Christiane Wachter und Bruno Raetsch - Expedition | Ausstellung | Galerie Himmel

Christiane Wachter | Bruno Raetsch – Expedition

Ausstellung  |  17. März – 28. April 2018

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Christiane Wachter

Sammeln und Finden, Dekonstruktion und Rekombinationvon Alltagsmaterialien sind
die Grundlagen einer Collage. Christiane Wachters Faszination gilt den handgeschöpften, dichten, transparenten, gebrauchten und gefundenen Papieren in breiter Farbigkeit.
In ihrem Werk verbindet sie die besondere Materialästhetik der Papiere mit sparsamen Grundierungen, Übermalungen und Zeichnungen, die als Unterzeichnung sichtbar
bleiben und Strukturen oder Konturen schärfen. Wachters experimentelle und offene Herangehensweise an Materialien und Techniken erfordert ein genaues Hinschauen,
um Raffinesse und Meisterschaft dieser eindrucksvollen, subtilen Arbeiten zu fassen.

Inspiriert durch Alltag und Reisen stehen Landschaft, Architektur sowie Skulptur, Mensch und Maschine im Mittelpunkt des Werks. Der bisweilen flüchtig anmutende Blick ist genau durchdacht, geometrische Strukturen geben der Bildkomposition Halt. Wachter spürt dem urbanen Leben nach, erkundet verwirrende Bildräume, zeigt vergessene, dem Untergang geweihte Orte in Randgebieten. Hinzu treten bizarre Flugobjekte, offensichtlich einer anderen Zeit entlehnt, sowie skulpturale Mumien aus Palermo, deren teils neumodische Kleidung ihren Tod regelrecht konterkariert. Die weit gefassten, oft menschenleeren Landschaften sind still, scheinen Raum und Zeit enthoben. Sparsam werden Spuren menschlichen Lebens notiert, etwa ein Gerüst, ein Flugzeug oder ein Hund.

Die Bildgewalt dieser ruhigen, beinahe lautlos wirkenden Werke liegt in der Konzentration auf das Ganze. Wachters metaphorische Bildwelten erzählen von Alltag und Verwandlung, vom Verlassen einer alten und vom Aufbruch in eine neue Zeit. Sie bewegen sich von reinen Momentaufnahmen bis hin zu den grundlegenden Fragen unserer Existenz, die um das Thema menschliche Hybris kreisen.


Bruno Raetsch

Der Bildhauer Bruno Raetsch legt seine Arbeiten oft als Serien an. Unter den Titeln
„Frost“ oder „Heimat“ entstehen expressive Skulpturen und Tusche-Zeichnungen ohne vorbereitende Skizzen oder Modelle. Mit dem radikalen Gestus der Kettensäge, der dem Holzblock schmerzhaft traktierte Figuren und Landschaften abtrotzt, schafft er gleichnishafte Seelen- oder Heimatbilder.

Mit „Frost“ ist eine Reihe von Holzskulpturen überschrieben, die Respekt einflößendes
und militant anmutendes Personal zeigt. Attribute wie eine Ketzer- oder Ku-Klux-Klan-Mütze, ein Munitionsgürtel oder ein Spielzeug-Kriegsschiff schaffen eine ironische Distanz zu den Dargestellten und relativieren deren vermeintliches Heldentum. Die gewaltige
Figur des Landvermessers auf Expedition (Frost VI) kann hingegen als Metapher des Entdeckens und Erkennens gesehen werden.

Parallel zur Skulptur entstehen große gestische Tuschezeichnungen, die Raumsituationen bildhauerischer Werke aufgreifen. Hier beginnen sich Skulptur und Zeichnung wie Bruchstücke eines Gesamtkunstwerks zu durchdringen. Raetsch wird, so Susanne Altmann, zum Bild-Regisseur, der dem Betrachter ein „begehbares Erlebnis“ erschafft.
Die Fusion von Skulptur und Zeichnung geht so weit, dass eine künstlerische Idee in beiden Medien gleichermaßen intensiv entwickelt wird, bis sie überzeugt. Schwarze Farbe auf dem Holz, ob Spuren der Vorzeichnung oder intendierte Fassung, zeugen vom gestalterischen Zusammenspiel der Techniken.

Raetsch mag Formen nicht, „in denen man sich sicher fühlt“. Seine Werke sind kraftvoll und expressiv, gewaltig und roh, regelrecht rabiat, herausfordernd und streitbar. Seine Figuren zeigen den Menschen - vollends der Wucht der Natur ausgesetzt - als (Einzel-) Kämpfer, im positiven und wie im negativen Sinn, ohne ihn zu bewerten oder vorzuführen. Es geht um die Sinnsuche angesichts der Bedeutungslosigkeit des eigenen Ichs gegenüber der Natur und ihrer Gesetze. Raetschs endzeitlich aufgeladene Landschaften werden zur bedrückenden Kulisse jener deformierten Körper, die zwischen Schöpfung und Zerstörung changieren.
                                                                                                                                      Anja Himmel

Galerie Himmel

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