesjahres ″Manfred Luther. Konkrete Meditationen″ in Kooperation mit dem Künstlernachlass in der Galerie Himmel in Dresden, 24.03.-08.06.2024. – Texte von Michael Böhlitz und Paul Kaiser. – Ausführlicher Katalogteil mit 45 bisher großenteils unveröffentlichten Werken des Künstlers aus allen Schaffensphasen von 1956 bis 1997. – Erstausgabe, neu.

VP 14.00 €

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Einführung

Manfred Luther ist eine Ausnahmeerscheinung der jüngeren Kunstgeschichte Dresdens und überhaupt der ostdeutschen Moderne. Intellektuell suchte Luther nach einer Meta-Synthese der wissenschaftlichen Erkenntnisse von Philosophie, Mathematik und Physik, welche die Welt und ihre Erscheinungen beschreibt und zugleich deutet. Für diese Art Weltformel suchte er einen adäquaten künstlerischen Ausdruck, um Bildkunst und Denken zum Einklang zu bringen. So erfand er 1960/1961 das Konzept »Idee Konkrete Zeichnungen« und etablierte ein Zeichensystem aus sechs geometrischen Grundfiguren, das ihm aufgrund seiner elementaren Geltung geeignet schien, seine philosophischen Thesen zu vermitteln, die in der zentralen Aussage gipfeln: »Alle philosophischen Überlegungen beginnen bei der Materie und enden bei der Materie«.

Von diesem Paradigma der Entmaterialisierung und Objektivierung aus entwickelte er sein gesamtes künstlerisches Werk, angefangen mit den bis 1968 vollendeten großformatigen »24 Tuschzeichnungen«, welche die sechs Grundfiguren regelhaft miteinander kombinieren. Im semiotischen Verhältnis von Idee, Zeichen und Bild, aber auch hinsichtlich seiner Rezeptionsästhetik erreicht Manfred Luther mit dieser Idee eine Qualität, die ihn aus dem Rahmen der konstruktiv-konkreten Kunst heraushebt und als einen Vorläufer der etwas später vor allem in den USA entstehenden Konzeptkunst ausweist. Sein hin und wieder gegebener Hinweis, es ginge ihm in seinen Bildern »mehr um das Begreifen, weniger um das Gefallen«, lässt der Idee deutlich den Vortritt vor der Form, ein zentrales Merkmal konzeptueller Kunst.

In der nonkonformen Kunst in der DDR der 1960er und 1970er Jahre sind nur A.R. Penck und Carlfriedrich Claus ähnlich an der Präposition eines philosophischen Konzepts, an einer sich gegenseitig durchdringenden Einheit von Idee und Bild interessiert, wie Manfred Luther. A.R. Penck (1939–2017), der mit »Standart« ebenfalls ein eigenes Zeichensystem aus Piktogrammen, Symbolen und Hieroglyphen entwickelte. Carlfriedrich Claus (1930–1998), der die visuelle Poesie seiner zwischen Kalligrafie und (Seelen-)Landschaft oszillierenden »Sprachblätter« aus seiner psychologisch-sprachphilosophischen Standortbestimmung schöpfte. International war die Rückbesinnung auf das Bauhaus, auf De Stijl und die Anfänge des Konstruktivismus ab 1960 ein bestimmendes Phänomen. Sol LeWitt (1928–2007), Pionier der US-amerikanischen Strömungen Minimal Art und Conceptual Art, fertigte von 1970 bis 1985, relativ zeitgleich zu Luther mit »Combinations« und »Geometric Figures« druckgrafische Serien, die auf ähnliche Weise als Abwicklungen reduzierter Bausätze angelegt waren.

Die Ausstellung möchte Persönlichkeit und Schaffen Manfred Luthers deutlicher in den Kontext konzeptueller Kunst setzt. Viele Eigen- und Besonderheiten seiner künstlerischen Arbeit, allein schon seine augenfällige Sonderstellung innerhalb der konstruktiv-konkreten Kunst Dresdens, werden dadurch einleuchtend. Ganze Werkbestandteile wurden, unmerklich befördert durch die bislang geltende Lesart als konstruktiv-konkrete Position, an der, das sei hier konzediert, wohl auch der Künstler gehörigen Anteil hatte, regelrecht marginalisiert bzw. überhaupt nicht wahrgenommen. So wurden Werkgruppen, wie die der stilisierten Gesichter, oder die kleinformatigen »Improvisationen« entweder gar nicht publiziert oder als Frühwerk verharmlost.

