Wilhelm Rudolph – Aus allen Hölzern war Leben zu erwecken

Ausstellung  |  1. Oktober – 26. November 2022

Rundgang   |   Highlights   |   Vernissage   |   Einführung   |   Presse 

Einführung

Die Galerie Himmel widmet sich in ihrer aktuellen Ausstellung dem druckgrafischen Werk des Dresdner Malers und Grafikers Wilhelm Rudolph (1889-1982). Im Zentrum stehen dabei die Holzschnitte Rudolphs, denen ein herausragender Platz in der deutschen Kunstgeschichte eingeräumt wird. In ihnen vereint sich hohes handwerkliches Können mit einem autarken Formwillen von seltener Konsequenz. In über sieben Jahrzehnten schuf Wilhelm Rudolph ein vielfältiges und eindringliches Werk. Als Höhepunkt seines Schaffens gilt sein expressiver grafischer Werkkomplex „Das zerstörte Dresden“, der mehrere hundert Rohrfederzeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte, Radierungen und Lithografien umfasst. Für die Intensität und den Umfang dieser künstlerischen Auseinandersetzung gibt es in der deutschen Kunst jener Zeit kein Äquivalent.

Doch allzu oft wird dieser Meister des Holzschnitts auf seine Sicht der Zerstörung festgelegt. Insofern bieten die ihm ebenso bedeutsamen Motive - Landschaften, Tier- und Aktdarstellungen - willkommene Einblicke in sein Schaffen. In seinem reifen Holzschnitt berühren sich expressionistische Kompositionsmittel mit impressionistischer, manchmal sogar pointillistischer Lichtbehandlung. Dichte Schraffuren und dynamische Texturen lösen das graphitüberglänzte Schwarz des Holzstocks zunehmend auf und machen es durchlässig. Unscharf umrandete Flächen geraten scheinbar in Bewegung, das spröde Material erwacht zum Leben.

Wilhelm Rudolph wurde 1889 als Sohn einer Weberfamilie geboren. 1906 begann er eine Lithografenlehre, um bereits 1908 auf die Kunstakademie in Dresden zu wechseln. Seine Lehrer waren Robert Sterl und Carl Bantzer. Den Ersten Weltkrieg überlebte Wilhelm Rudolph als Infanterist an der Westfront. 1932 erfolgte die Berufung als Dozent an die Dresdner Kunstakademie. 1933 wurden seine Werke in der Ausstellung „Entartete Kunst“ im Lichthof des Dresdner Rathauses diffamiert, seit 1937 bestand ein faktisches Ausstellungs- und Verkaufsverbot, 1939 wurde er politisch denunziert und schließlich aus dem Lehramt entlassen.

Während der Bombardierung seiner Heimatstadt Dresden verlor Wilhelm Rudolph einen Großteil seines Oeuvres. Nachdem die Stadt in der Nacht zum 14. Februar 1945 im Feuersturm untergegangen war, nahm sich Rudolph in einem Zustand innerster Not und grenzenlosen Entsetzens ihres geschundenen Antlitzes an. Er stieg durch die rauchenden, teils noch brennenden Trümmer und zeichnete wie ein Besessener mit Rohrfeder und Tusche das Bild der Verheerung hundertfach. Der hieraus entstandene Holzschnitt-Zyklus „Dresden 1945“ gehört - neben den Radierfolgen von Francisco de Goya, Käthe Kollwitz und Otto Dix - zu den eindringlichsten Werken der Grafik zum Kriegsthema. Diese bildkünstlerische Leistung, von Erhard Frommhold unter dem Begriff der „moralischen Landschaft“ zusammengefasst, begründet heute den außerordentlichen Rang Wilhelm Rudolphs als Künstler.

Von 1946 bis 1949 hatte Wilhelm Rudolph erneut eine Professur für Malerei und Grafik an der Dresdner Kunstakademie inne, wurde jedoch vom damaligen Rektor Hans Grundig und gegen den Protest seiner Studenten erneut aus dem Lehramt entlassen. Nach seiner Entlassung lebte er als freischaffender Künstler in Dresden und war bis zu seinem Tod auch im hohen Alter noch künstlerisch produktiv. Durch alle Zeiten hindurch blieb er ein Einzelgänger und Asket, der ganz in seiner Kunst aufging.

Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Herta Günther | Flaneurin in Elbflorenz
3. Dezember 2022 - 28. Januar 202
3

Vernissage | Freitag, 2. Dezember 2022, 19 Uhr | Einführung: Dr. Ingrid Koch, Kulturjournalistin und Kuratorin, Dresden