Max Schwimmer und der heitere Eros

Max Schwimmer und der heitere Eros

Ausstellung  |  25. Juli – 10. Oktober 2020

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Einführung

Anlässlich des 60. Todesjahres von Max Schwimmer nimmt die Ausstellung die Spur des Eros, speziell des heiteren Eros in Schwimmers Werk auf. Der Künstler bevorzugte Motive leichterer Genres, neben der Landschaft und dem Stillleben immer wieder das amouröse Fach. Akte, Halbakte, unzulänglich Verhüllte, Liebeleien, grazile Schönheiten, gern auch Frivoles, von der erotischen Andeutung bis zur charmanten Anzüglichkeit – beim Zeichnen dieser Dinge schien seine Fabulierlust besonders inspiriert, sein Strich besonders vibrierend. Der heitere Eros versetzte ihn in einen Zustand schöpferischer Schwere-losigkeit, verhalf ihm zu einer  Ästhetik der Anmut, vor allem aber zu gesteigerter Sinn-lichkeit, die sich all seinen Kreationen, auch den Stillleben und Landschaften mitteilte.

Max Schwimmer ist heute vor allem als Zeichner, als Illustrator unendlich vieler reich ausgestatteter Bucheditionen der Weltliteratur bekannt. Jeder literarisch Interessierte hielt schon ein Buch in seinen Händen, von den belebt-belebenden Zeichnungen Schwimmers geschmückt. Doch Max Schwimmer war kein reiner Illustrator. Der Leipziger Maler und Zeichner hat in seinen Jugendjahren, ausgehend von dem ihm seelisch zutiefst verwandten Impressionismus, ein ganz eigenes Kolorit entwickelt. Eine Farbpalette, geprägt von lockerer Duftigkeit, von gesteigerter Eleganz und lebendiger Leuchtkraft.

Immer wieder haben Schwimmers Kritiker die Qualität seiner Malerei besonders hervorzuheben gewusst. Der bedeutende Kunstpublizist des deutschen Impressionismus, Karl Scheffler, erkannte hierin eine unverdorben bewahrte Naivität, welche im Wesentlichen den Glanz, den Zauber und die Phantasie der Farbe suche. Er bestärkte Schwimmer 1944: „Immer mehr entwickeln Sie sich dem rein Koloristischen zu, mit einer instinktiven Sicherheit, die Ihr eigenes Ressort ist. Darin gehen Sie weit über Slevogt hinaus.“ Der Kunstkritiker Wolfgang Balzer hingegen, später Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, sah Schwimmer schon 1922 wie in einem heiteren Spiel mit Farben begriffen, mit entzückender Leichtigkeit Farbtupfen abtönend und verteilend, gleichsam in einem „Musizieren mit Farben“.

Substantielle Steigerung erfuhr Schwimmers Malerei durch Reisen, die ihn nach Italien und Frankreich führten. Den Sommer 1924 verbrachte er bei Hans Purrmann auf Ischia, einer Insel im Golf von Neapel. Er sog das süditalienische Flair förmlich auf. Purrmann, Matisse-Schüler und französischster aller damaligen deutschen Maler, wurde ihm zum einzigen und ewig geliebten Lehrer. Durch ihn vermittelte sich dem noch erfolglosen Maler
die Schule des französischen Impressionismus. Diese Entwicklung bestätigend und bereichernd wurden zwei Frankreich-Reisen, die Schwimmer 1926 und 1929 jeweils für mehrere Wochen nach Paris und dann ins Midi führten. Unter dem Eindruck des mediterranen Lichts und der Begegnung mit Pierre Bonnard erfuhr seine Farbpalette eine letzte Aufhellung, Jules Pascin regte die Hinwendung zu amourösen Themen an.

Wichtigstes Korrektiv war ihm die künstlerische Konkurrenz in Gegenwart und Geschichte. Anregung erfuhr Schwimmer besonders durch die französischen Impressionisten. An Matisse, Toulouse-Lautrec, Manet und Cézanne, an Renoir, van Gogh und Gauguin maß er sein Können, seine malerische Agenda. Darüber hinaus verehrte er die unterschied-lichsten Künstler, angefangen mit Rembrandt, dessen Zeichenkunst er über die Maßen schätzte. Die deutschen Impressionisten bedeuteten ihm viel, allen voran der große Liebermann, aber auch Corinth, Slevogt, nicht zuletzt der Realist Menzel. Hinzu traten Außenseiter wie Munch, später vor allem Beckmann. Doch zwischen all diesen Orientierung gebenden Künstlern verlor der Leipziger nie das ihm Gemäße seiner Bild-sprache, deren sinnlich-lebendiger Klang, heiter und luftig schwingend, so einzigartig ist.

 

Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Max Schwimmer und der heitere Eros
25. Juli - 10. Oktober 2020

Die Ausstellung begleitet
ein reich bebilderter Katalog 
mit einem Beitrag von René-Marc Pille, Professor für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte an der Univerité Paris 8 Vincennes-Saint-Denis