Teaser Johannes Heisig

Johannes Heisig

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Die Zeit der politischen Wende markiert eine tiefe Zäsur für Johannes Heisig,
den Maler, den Grafiker, nicht zuletzt den Sohn von Bernhard Heisig. Gerade erst zum Rektor der Dresdner Hochschule gewählt wird der 35-Jährige 1989 vom Untergang der DDR und der Wiedervereinigung Deutschlands überrascht -
das Amt ließ ihn sich plötzlich auf der vermeintlich falschen Seite wiederfinden. Überdies musste er erkennen, dass die fundamentalen Umbrüche von ihm selbst nicht mehr zu gestalten waren, vielmehr ihn selbst in ihrer vollen Wucht betrafen.

In der „neuen Welt" stand vieles von dem infrage, was bislang Vorraussetzung des künstlerischen Schaffens war. Heisig antwortete darauf mit einem persönlich wie künstlerisch kräftezehrenden Aufbruch. In mehreren Schritten kehrte er Dresden den Rücken, gab 1991 Rektorat und Lehramt an der Hochschule auf, bezog 1994 ein Atelier in Berlin, schließlich folgte 2000 die endgültige Übersiedlung in die Hauptstadt.

Auch nach Dresden bekennen sich seine Bilder zur eigenen Geschichte. Zwar ging die enorme politische Relevanz der Malerei mit ihrer exponierten Stellung im repressiven System verloren, doch hat sich Heisig danach keineswegs in eine rein selbstbezügliche Bildkunst geflüchtet. Nach wie vor steht er für eine narrative, das heißt erzählende Malerei ein, die für sich ein Publikum beansprucht und diesem eine Lesart abfordert.

Bewusst setzte sich Johannes Heisig dem hektischen Rhythmus und der spröden Unwirtlichkeit der Metropole aus, um dem Provinzialismus Dresdens zu entfliehen. Inzwischen ist er bei sich selbst angekommen. In den zurückliegenden Berliner Jahren ist ihm eine Selbstbehauptung gelungen, die sich vornehmlich aus der künstlerischen Bewältigung des Umbruchs speist. Dabei hat er eine glanzvolle Handschrift entwickelt, eine handwerkliche Perfektion, welche durch die selbstkritische Praxis des beständigen Verwerfens und Suchens der Form erst zur Wahrhaftigkeit gelangt.

In der ostdeutschen Kunstszene der 1980er Jahre mit Hubertus Giebe und Walter Libuda als „Junger Wilder" apostrophiert, wurde Johannes Heisig 1978 Meisterschüler von Gerhard Kettner an der Dresdner Hochschule. Hier fand er Anschluss an spezifische Traditionslinien der Dresdner Malerei, wie sie unter anderem durch die Schulen von Oskar Kokoschka und Otto Dix vertreten waren.

Nicht unbeeindruckt blieb die Farbpalette Johannes Heisigs von der vielgerühmten Dresdner Peinture, wie sie beispielsweise Bernhard Kretzschmar oder Theodor Rosenhauer pflegten. Seine Bilder entfalten einen zuweilen betörenden Kolorismus, in dem sensibel orchestrierte Klangfarben aus dem Tonbett eines lichthaltigen Grau heraus leuchten.

Als Maler des sozialkritischen Realismus, stilistisch zwischen Expressionismus und Realismus changierend, findet Heisig seine Themen in Alltag und Geschichte, in Literatur und Kunst, immer wieder auch in Religion und Psychologie. Seine intellektuelle Auseinandersetzung mit diesen Themen vollzieht sich sozusagen im Bild.

In der Porträtmalerei ist das zentrale psychologische Moment der Malerei Heisigs mit Händen zu greifen. Selten gleitet der Pinsel an der bloßen Oberfläche des Sichtbaren ab. Die Erscheinung des Gegenübers wird als bisweilen schöne, immer jedoch empfindlich dünnhäutige und - ähnlich wie in den Blumenbildern - vergängliche Existenz beschrieben, anfällig für die stets zu gewärtigenden Zufügungen des Lebens, durchlässig für Gefühle der Angst, der Wut oder der Trauer.

Andere Bilder, in denen sich die Wahrnehmung in phantastische Farbräume hinein weitet, erzählen von inneren Zuständen, von Störung und Zerstörung, von Selbstzweifel, von Hoffnung. Aus dunstig-nebulösen, teils chaotisch strukturierten Farbfeldern lösen sich Figuren, Dinge und Architekturen auf der Suche nach ihrer Rolle im Bild, ihrem Ort in der Welt. Ein wenig scheint hier das grandiose Welttheater eines Max Beckmann auf, das die Wirklichkeit hinter den Dingen sichtbar machen wollte.

Anja Himmel
Herta Günther - C`est la vie | Ausstellung | Galerie Himmel

Nächste Ausstellung

Herta Günther - C`est la vie
11. Mai - 17. August 2019

Vernissage
Freitag, 10. Mai 2019, 19 Uhr

Einführung: Michael Wüstefeld, Lyriker und Essayist, Dresden

Musik: Florian Mayer, Violine
und Michael Kaden, Akkordeon