Klaus Drechsler - Herbstzeitlose | Ausstellung | Galerie Himmel

Klaus Drechsler – Herbstzeitlose

Ausstellung  |  25. November 2017  – 13. Januar 2018

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Presse

Heinz Weißflog

Die nun bereits zweite Ausstellung von Klaus Drechsler in der Galerie Himmel favoritisiert diesmal das Aquarell und die Bronzeplastik, die zu den wesentlichen Ausdrucksformen im Schaffen des Wachwitzer Meisters gehören. Drechsler ist "Naturgänger" und "Waldläufer", der seine Inspiration im Freien sucht. Auch sein Wachwitzer Garten bietet zahlreiche Anregungen. Drechlser liebt vor allem die alte bäuerliche Architektur im Großraum Dresden und Pirna. Mit seinen Landschaftsbildern bewahrt er historische Bauten, Bauernhöfe, Gasthäuser und Mühlen vor dem Vergessen. Viele von ihnen sind bereits abgerissen oder wurden aufwendig saniert; ihr Urzustand ist also verloren gegangen. Neben der Dokumentation der Schönheit einer unwiederbringlichen Bausubstanz sind besonders die Aquarelle, bedingt durch die komplizierte Technik, künstlerische Meisterleistungen, die eine gewisse kreatürliche Belebtheit ausstrahlen und auf jeweilige Licht- und Raumsituation individuell antworten. Jedes Werk ist anders gearbeitet, mal Nass in Nass, sorgfältig laviert oder mit dichterem Farbauftrag versehen. Neben den Verletzungen durch Verfall oder Vandalismus betrauert Drechsler den achtlosen Umgang mit unseren überlieferten traditionellen Lebensräumen. Bis heute gibt er sein Wissen in Kursen der Volkshochschule weiter.

Klaus Drechsler wurde 1940 in Ober Dammer (Kreis Lüben, Schlesien) geboren. Von dort vertrieben, lebte die Familie in der Oberlausitz. Die bäuerliche Umgebung prägte das Kind und den Jugendlichen stark und festigte seine Verbundenheit mit der Natur. 1957 kam die Familie nach Dresden, 1961 siedelte sie sich in Wachwitz an. 1961 bis 1966 studierte Drechsler an der HfBK Dresden bei Prof. Paul Michaelis. 1966 gründet er in Pirna-Sonnenstein einen Mal- und Zeichenzirkel, der bis heute als Verein weitergführt wird. 2001 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Pirna für seine didaktische und künstlerische Lebensleistung.

Neben den Landschaftsbildern zeigt Drechsler Stillleben mit einem Kanon von Dingen. So legt er besonders Früchte und bäuerliche Produkte auf festlich drapierte Tische, aber auch Totenschädel, Schriftrolle, Leuchter, Messer, Kanne und Tiegel, vor allem Melone, Kürbis und Quitten, die im heimischen Garten angebaut und in verschiedenen Erhaltungszuständen dargestellt werden (z.B. fleckige Falläpfel). Drechsler beobachtet die Dinge immer unter dem Aspekt ihres Vergehens. Auch in den Porträts deuten sich Alter, Sterben und Vergänglichkeit an. Seine oft skurillen Physiognomien sind nicht schön sondern zeigen immer wieder die Spuren des Lebens wie "Frau mit gelber Mütze" (1996). Auch die vier Akte, davon zwei aus den 80er Jahren, sind nicht schön zu nennen, zeigen sich aber in ihrer ganzen Opulenz und venushaften Üppigkeit, wie man es von völkerkundlichen und archäologischen Artefakten kennt. Drechlsers Kenntnisse im Bereich der Ethnologie schlugen sich auch in seiner eigenen künstlerischen Arbeit nieder. Ein leicht expressiver Zug seiner Bilder und Plastiken betont das eher Rustikale und Erdverbundene.

Gut plaziert, treten die Kleinbronzen Drechslers im Ausstellungsbild markant hervor. Seit Mitte der 1990er Jahre wandte sich der Maler und Grafiker verstärkt plastischen Arbeiten zu: Die mehrteilige Serie zu Cervantes "Don Quichotte" (sie gibt es in geringer Auflagenhöhe) belegt, dass Drechsler sich zu einem exzellenten Bildhauer herangebildet hat. Die kleinen, "malerisch patinierten Bronzen" (Anja Himmel) sind grazil und realistisch aufgefasst, zeigen in treffenden Gesten den berühmten cholerischen Melancholiker der spanischen Renaissance-Dichtung als stolz Triumphierenden und kläglich Scheiternden. Auf seinem Pferd Rosinante, mit Lanze und Schild und dem typischen Blechhut besteht der "Ritter von der traurigen Gestalt" vor den Augen des Betrachters seine Abenteuer. Im Gleichnis spricht Drechsler auch in seinen beiden Fantasievögeln: Ihr Habitus verkörpert zutiefst Menschliches wie in "Wächter" (2016) und "Hagestolz" (2017), das gerade durch die Komik ihres Gestus herübergebracht wird.

Klaus Drechsler steht in der Tradition der Dresdner Malkultur der Klassischen Moderne. Eine hohe und solide Qualität der Handwerklichkeit geht dabei einher mit künstlerischer Finesse und einem besonderen Verhältnis von Tragik und Witz. Sein umfangreiches Werk ist zugleich intuitive Deutung des Daseins als auch tiefe Verneigung vor dem Menschen und seinem individuellen Schicksal.

Im Kabinett der Galerie stellt Anne Kern Ölmalerei auf Papier unter dem Titel "Bruchstücke" aus. In ihren tektonischen Felslandschaften und herbstlich durchlichteten Waldbildspiegelungen waltet ein strenger Geist, leicht zur Abstraktion neigend.

"Verneigen vor menschlichem Schicksal", Dresdner Neueste Nachrichten,
6. Dezember 2017

Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Klaus Drechsler - Vita brevis
22. Mai - 18. Juli 2020

Die Ausstellung begleitet
ein reich bebilderter Katalog 
mit Texten von Anke Fröhlich-
Schauseil, Jördis Lademann
und Frank Oehmichen