Iris Brankatschk, Erlen, 2008, Öl auf Leinwand, 130 x 260 cm, zweiteilig

Erlen ∙ 2008 ∙ Öl auf Leinwand 

Iris Brankatschk, o. T., 2010. Öl auf Leinwand

o. T. ∙ 2010 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Fluss, 2006, Kohle auf Papier

Fluss ∙ 2006 ∙ Kohle auf Papier   

Iris Brankatschk, 16.12.01 - 1, 2001, Kohle & Gouache auf Papier

16.12.01 - 1 ∙ 2001 ∙ Kohle & Gouache auf Papier   

Iris Brankatschk, Eisenbahnbrücke Elbhafen Dresden, 2003, Kohle auf Papier

Eisenbahnbrücke Elbhafen Dresden ∙ 2003 ∙ Kohle auf Papier   

Iris Brankatschk, 16.12.01 - 2, 2001, Kohle & Gouache auf Papier

16.12.01 - 2 ∙ 2001 ∙ Kohle & Gouache auf Papier  

Iris Brankatschk, Mann im Schatten, 2010, Öl auf Leinwand

Mann im Schatten ∙ 2010 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Landschaft horizontal (Blatt 2 von 3), 2002, Gouache auf Papier

Landschaft horizontal II ∙ 2002 ∙ Gouache auf Papier 

Iris Brankatschk, Die Brücke, 2010, Gouache auf Papier

Die Brücke ∙ 2010 ∙ Gouache auf Papier   

Iris Brankatschk, Maiberg, 2007, Öl auf Leinwand, 100 x 140 cm

Iris Brankatschk - Spiegelungen  

Ausstellung | 19. Juni - 7. August 2010 

Einführung 

Kann man sich einen idyllischeren Ort zum Arbeiten vorstellen als das Atelier von Iris
Brankatschk im Dörfchen Pließkowitz bei Bautzen? Vor etwa 15 Jahren bezog sie eine einzeln stehende kleine Wassermühle an der Kleinen Spree, die direkt an ihrem Grundstück vorbeifließt. Das Atelier richtete sie im obersten Stockwerk auf dem ehemaligen Kornboden ein, von dem aus sie einen ausgesprochen reizvollen Rundumblick auf die sanfte Flußaue genießt. Und doch offenbart sich diese Idylle trotz ihrer Schönheit und ihrer Ruhe bei genauem Hinsehen als unvollkommen, denn sie birgt eine Ambivalenz in sich. Sie ist für die Künstlerin ein Rückzugsraum, der eben immer auch die Schattenseite, die Disharmonie von Mensch und Natur mit einschließt, der man nie ganz entkommt.

Die von Iris Brankatschk auf Leinwand gebannten Landschaften greifen genau dieses Thema auf. Es sind Landschaften, die positive wie negative Assoziationen in uns wecken, die Gefühle,Gedanken und Wünsche evozieren. Für die Darstellbarkeit jener Ambivalenz dient Iris Brankatschk vor allem eine Metapher - das Wasser und seine spiegelnden Oberflächen. Denn ob das Element als transparent, klar und freundlich, als schillernd und verlockend glitzernd, oder als trübe und bedrohlich dunkel wahrgenommen wird, bleibt nicht selten dem Betrachter überlassen. Die Wasseroberfläche wird zum Spiegel eigener Assoziationen und Erinnerungen und damit zum Spiegel der menschlichen Seele.

Aber zunächst zur Biografie der Künstlerin: Aufgewachsen ist Iris Brankatschk in Bautzen.
Kindheitserinnerungen an die Tagebaulandschaften um Hoyerswerda, das Kohlekraftwerk
„Schwarze Pumpe“ in Spremberg, aber auch an die weiten Spreeauen jenseits von Cottbus prägten sie früh. So entstand ein kindliches Bewusstsein von landschaftlicher Veränderung, von zerstörerischen Eingriffen in die Natur. Diese „Kindheitslandschaft“, wie Jörg Sperling sie einmal genannt hat, stellt mit unbewusst oder bewusst aufgegriffenen Erinnerungen den Ausgangspunkt für ihre Landschaftsmalerei dar.

