Hubertus Giebe - Die Sprache der Malerei | Ausstellung | Galerie Himmel

Hubertus Giebe – Die Sprache der Malerei

Ausstellung  |  6. Oktober – 24. November 2018

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Einführung

Hubertus Giebe, geb. 1953, zählt zu den bedeutendsten Malern im heutigen Dresden und zu den wichtigsten Vertretern einer expressiven figurativen Malerei der deutschen Nachkriegsgeneration. Sechzehnjährig hatte er zu studieren begonnen, zunächst in Abendkursen, ab 1974 an der Dresdner Hochschule für bildende Künste. 1978 legte er ein Diplom an der Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig ab und wurde Meisterschüler bei Bernhard Heisig. Von 1979 bis 1991 lehrte Hubertus Giebe an der Hochschule für bildende Künste in Dresden, zuletzt als Dozent für Malerei und Graphik. Heute ist er freischaffend tätig.

Sein Werk der siebziger Jahre stand noch im Zeichen der Neuen Sachlichkeit, mit einem unterkühlt vorgetragenen Großstadtrealismus, einsamen, melancholischen Figuren, die alles andere als eine heitere sozialistische Zukunftsillusion erfüllt. Ende der siebziger Jahre traten die isolierten Figuren in dunkler und bewegter werdenden Bildräumen zusammen, Einzelwesen verwuchsen zu einer Menge dichtgedrängter Gestalten in einem nun ganz aus Farbe definierten Raum, der sie agieren lässt und auf ihr Agieren antwortet. Kollektivthemen wie „Schuld“ oder „Bedrohung“ wurden in großformatigen Tableaus von Giebe behandelt, dessen Kunst immer auch ein Bekenntnis zu den großen figurativen Traditionen der Malereigeschichte ist. Er bedient sich bei seinen Bildformen längst nicht mehr realistischer Sprachmittel, sondern einer Expressivität, die Figur und Farbe im Bild zu gleichwertigen Handlungsträgern erhebt.

Hubertus Giebe über sich und die Malerei: „Mit Pinsel und Farbe einen Kosmos entstehen lassen, Farb- und Figurendramaturgien aus dem Nichts in stabile Formen zu binden, so dass sich Welt, Ich und Schicksal in ihnen spiegeln, bleibt die alte Magie und Sehnsucht des Malens.“

Er erzählt in groß angelegten figürlichen Inszenierungen von den Abgründen einer sich bizarr verändernden Zeit, von den Konstanten und den Unwägbarkeiten der Geschichte, vom ewigen Welttheater zwischen Sein und Schein, aber natürlich auch von der Selbst-findung als Künstler, der durch Epochen und Systeme gegangen ist. Sein Plädoyer gilt aber in erster Linie dem Malerischen selbst, und das dokumentiert diese Ausstellung mit neueren und zum Teil nie gezeigten Werken.

Hubertus Giebe ist ein Arbeiter der Kunst und ein streitbarer Verfechter seiner Profession, vor allem, wenn öffentlich vom Ende der Malerei gesprochen wird. Dann verteidigt er leidenschaftlich den großen humanen Auftrag, den die Kunst nicht erst seit der Renaissance erfüllt, und der sich in jeder Epoche erneuert und den Künstler in die Pflicht nimmt, der immer nur Teil einer Kette ist, die, aus großer Vergangenheit kommend, auch im Jetzt und Hier nicht enden darf.

So sein Bekenntnis zu bildnerischen Traditionen wie der Renaissance oder dem Expressionismus, deren Ausdrucksmittel man sich zu eigen machen kann, um von ihnen zu lernen und eine neue, zeitgemäße Sprache zu finden. Die Suche nach der künstlerischen Form ist ein Menschheitsanliegen und wirkt durch alle Kulturen aller Epochen hindurch. Ihr zu entsagen oder sie für erledigt zu erachten wäre für Hubertus Giebe ein tiefgehender Verlust humaner Substanz.

Prof. Dr. Bernd Küster

Galerie Himmel

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