Lepke Förster

Gerda Lepke | Wieland Förster – Passion

Ausstellung  |  15. Juni – 24. August 2024

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Ihren Bildmotiven ist Gerda Lepke, Grande Dame der ostdeutschen Malerei, über all die Jahre verbunden geblieben. Wieder und wieder hat sie menschliche Figur und antike Skulptur, Landschaft und Himmel, Baum und Geäst gemalt, immer deren Veränderlichkeit durch Zeit, Licht und Raum im Blick. Malerei bedeutet ihr Selbstgespräch, in dem um Findung und Erfindung gerungen, in dem der Gegenstand unablässig hinterfragt wird. Form und Kontur werden durch malerische Mittel aufgelöst und verlebendigt. Sie erreicht dies durch eine ekstatische Linienführung, durch verdichtete Strichlagen, Pinselhiebe und Farbspritzer, die vibrierende und flirrende Texturen entstehen lassen.

Das bewusst skizzenhafte und fragmentarische Arbeiten, das An- und Ausschneiden der Bildgegenstände führt zu einer Verdichtung und Abstraktion, die stets ein Ausloten des
Darstellbaren zwischen der Unkenntlichkeit und der Erkennbarkeit thematisiert. Leidenschaftliches Ringen um Figur und Natur kennzeichnet die Malerei von Anbeginn.

Gerda Lepke machte Ende der 1960er Jahre, in einem Klima größtmöglicher kultureller Abschottung, Bekanntschaft mit der Kunst internationaler Avantgardisten wie Jackson Pollock, Antoni Tàpies und Wols, die ihre lyrisch-pointilistische Bildsprache bestärkten. „Inkunabeln“ ihrer Formfindung sind seit den 1980er Jahren antike Skulpturen, etwa die „Tanzende Mänade“ oder „Narzissus“. Gerda Lepke hat sie in einem Maße verinnerlicht, dass sie zu Grundformen, ja zu Archetypen ihres figürlichen Gestaltens wurden.

Wieland Förster zählt zu den großen deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts. Er sei Bildhauer geworden, weil er „an ganz bestimmten Grundverletzungen litt, mit denen ich sehr schwer fertig geworden bin. Es war der Versuch, aufzuarbeiten, was an Erschütterungen von der Zeit her in mich eingedrungen ist.“ Nach dem Studium der Bildhauerei bei Walter Arnold an der Dresdner Kunstakademie wurde er Meisterschüler bei Fritz Cremer an der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin. Schon 1961 musste der bekennende „Formalist“ abbrechen und arbeitete fortan in einem kleinen Berliner Ladenatelier an seinem Lebenswerk.

Die Ausstellung zeigt ein Hauptwerk Wieland Försters und der figürlichen Bildhauerei nach 1945 überhaupt: Die „Große Neeberger Figur“ (1971-1974), die nur in fünf Bronzegüssen exitiert, wobei vier Exemplare in herausragenden deutschen Sammlungen vertreten sind (Nationalgalerie Berlin, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Lindenau-Museum Altenburg, Kunstmuseum Magdeburg). Mit diesem Werk werden Fragen zur Darstellung des Menschen, zu Realismus und abstrahierter Figur, zu Schmerz, Leid und Eros, zu Leben, Vergänglichkeit und Tod sowie zu Akt und bekleideter Figur berührt.

Die „Große Neeberger Figur“ verkörpert ein alltägliches Motiv, das des Hemdausziehens. Sie ist, aus Eiformen aufgebaut, in den Körperformen so abstrahiert, dass sie zu einer Übersteigerung des traditionellen Körperideals geworden ist. Ihre Zehen bohren sich in die Erde, ihre Arme reckt sie in den Himmel, verborgen ist der Kopf unter dem herab gleitendem Gewand. Ihr Gegenbild ist der „Große Trauernde Mann“ (1979–1983), der blockhaft und in größter Anspannung in sich zusammengezogen Trauer, Verzweiflung und seelische Qualen verkörpert. Existenzielle Polaritäten bestimmen das Werk eines der bedeutendsten Künstler unserer Gegenwart. In der Ausstellung wird neben der "Großen Neeberger Figur" auch ein Bronzeguss vom "Kleinen Trauernden Mann" (1973-1974) zu sehen sein.

Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Gerda Lepke | Wieland Förster 
Passion
15. Juni - 24. August 2024

Vernissage | Freitag, 14.6.2024, 19 Uhr | Laudatio: Anja Himmel,
Kunsthistorikerin & Galeristin