Norbert Wagenbrett,Teaser

Norbert Wagenbrett  - Hinter der Maske  

Ausstellung |  15. September - 3. November 2012

Einführung  

Der Leipziger Künstler Norbert Wagenbrett nimmt innerhalb der figürlichen Malerei der Gegenwart eine Sonderstellung ein. Er widmet sich beinahe ausschließlich dem Porträt. Doch Wagenbrett ist nicht einfach nur "Porträtmaler", ihn interessiert der Mensch hinter der Maske, Hoffnung und Zweifel in sich tragend, Wünsche und Sehnsüchte bergend. Ohne den Menschen und sein Wesen bloßzustellen, gelingt in einem über viele Stunden andauernden Malprozess so etwas wie eine behutsam chiffrierte Offenbarung des Dargestellten. In der Begegnung von Maler und Modell weicht die anfängliche Distanz einer gewissen Vertrautheit.

"Ich gehe zu den Menschen und suche ihre Träume und finde ihre Ängste, finde Ebenen der Gemeinsamkeit, finde Bilder. Es sind Bilder dieser Menschen, unendlich einmalig, mit keinem Objekt auf der Welt vergleichbar, und doch, im alltäglichen, öffentlichen Leben scheinen die Gesichter sich zu ähneln, einander gleich zu werden und zu verschmelzen, wie die Gedanken, die nicht mehr die eigenen sind", so der Künstler.
 
Wagenbrett sucht das Außergewöhnliche, etwas, das den Menschen unverwechselbar und einzigartig macht, ihn aus der Menge heraushebt. Seine Malerei brilliert durch virtuoses Handwerk, durch scharfe Beobachtung und Genauigkeit der Zeichnung. Augen, Gesichtszüge und Hände sind minutiös gearbeitet, weisen auf Charakterzüge wie Offenheit oder Verschlossenheit hin. Die zugeordneten Gegenstände, die Interieurs, Kulissen und Stadträume sind als Attribute lesbar, die weiter von den Porträtierten zu erzählen wissen.

Steht man den überlebensgroßen Bildnissen von Norbert Wagenbrett gegenüber, erfährt man eine Monumentalität und Lebendigkeit der Porträtierten, die frappierend ist. Zudem vermag sich der Betrachter deren frontal aus dem Bild heraus gerichteten Blick kaum zu entziehen. Faszination aber auch Irritation gehen von diesem absichtsvoll forcierten Realismus aus. 

Die in drei Jahrzehnten entstandenen Porträts zeigen eine konsequente Entwicklung der malerischen Mittel. Für die frühen Bildnisse der 80er Jahre sind weiche Konturen und warm eingebettete Farbtöne charakteristisch. Mit der politischen Wende 1989 werden die Konturen härter, die Zeichnung schärfer, die Farbe sowie das Hell-Dunkel kontrastreicher. Die Bildnisse nach 2000 sind besonders durch ein leuchtendes, kühler anmutendes Kolorit geprägt.

Wagenbrett hat bei Arno Rink und Volker Stelzmann an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert. Die Wurzeln seiner hyperrealistischen Porträtmalerei allerdings liegen in der veristischen Wahrheitssuche der Neuen Sachlichkeit. Er steht in der Bildtradition der sozialkritischen Malerei eines Otto Dix, eines Christian Schad oder Curt Querner. Und es ist für ihn durchaus kennzeichnend, dass seine Malerei eher im Kontext der Klassischen Moderne als im Zusammenhang der Leipziger Schule gesehen wird. Wagenbrett ging einen eigenen Weg und fand für seine Malerei eine absolut gegenwärtige Bildsprache, in der sowohl das Individuelle der porträtierten Person als auch das Zeittypische ihres Umfelds archiviert erscheint. Dabei erreichen seine Bilder eine Unmittelbarkeit und Präsenz, die uns sowohl herauszufordern als auch nachhaltig in den Bann zu ziehen vermag.

Anja Himmel

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