Iris Brankatschk absolvierte zwischen 1974 und 1977 ein Abendstudium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, genauer gesagt bei dem Dresdner Maler Egon Pukall, der damals die Außenstelle der Akademie in Bautzen leitete. Pukall, der unter dem Einfluss der klassischen Moderne, besonders von Henry Matisse stand, strebte nach der Ausgewogenheit von Farbflächen, die er mit klarer Linienführung voneinander abgrenzte. Er schuf eine kontemplative Malerei, die Spuren in der malerischen Entwicklung von Iris Brankatschk hinterlassen hat. Von 1977 bis 1983 studierte sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig im Fachbereich Buchgestaltung. Von 1983 bis 1987 war sie dann als Grafikerin und künstlerische Leiterin im Domowina-Verlag in Bautzen tätig - dem einzigen sorbischsprachigen Verlag, der sich der Pflege und Erhaltung der sorbischen Sprache in der Literatur verschrieben hat. In den Jahren 1987 bis 1990 absolvierte sie an der Leipziger Hochschule noch ein Meisterstudium mit dem Schwerpunkt Künstlerbücher.

Seit 1990 arbeitet Iris Brankatschk als freischaffende Künstlerin. Seit etwa 10 Jahren tritt
sie mit ihren Arbeiten vermehrt in Personalausstellungen in Görlitz, Bautzen und Dresden
auf, in Dresden unter anderem in der Galerie Drei und im Riesa efau. Hervorzuheben ist die große Personalausstellung, die ihr das Sorbische Museum in Bautzen voriges Jahr gewidmet hat. Im Jahr 2004 erhielt sie den Kunstpreis der Oberlausitz, mit dem aller zwei Jahre herausragende Künstler der Region geehrt werden.

Iris Brankatschk malt Landschaften, vor allem Wasserlandschaften, die überall verortet
werden können, weil sie generelle Fragen aufwerfen. Ausgangspunkt und Motivation ihrer
Malerei ist die eingangs beschriebene prägende Kindheitslandschaft, die nach immer neuen bildlichen Manifestationen verlangt. Die Inspiration für das konkrete Bild indes sucht Iris Brankatschk aktuell und vor Ort, in der Landschaft ihrer Heimat. Die reichen
Teichlandschaften und Flussauen der Lausitz bieten immer neuen Stoff für ihre Bilder. Sie
ist ein naturverbundener Mensch, der genau beobachtet und die nötige Geduld für das
Auffinden des fruchtbaren Augenblicks aufbringt. Draußen, in der Natur, entstehen
Zeichnungen, welche die Eindrücke, die entdeckten Strukturen oder atmosphärischen Stimmungen festhalten.

Im Atelier werden diese gezeichneten Momentaufnahmen in Malerei umgesetzt. Hier richtet Iris Brankatschk den Fokus sehr konzentriert auf geeignete Ausschnitte und verdichtet sie kompositorisch. In diesen Ausschnitten tritt das scheinbar Unscheinbare hervor, hat das von uns nur nebenher oder gar unbewusst Gesehene seinen Auftritt. Ein Schatten verschleiert mehr, als er offenbart, Glanzpunkte irrlichtern über einen leise bewegten Wasserspiegel, ein kaum beachteter Vogel segelt vorüber, vom Ufersaum herabhängende Zweige rahmen den Ausblick.

Die Landschaften sind menschenleer, mitunter erscheinen Spuren menschlichen Lebens, ein Wartehäuschen, ein Boot oder Hafenanlagen. Und selbst wenn sich Wasser strudelnd in ein Schleusenbecken ergießt, immer liegt eine große Stille über Allem. Diese Malerei kommt ohne Lärm und ohne große Gesten aus.

