Hubertus Giebe - Die Sprache der Malerei | Ausstellung | Galerie Himmel

Hubertus Giebe – Die Sprache der Malerei

Ausstellung  |  6. Oktober  – 24. November 2018

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Presse

Dr. Bernd Küster

Würde in Dresden nicht mehr gemalt, stände die Elbe still. Es wäre das Ende einer gewachsenen originären Kultur dieser Stadt, die ihr Profil mithilfe der bildenden Kunst immer wieder schärfen konnte und kann, gegen jedes bestehende politische Imageproblem. Keine Stadt in Deutschland verfügt über eine vergleichsweise lange, intensive und hochkarätige Maltradition. Das hat vorrangig mit der Akademie zu tun, aber nicht minder mit einem Potenzial an freien Künstlern, die sich gegen den Akademismus entschieden, sich aber hier etablierten und Stile prägen oder verfeinern konnten. Nirgendwo hatte die Romantik in der Malerei mehr Substanz, an keinem Ort gab es Impressionismus in solcher Vielfalt, und die Geburt des Expressionismus war eine Dresdner Angelegenheit. "Dresden, male - und rede nicht!" wäre die passende Variante der Weisung des großen Otto Dix an seine Zunftkollegen.

Hubertus Giebe, Jahrgang 1953, gehört zu den starken Malern der Gegenwart, die sich einst, aus der Leipziger Schule kommend, im Umfeld der Dresdner Akademie ansiedelten, diese aber mehr als Herausforderung und Widerspruch ansahen, weil das Votum für die uneingeschränkte Freiheit der bildenden Kunst zu DDR-Zeiten schlicht ausgesetzt war. Der Maler rebellierte, aber er resignierte nicht. Was seinen Willen zum künstlerischen Überleben stimulierte, das war der spezifische Fluss der Malerei, der sich hier seit zwei Jahrhunderten ereignet und dem die wechselnden politischen Systeme im 20. Jahrhundert relativ wenig anhaben konnten. Auch die DDR förderte eine Malkultur, nicht nur im offiziellen Lehrbetrieb, sondern auch inoffiziell im Untergrund. In ärmlichen Ateliers der Dresdner Neustadt entstand unter extremer Verkennung eine Art Exilkunst auf hohem Niveau und drängte dorthin, wo sie nun steht: als souveräne Fortschreibung einer soliden Dresdner Tradition, die außergewöhnliche Talente hervorbrachte - und sie zeitweise sogar gut am Leben hielt.

Hubertus Giebe zeigt in der Galerie Himmel aktuell einen Querschnitt durch seine Arbeit der vergangenen Jahre. Es ist gut, ein solches Forum in der Stadt zu wissen, um Entwicklungen wie die seinige, die von Dresden nicht lassen können, zu begleiten. Hier ereignet sich Malerei großen Stils, in wuchtigen, wie hingeworfen erscheinenden Malexzessen, die ihren Rückhalt in der großen Tradition immer spürbar werden lassen, in Stillleben, Landschaften und vor allem Porträts. Das sind die Grundlagen, die Giebe sich schuf, seit er in den 1970er Jahren die wiederentdeckte Neue Sachlichkeit auf seine Weise fortsetzte, in scharfen Spiegelungen seines Umfeldes, denen der Atem vom Verismus eines Otto Dix eingegeben wurde. Dieser Übervater der Dresdner Malerei führte auch Giebe zum Expressiven, dem er seither ein eignes Vokabular hinzufügt, das sich vor allem durch Originalität und Perfektion auszeichnet. Kein Thema ist ihm zu groß oder zu gering, das elementare und ergreifende Ereignis des farbigen Raumes im Viereck der Leinwand zu zelebrieren. Und seit nunmehr 25 Jahren, also der Wendezeit, geht er malend mit der Geschichte ins Gericht.

Vor das Andreaskreuz, einer bildbeherrschenden und immer wieder auch verstörenden Form, mit welcher Hubertus Giebe seine Geschichtsthemen formatiert, sind Menschen, Zwerge, Mondsicheln oder Puppen eingespannt, dieses ganze geschundene figürliche Repertoire, das der Maler kreierte, um die Instabilität der gegenwärtigen Weltenlage auszudrücken und ihr dennoch eine konstruktive künstlerische Gestalt zu geben. In solchen beklemmenden Inszenierungen hat man wohl den Kern seines bisherigen Werkes und in ihm wohl den schwierigsten Teil berührt, jenen hochkünstlerischen, aber zugleich auch tief pessimistischen Aspekt betreffend, der so gar nicht mit dem so zuvorkommend freundlichen, alterslos dynamischen und unentwegt fleißigen Künstler übereinstimmen mag, auf den Dresden aus guten Gründen stolz sein darf.

"Dresden, male - und rede nicht!" Hubertus Giebes "Sprache der Malerei"
in der Galerie Himmel, Dresdner Neueste Nachrichten, 12.11.2018

Galerie Himmel

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