Max Schwimmer - Liebling der Musen

Max Schwimmer – Liebling der Musen

Ausstellung  |  14. Januar – 4. März 2017

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Einführung

Selten sind die Gelegenheiten, den Maler Max Schwimmer öffentlich gewürdigt zu sehen. Am stärksten gegenwärtig ist er uns nach wie vor als Zeichner, als Illustrator unendlich vieler reich ausgestatteter Bucheditionen der Weltliteratur. Jeder literarisch Interessierte hielt schon ein Buch in seinen Händen, von den belebt-belebenden Zeichnungen Schwimmers geschmückt. Doch Max Schwimmer war kein reiner Illustrator. Sein Selbstverständnis war das eines Malers, eines Malers von ebenso europäischem wie auch historischem Rang. Als einen solchen möchte unsere Ausstellung ihn zeigen, denn den Künstler Max Schwimmer macht nur zum Teil sein unzweifelhaft geniales zeichnerisches Können aus. Mindestens ebenso großen Anteil an seiner Meisterschaft hat sein ausgeprägter sensitiver Kolorismus. Und hierin war Schwimmer eben vor allem Maler, weniger Zeichner.

Der Autodidakt Max Schwimmer hat seit seinen Jugendjahren, ausgehend von dem ihm seelisch zutiefst verwandten Impressionismus, ein ganz eigenes Kolorit entwickelt. Eine Farbpalette, geprägt von lockerer Duftigkeit, von gesteigerter Eleganz und gleichzeitiger lebendiger Leuchtkraft. Immer wieder haben Schwimmers Kritiker diese Qualität seiner Malerei besonders hervorzuheben gewusst. Der bedeutende Kunstpublizist des deutschen Impressionismus, Karl Scheffler, erkannte hierin eine unverdorben bewahrte Naivität, welche im Wesentlichen den Glanz, den Zauber und die Phantasie der Farbe suche. Er bestärkte Schwimmer 1944: „Immer mehr entwickeln Sie sich dem rein Koloristischen zu, mit einer instinktiven Sicherheit, die Ihr eigenes Ressort ist. Darin
gehen Sie weit über Slevogt hinaus.“ Der Kunstkritiker Wolfgang Balzer hingegen, später Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sah den Künstler schon 1922 wie in einem heiteren Spiel mit Farben begriffen, mit entzückender Leichtigkeit Farbtupfen abtönend und verteilend, gleichsam in einem „Musizieren mit Farben“.

Beide, die spielerische Leichtigkeit ebenso wie der Zugang zu einer unverschütteten inneren Ursprünglichkeit, sind für Max Schwimmer essentiell, werden sie doch auch für seine Zeichenkunst, gerade in der Buchillustration, als hervorstechendste Eigenschaften genannt. So sehr dies beim Betrachten seiner Bilder einsehbar ist, so wenig darf darüber vergessen werden, wie sehr beides beständig, über die gesamte Lebenszeit hinweg immer wieder erkämpft sein wollte. Kein „Spinnweb“ durfte zwischen den immerzu zeichnend beschäftigten Fingern wachsen. Stets musste das Tor zum Schöpferischen offen gehalten werden. Nie ruhte sich Schwimmer auf Errungenem aus, kaum war er
zufrieden mit Erreichtem. Die Suche nach immer weiterer Steigerung zieht sich als Konstante durch sein Leben.

Substantielle Steigerung erfuhr er durch Reisen, die ihn nach Italien und Frankreich führten. Den Sommer 1924 verbrachte er bei Hans Purrmann auf Ischia, einer Insel im Golf von Neapel. Er sog das süditalienische Flair förmlich auf. Purrmann, Matisse-Schüler und französischster aller damaligen deutschen Maler, wurde ihm zum einzigen und ewig geliebten Lehrer. Durch ihn vermittelte sich dem noch erfolglosen Maler erstmals frisch
die Schule des französischen Impressionismus. Durch ihn wurde er zum europäischen Maler. Diese Entwicklung bestätigend und bereichernd wurden zwei Frankreichreisen, die Schwimmer 1926 und 1929 jeweils für mehrere Wochen nach Paris und dann ins Midi führten. Unter dem Eindruck des mediterranen Lichts und der Begegnung mit Pierre Bonnard erfuhr seine Farbpalette eine letzte Aufhellung, Jules Pascin regte die stärkere Hinwendung zu amourösen Themen an.

Wichtigstes Korrektiv war ihm die künstlerische Konkurrenz in Gegenwart und Geschichte. Sein Kosmos kannte viele Leitsterne, den französischen Impressionisten war darin ein zentraler Platz eingeräumt. An Matisse, Toulouse-Lautrec, Manet und Cezanne, an Renoir, van Gogh und Gaugin maß er sein Können, seine malerische Agenda. Doch sein Koordinatensystem war nicht eindimensional. Er verehrte die unterschiedlichsten Künstler, angefangen mit Rembrandt, dessen Zeichenkunst er über die Maßen schätzte.
Die deutschen Impressionisten bedeuteten ihm viel, allen voran der große Liebermann, aber auch Corinth, Slevogt, nicht zuletzt der Realist Menzel. Hinzu traten Außenseiter wie Munch, später vor allem Beckmann. Doch zwischen all diesen Orientierung gebenden Gestirnen verlor der Leipziger nie das ihm Gemäße seiner Bildsprache, weshalb er uns heute als autonomer Leitstern am Firmament der Kunst leuchtet.

Michael Böhlitz

Galerie Himmel

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Die Ausstellung begleitet
ein reich bebilderter Katalog 
mit Texten von Anke Fröhlich-
Schauseil, Jördis Lademann
und Frank Oehmichen