Betrachtet man die Bilder in diesem Raum, fällt auf, dass Iris Brankatschk ihre
Bildausschnitte oft durch Zweige rahmt. Diese Zweige teilen etwas über ihren Standpunkt bei der Naturbetrachtung mit. Sie sitzt im Schutz der Bäume, am Rande eines Gewässers und betrachtet einen See mit den wechselnden Spiegelungen seiner Wasseroberfläche.
Das Wasser erscheint stofflich so, wie es der Lichteinfall und die Beunruhigung der
Wasserfläche erfordern. Selten bricht der Wasserspiegel - dort wo der Ufersaum den Ausblick verschattet - und lässt den Blick in helle oder dunkle Wasser durchdringen.

Die Farbpalette der Iris Brankatschk ist zurückhaltend, nicht allzuweit in die Breite
gezogen, und kommt ohne koloristische Sensationen aus. In fein abgestimmten Nuancen werden Grün-, Blau- und Brauntöne, bisweilen auch Gelb und Ocker gegeneinander gesetzt, werden zwischen Hell und Dunkel moduliert und in weiches Grau eingebunden. Oft verwischt sie die Zeichnung und vertreibt die Trennlinien zwischen den Farbtönen ins Diffuse hinein. Die unscharfen Konturen lassen den Blick ins Ungefähre zurückgleiten, wo versunkene Bilder eigenen Erlebens aufsteigen. Hier berührt sich die Erinnerung der Künstlerin und ihrer Kindheitslandschaft mit der Erinnerung des Betrachters. Die Gemälde sind ganz auf die subjektive Erlebniswelt des Betrachters abgestellt. Man kann sich in ihre Bilder nicht hineinbegeben, denn sie stellen uns nicht die Illusion einer wie auch immer gearteten Betretbarkeit vor Augen. Wohnt dieser Malerei deshalb ein melancholischer Grundton inne, weil das Land der glücklichen Erinnerungen uns verwehrt bleibt?

Wie diese malerische Haltung kunsthistorisch einzuordnen wäre, vermag ein Seitenblick auf einen anderen Künstler zu erhellen, dem Dresden an diesem Wochenende eine außergewöhnliche Ehrung zuteil werden lässt: Gerhard Richter. Morgen wird die Gemäldegalerie Neue Meister mit zwei von ihm selbst inszenierten Räumen im Albertinum feierlich wieder eröffnet. Der zwar in Dresden geborene doch ebenfalls in der Oberlausitz aufgewachsene Maler hat in den 60er bis 80er Jahren in Anlehnung an den Fotorealismus vergrößerte Abmalungen von Fotografien gemalt. Die Porträts aber auch Wolkenbilder und Meerbilder muten auf den ersten Blick vor allem in der Technik des Verwischens der Konturen ähnlich an, die jene optische Unschärfe hervorruft.

Richter geht es dabei im Kern um optische Verfremdung, um die Irritation von
Sehgewohnheiten. Bei Iris Brankatschk dient diese Verunklärung ebenso wie die Wahl des reduzierten Ausschnitts der Verallgemeinerung ihrer Naturdarstellung bis hin zur
Allgemeingültigkeit. Im Unterschied zu Richter handelt es sich bei Iris Brankatschks
Gemälden auch nicht um mit den Mitteln der Ölmalerei vergrößerte Fotografien, in denen neben der Virtuosität der minutiösen Wiedergabe immer auch das rein Mechanische des Abmalprozesses eine Rolle spielt. Dagegen nimmt die Fotografie bei Brankatschk keine so bestimmende Stellung ein, trotzdem ihr Fokus durch einen „fotografischen Blick“ geprägt zu sein scheint. Auch die bei Richter gängigen Anspielungen auf künstlerische Topoi der Meisterschaft und Raffinesse werden hier nicht vordergründig bedient. Es scheint ihr um etwas Anderes zu gehen. Während Richter eine Kritik der Bild- und Medienwelt unternimmt, bergen ihre Bilder ein Mysterium, das mit den inneren Bildern des Betrachters in Beziehung tritt.

