Einführung
Der fruchtbaren Begegnung mit dem Freitaler Landschaftsmaler Hermann Lange verdankt der junge Fabrikschlosser Curt Querner seine Entscheidung für die Malerei. Seit 1926 läuft er bei jedem Wetter täglich den zweistündigen Weg von Börnchen nach Dresden zur Akademie. Während er anfangs bei Richard Müller studiert, wird er 1930 für einige Wochen Schüler von Georg Lührig und Otto Dix, der ihn nachhaltig beeinflusst. Doch spontan fasst er den Entschluss, die Akademie zu verlassen. Seiner zukünftigen Frau Regina Dodel schreibt er: »Es gibt als Maler zwar Möglichkeiten, an die vorderste Reihe zu kommen, durch einen rücksichtslosen Egoismus nach der Gesellschaft hin [...]«. Jedoch: »als ein einfacher gerader Kerl durchs Leben gehen, ein Gegner dieser Gesellschaft zu sein, sie abzulehnen, umzuformen, eine Malerei mit einfachen Mitteln aufzubauen,den Weg habe ich gewählt. Es ist der beschwerliche.« 1933 verhaftet man ihn in der Ausstellung »Entartete Kunst« im Lichthof des Dresdner Rathauses aufgrund protestierender Haltung vor dem Kriegstriptychon von Dix. Jahrelang lebt er als mittelloser Künstler von der Arbeitslosenfürsorge, immer auf der Suche nach einem authentischen künstlerischen Ausdruck. 1940 zum Kriegsdienst eingezogen, wird Querner 1943 nach Norwegen verlegt. Selbst hier und in der französischen Kriegsgefangenschaft bis 1947 entstehen eindringliche Bilder. Die Zerstörung von Wohnung und Atelier in der Annenstraße am 13. Februar 1945 markiert einen schweren Einschnitt. Zwei Drittel aller Arbeiten sind verloren. Doch die dadurch erzwungene Rückkehr in das Elternhaus in Börnchen erweist sich als glückliche Fügung, denn der Heimkehrer verwächst mit der archaischen Landschaft und dem engen Lebensraum. Hier findet er fortan seine Motive. Die schroffe und rauhe Natur des Erzgebirgsvorlands, das Dorf mit seinen Gassen, schwer arbeitende Bauern, die Familie, den Bauern Rehn. Herta, ein Bauernmädchen aus der Nachbarschaft, wird dem Maler zur Geliebten und zum bevorzugten Modell, ob für das Porträt, als Rübenauszieherin oder als sinnlich-vitaler Akt. Querner ist bereits 60 Jahre alt, als ihm von offizieller Seite in der DDR die längst überfällige Anerkennung zuteil wird. Obschon der ehemalige Schlosser einst Mitglied der ASSO und der KPD war, ist seine Kunst zu eigenwillig, zu unbestechlich. Querner liebt wechselnde Stimmungen und Launen, den Umbruch der Natur, ganz besonders im Monat März, den er den „Wintertöter“ nennt. Jeder Jahreszeit, aber auch jedem Akt und Bildnis verleiht er in seinen Bildern kräftige, erdige Zwischentöne mit leuchtenden Kontrapunkten. Seine besondere Hinwendung zur Aquarellmalerei seit Ende der 1950er Jahre begründet Querner im Tagebuch so: »Aquarellieren wurde für mich immer mehr zur Freude höchster Anspannung und Disziplin. Die Aquarelle müssen durchstanden sein, wie ein Rausch - in eineinhalb, zwei Stunden. Faszinierend, das, was ich empfinde, in so kurzer Zeit niederschreiben zu können. [...] Erleben und voll innerer Erregung niederschreiben. Ich sehe, ich male.«