Im Laufe des Lebens erlaubte sich Luther nach der Askese der »24 Tuschzeichnungen« eine zunehmende Öffnung und Weiterung. Während seine Wandlungs- und Spiellust in den »Paraphrasen« der 1970er Jahre noch den strengen Gesetzen serieller Kombinatorik folgt, steigert sie sich etwa ein Jahrzehnt später in den Spiralen der Folge »Ab ovo. Vom Uranfang an« fast in eine Umkehrung. Die in Lackfarben frei getröpfelten Spiralbilder stehen maltechnisch mit dem Chaotisch-Informellen der Drip- painting-Manier, aber auch wahrnehmungsästhetisch mit ihrem Ungefähren und Diffusen in größtem Gegensatz zur puristischen Klarheit und Reinheit, zum Konstruierten des Formenkanons, mit dem die »Idee Konkrete Zeichnungen“ ihren Anfang nahm.

Die geradezu berühmten Kreisbilder der 1980er und 1990er Jahre werden gern als später Höhepunkt des schon reifen Künstlers beschrieben. Konzeptionell behaupten diese Bilder der Folge »Cogito ergo sum« die Vollendung seines Kunstwollens, während ihre Ausstrahlung derjenigen von Ikonen gleicht. Die ikonische Wirkung entspringt einer materialästhetischen Aufwertung, die im Werk Manfred Luthers ihresgleichen sucht. Trotz des immer gleichen Zirkelschlags auf wechselnden Untergründen: in keiner anderen Werkgruppe findet sich eine noch stärkere Individualisierung, eine solche Steigerung des Schönen. Der alte Vorsatz, die äußere Form sei nachrangig und müsse Inhalt und Idee untergeordnet bleiben, wird hier in den Wind geschlagen. Transzendental schweben die Kreise in einem aufwändig gearbeiteten, oft kostbar schimmernden Bildraum.

Man kann Luthers Werke als ›Meditationen‹ im Sinne geistiger Übung lesen, im Sinne einer Praxis des Nachdenkens und Nachsinnens. Ihr Gegenstand ist geistiger Natur, ist das Denken selbst. Auch die künstlerische Arbeitsweise trägt bisweilen Züge meditativer Praktiken: Die wenig ökonomische, eher selbstkasteiende Herstellung der »24 Tuschzeichnungen« mittels immer und immer wieder reliefartig deckend übereinander gelegter Federstriche. Das Kombinieren hunderter Varianten und Ableitungen aus dem Bausatz der geometrischen Figuren. Das beständige Repetieren bestimmter Bedeutung tragender Bildgegenstände und -kompositionen. Da sind Elemente der kontemplativen Versenkung, der Gleichstimmung von Emotio und Ratio mit Händen zu greifen, hier natürlich mit dem Ziel der Reflexion, Vergeistigung und Erkenntnissteigerung.

Jedoch: ›Meditation‹ gelingt in Anwendung auf Luthers Kunst auch in der Gegenrichtung, stellt im Doppelsinn auch auf die Denkleistung der Betrachter ab. Insofern möchten wir den Titel »Konkrete Meditationen« als eine Einladung verstanden wissen, die Luthersche Kunst nicht allein in ihrer ästhetischen Gestalt wahrzunehmen, sondern auch begreifend zu ergründen.

Wie immer man Manfred Luthers Werkgruppen, die in dieser Ausstellung umfassend zu sehen (...) sind, auch bezeichnen mag, so bleibt doch der Furor seiner bildnerischen Welterfassung in allem fassbar. Faszinierend erweist sich am Beispiel Manfred Luthers die experimentelle Leichtigkeit, mit der Künstler wie er sich von der als einer bleiernen Zeit wahrgenommenen Kunstepoche zu befreien versuchten und sich der Korrumpierung widersetzten. Seine Arbeiten, im eng gesteckten Rahmen der DDR-Kunstverhältnisse entstanden und mittels bildnerischer Transzendenz für größere Zusammenhänge konzipiert, bieten das Potential für eine offene Entfaltung ihres Gedanken- und Formensystems in einem erst noch zu entdeckenden Resonanzraum.
Paul Kaiser
Manfred Luther. Konkrete Meditationen, Dresden: Galerie Himmel 2024, S. 22

Zu seinem 20. Todestag am 11. Januar dieses Jahres richtet die Galerie Himmel eine besonders anschauliche, ebenso didaktische wie mental erfrischende Ausstellung mit den Hauptwerken Luthers aus, die sowohl kunsthistorisch aufbereitet als auch ästhetisch einen Glanzpunkt darstellt.
Heinz Weißflog
SAX, Ausgabe Juni 2024, S. 27