Nicht ohne Berechtigung ist für die realistischen Landschaftsgemälde von Gerhard Richter
eine innere Verwandtschaft mit den Malern der deutschen Romantik in Anspruch genommen worden. Seit dem 19. Jahrhundert ist die Landschaftsmalerei ein weltanschauliches Genre. - Hier führt eine Spur auch zu Iris Brankatschk. Nicht, dass es mir lohnenswert erschiene, ein Bild neben das andere zu stellen, um etwa formale Bezüge herauszulesen. Nein, es ist vielmehr das Kompositionsprinzip von Romantikern wie Caspar David Friedrich, die ihren nicht selten sentimental anmutenden Landschaftsbildern eine klare geometrische Flächenaufteilung zugrundelegten.

Der Bildaufbau bei Iris Brankatschk folgt einem ebenso strengen wie konsequenten Prinzip, bei dem horizontale, seltener vertikale Schichten aneinandergereiht werden. Oft schneidet eine Diagonale in diese in sich ruhende Schichtenfolge ein, um sie aufzubrechen.

Bei den abstrakten Bildern erinnern die Schichten an das Aussehen von Sedimenten oder Gesteinsablagerungen, wie sie bei Grabungen als Bodenquerschnitt sichtbar werden oder beispielsweise an den Rändern von Tagebauen, mit denen vor allem auch in der Lausitz jahrzehntelang Raubbau an der Natur betrieben wurde. In den gegenständlicher aufgefassten Streifenbildern liest das Auge die farbigen Bänder als Gewässerläufe, Ackerstreifen, Horizontlinien, Wolkenbildungen oder Himmel. Die fließende Bänderung der Streifenbilder lässt sich über das Bildformat hinaus als Rapport immer weiter fortdenken. Sie vermag landschaftliche Weite zu assoziieren und lässt sich auf einer weiteren Ebene der Deutung auch als eine Form von Freiheit interpretieren.

Iris Brankatschk nennt ihre Bilder selbst „poetische Abstraktionen“. Ihre Vorliebe für
Wasserflächen und deren Spiegelungen legt einen Vergleich mit dem französischen
Impressionismus nahe. Insbesondere die Radikalisierung der Naturdarstellung bei Claude Monet weist interessante Parallelen auf. Monet hatte die naturalistische Malerei durch eine frappierende Motivwahl bis dicht an die reine Form herangeführt. Seine Seerosenbilder stellen die Welt, gespiegelt im Parkteich, praktisch auf den Kopf.
Eine ähnliche Form von Abstraktion und Verkehrung finden wir bei Iris Brankatschk wieder. Sie ist eine Grenzgängerin, die das Gegenständliche ins Abstrakte hinein treibt und umgekehrt das Abstrakte bis ins Gegenständliche entwickelt. Als ginge es ihr um eine Balance zwischen der gegenständlichen und der reinen Form, immer den Punkt umkreisend, an dem Natur und Idee miteinander verschmelzen.

Anja Himmel

Nach dem Regen | Ausstellung | Galerie Himmel

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Hans Kutschke -
Nach dem Regen

19. August - 30. September 2017

Vernissage

Freitag, 18. August 2017, 19 Uhr
Einführung: Anja Himmel, Galeristin

Einladung

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Iris Brankatschk, Maiberg, 2007, Öl auf Leinwand

Maiberg ∙ 2007 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Schilf, 2010, Öl auf Leinwand

Schilf ∙ 2010 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Park, 2000, Tusche auf Papier

Park ∙ 2000 ∙ Tusche auf Papier   

Iris Brankatschk, Wildwuchs, 2010, Gouache auf Papier

Wildwuchs ∙ 2010 ∙ Gouache auf Papier   

Iris Brankatschk, Das Buswartehäuschen, 2007, Öl auf Leinwand

Das Buswartehäuschen ∙ 2007 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Straße, 2010, Öl auf Leinwand

Straße ∙ 2010 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, Elbhafen Dresden, 2003, Kohle auf Papier

Elbhafen Dresden ∙ 2003 ∙ Kohle auf Papier   

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Sicherer Ort ∙ 2010 ∙ Öl auf Leinwand   

Iris Brankatschk, o. T. (Garten), 2009, Öl auf Papier

o. T. (Garten) ∙ 2009 ∙ Öl auf Papier   

Iris Brankatschk, Wehr, 2008, Öl auf Leinwand

Wehr ∙ 2008 ∙ Öl auf Leinwand