Sommerabend ∙ um 1975 ∙ Öl und Tempera auf Karton ∙ 50 x 70 cm  

Junge ∙ 1978 ∙ Mischtechnik auf Karton ∙ 50 x 45 cm

Stillleben mit Früchten ∙ 1971 ∙  Mischtechnik auf Karton ∙ 30 x 40 cm 

Begierde ∙ 1972 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 50 x 64 cm 

Roland Frenzel - Lyrischer Realismus  

Ausstellung | 27. September - 15. November 2008 

Einführung 

Der Maler Roland Frenzel, der im Jahr 2004 mit 66 Jahren verstarb, war ein Außenseiter der Leipziger Kunstszene. Seine lyrisch gestimmten, farbintensiven Bilder stehen in scharfem Kontrast zu der akademischen, inhaltlich verdichteten und oft symbolisch verschlüsselten Malerei der „Leipziger Schule". Frenzels derb-sinnlich und bisweilen regelrecht ungeschminkt vorgetragene Malweise traf wohl auch deshalb den Nerv der Zeit. Und so fand Frenzel als künstlerischer Einzelgänger und Sonderling schon zu Lebzeiten Anerkennung durch viele Sammler und Künstlerkollegen, die seine sichtbar an der „Klassischen Moderne" angelehnte Malerei als eine Bereicherung der Leipziger Kunst schätzten.

Roland Frenzel war ein Autodidakt, er hat keine Kunsthochschule besucht. Und insofern ist seine Malerei per se unakademisch. Fünfundzwanzig Jahre lang hat Frenzel als Maurer gearbeitet. Seine Wohnung mit Atelier lag im Leipziger Westen, in dem alten Arbeiterviertel Leutzsch, wo er seine bevorzugten Motive fand. Dort entstanden in den 50er-Jahren erste zeichnerische Versuche mit Bleistift auf Papier: Landschaften, Stillleben und Porträts. Etwas später folgten erste Ölbilder, die schon zwei Wesenzüge seiner Malerei aufwiesen: ein derber, fest zupackender Zeichenduktus und eine freie, expressive Farbpalette. In dieser Zeit - um 1960 - erwachte Frenzels Interesse für das Werk Vincent van Goghs, dessen Malerei ihn wegen ihrer Unmittelbarkeit und Lebendigkeit stark in den Bann zog. Seit Mitte der 1960er Jahre erhielt Frenzels Malerei eine neue Qualität. Er arbeitete zunehmend mit Ölfarben und großflächiger. Sein erstes großes Selbstbildnis von 1970 zeigt ihn selbstbewusst, das Gesicht mit wenigen kräftigen Konturen umrissen, flächig, ohne jede Plastizität. Die Farben strahlen Frische und Lebendigkeit aus; gleichzeitig erblickt der Betrachter einen nachdenklichen Roland Frenzel, einen Suchenden, Fragenden.

Anfang der 70er Jahre beginnt die wohl fruchtbarste Phase in Frenzels künstlerischem Schaffen. Er arbeitet mit viel Schwung und großer Intensität. Uns begegnen dekorative und klar gegliederte Formen mit kontrastierenden leuchtenden Farben, die an Werke von Henri Matisse oder Max Beckmann erinnern. Mit schwungvoller Linienführung setzt Frenzel breite farbige Konturen ein, die große Farbflächen umreißen.

Endlich, 1974, nach dem Ritterschlag der erstmaligen Beteiligung an einer Leipziger Bezirkskunstausstellung, gibt Frenzel seine Arbeit als Maurer auf und widmet sich fortan nur der Malerei. Immer wieder entstehen Landschaften, Porträts, Akte und Stillleben in den vielfältigsten Variationen. Frenzels reizvolle Landschaften sind gespannt von wilder Bewegtheit bis hin zu stiller Verhaltenheit. Es gelingt ihm, extreme Farb- und Lichtstimmungen einzufangen. Er liebt es, Herbst und Winter, Dämmerung und Nacht oder glühende Hitze darzustellen - Zeiten, in denen das Licht eine besondere, flüchtige und zugleich schwer beschreibbare Qualität annimmt. Frenzels Bilder leben vom Kontrast der Farben, ihrer Helligkeit und Intensität - die Farbe wird Frenzels bestimmendes Ausdrucksmittel. Mit einem sicheren „Bauchgefühl" für Farbe entstehen bei Frenzel Kompositionen mit einem großen, aber nicht lauten, sondern eher den Dingen und ihren Zuständen angemessenen Klang.

Die Zuneigung zur Farbe, aber auch die Schlichtheit und Emotionalität, die Frenzels Arbeiten eigen sind, haben dazu geführt, dass dem Außenseiter Roland Frenzel ein Platz in der Leipziger Kunstszene eingeräumt wurde.

Der Stil der sozusagen offiziellen „Leipziger Kunst", vertreten durch das berühmte Dreigestirn Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer und Bernhard Heisig, hatte sich seit den 70er Jahren von dieser Art emotionaler Farbenmalerei bereits weit entfernt. Deutlich wird dies wohl im kommenden Jahr in Leipzig werden, wenn in der Retrospektive zur „Kunst in Leipzig seit 1945" auch Gemälde von Roland Frenzel aus den Beständen des Leipziger Bildermuseums und der Kunsthalle der Sparkasse Leipzig anderen Werken der klassischen „Leipziger Schule" gegenüberstehen werden.

Anja Himmel
(Auszug aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung am 26. September 2008)

Bertram Kober - Carrara und Sacri Monti | Ausstellung | Galerie Himmel

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Einladungen  

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Blumenstrauß ∙ 1981 ∙ Öl auf Karton ∙ 50 x 40 cm 

Sommerlandschaft ∙ um 1978 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 42 x 52 cm