Hubertus Giebe - Kairos

Hubertus Giebe – Kairos. Die Gunst der Stunde

Ausstellung  |  11. November 2023 – 13. Januar 2024

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Einführung

Das altgriechische Wort ›Kairos‹ überschreibt die Ausstellung, die wir Hubertus Giebe zu seinem 70. Geburtstag widmen. Es bedeutet soviel wie ›die Gunst der Stunde‹ oder ›die gute Gelegenheit‹ und meint den entscheidenden kritischen Augenblick, den man verstreichen lassen, im besten Fall jedoch erkennen und sich zunutze machen kann. In der griechischen Mythologie steht dem unerbittlichen Gott Chronos mit Kairos denn auch ein freundlicher Antipode entgegen, der ›Zeit‹ als eine ihrem Wesen nach fruchtbare schöpferische Kraft deutet. Im Kontext von Leben und Lebenslauf wird Kairos mithin lesbar als Chance, Gelegenheit oder Entscheidung, eine gute Wendung. Blicken wir mit Hubertus Giebe auf die ›günstigen Gelegenheiten‹ seines Lebens zurück, sehen wir: Er bekam den flüchtigen Gott oft genug beim sprichwörtlichen Schopfe zu fassen, hatte und ergriff einzigartige Möglichkeiten, traf Entscheidungen, an denen er als Mensch und als Künstler wuchs.

Heute zählt Hubertus Giebe zu den bedeutenden Vertretern einer expressiven figurativen Malerei der jüngeren deutschen Nachkriegsgeneration. Seit den 1980er Jahren ist sein Name in der ost- und westdeutschen Kunstszene, spätestens seit den 1990er Jahren auch international ein Begriff und steht heute für eine herausgehobene Position zeitgenössischer Malerei. Die Ausstellung »Kairos« möchte das künstlerische Credo des Malers und Intellektuellen sowie die Genese seines unvergleichlichen Werks mit einigen wesentlichen Exponaten nachzeichnen. Dabei zeugen neben den allegorischen ›Geschichtsbildern‹ auch Porträts, Akte, Landschaften und Stillleben von innerer Befindlichkeit und Kampf, vom Ringen mit Welt und Geschichte, nicht zuletzt aber von der absoluten Notwendigkeit von Kunst.

Wieder und wieder, diesmal mit der inzwischen sechsten Einzelausstellung, umgeben wir uns mit den Figuren des Giebe’schen ›Welttheaters‹, konfrontieren uns mit den Kreaturen und Bildzeichen seines Pinsels. Sie waren und sind weiterhin Hauptgegenstand seines Schaffens: Mal puppenhafte, mal gefährdete Figuren, brutal anmutende Fragmente, bizarre Gegenstände und Sinnzeichen bevölkern suggestive schreckensstarre Szenerien, die der Künstler als Regisseur aufruft und in enge Bildräume zwingt.

Abseits der Sisyphos-Arbeit am ›Geschichtsbild‹, formuliert Hubertus Giebe in tradierten Sujets wie dem Bildnis, dem Akt, der Landschaft oder dem Stillleben eine nicht weniger forcierte, nicht weniger fordernde Bildsprache, bestimmt von demselben expressiven Duktus, demselben kraftvollen Kolorit, derselben Reduktion der Form und Schärfung der Kontur. Immer wieder begegnen dynamische Bewegung und flirrend leuchtender Kolorismus dumpfer Erstarrung und erschütternder Reglosigkeit. Wahlverwandte sind ihm darin Oskar Kokoschka, Max Beckmann und Otto Dix.

Die Bildwelten von Hubertus Giebe loten die Untiefen unseres Mensch-Seins aus, demaskieren und hinterfragen unsere Gesellschaft gleich bildgewordenen Mahn- oder Klagemalen. Doch während sich diese Malerei an unsere Humanität richtet, verfällt sie nie in kunstfremde Rhetorik, sondern spricht die reine Sprache der Malerei, folgt allein ihren Gesetzen und misst sich immerfort an den Größten ihrer Zunft.

 

Galerie Himmel

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