Teaser Hubertus Giebe - Herkules, Maske & Meer

Hubertus Giebe – Herkules, Maske & Meer

Ausstellung  |  5. März – 16. April 2016

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Einführung

Einer, der sich wie Hubertus Giebe in einer großen malerischen Tradition sieht, den der Umgang mit Malerei ein Leben lang fasziniert und beschäftigt hat, bezieht in seinen Bildern Stellung. Seine Malerei will nicht der Welt Abbild oder Vorbild sein, sondern führt dem Betrachter einen Spiegel des Daseins vor Augen. Äußere Schönheit und innere
Ruhe sind ebenfalls nicht das Anliegen des Dresdner Malers, Zeichners und Grafikers.
Dafür sind seine Bilder mit der surrealen Kombinatorik von Montage, Überschärfe und simultaner Gleichzeitigkeit von Bildpersonal und Bildzeichen zu sperrig, leben von einer „selbstverordneten Verrätselung“, wie der Kunsthistoriker Fritz Jacobi treffend bemerkte. Giebe arbeitet wie ein Regisseur, der seine Akteure aufruft und in Räume zwingt. Hineingedrängt sind die Figuren, wie eingefroren ihr rätselhaftes, lethargisches Tun.

Hubertus Giebe versteht das Bild als ein Medium, durch das Tabuisiertes, Verschwiegenes und Vergessenes aufzuzeigen ist. Persönliche Leiderfahrungen fließen in seine Malerei ebenso ein, wie die durch Literatur, Philosophie und Geschichte überlieferte fundamentale Tragik des Menschseins in der Moderne. Giebe ist ein höchst interessierter und unglaublich belesener Mensch, ein intellektueller Maler, der sich zur Geschichte der Deutschen und besonders zur Geschichte des Einzelnen in den Labyrinthen der Macht hingezogen fühlt. Immer wieder geht es um Aufbruch und Abbruch, Aufstieg und Fall, Macht und Ohnmacht, Gewalt und Leid des Menschen, dieses unendlich faszinierenden Wesens, das zu besinnungsloser Brutalität ebenso befähigt ist, wie zu höchster Empfindsamkeit.

In seinen „Geschichtsbildern“ zeigt Hubertus Giebe ausdrucksstark und scharf akzentuierend die Aktualität von Geschichte auf. Mit Nachdruck behandelt er historische Themen und formuliert sie mit starker persönlicher Anteilnahme malerisch aus. Nicht selten meint man, ihn selbst schmerzhaft involviert inmitten der von ihm gemalten Schrecknisse zu sehen. Überhaupt sucht und findet er im historischen Raum immer den Menschen, ausgesetzt und ausgeliefert, eingepfercht in bedrückend knappe Bildgehäuse. Unerschrocken schaut der Maler in die menschlichen Seelenabgründe und gibt das dort Gesehene in metaphorischen Bildern wieder, die uns doch, trotzdem sie uns schaudern lassen, vertraut erscheinen. Es ist nicht allein das Inventar einer traditionsreichen sowohl literarischen als auch bildnerischen Symbolik, das uns bekannt scheint. Es sind die Monstren und Geschöpfe unserer eigenen Alpträume, es sind die eigenen Ängste und Schreckbilder, die uns auf seinen Bildern wiederbegegnen.

Abseits dieser Sisyphos-Arbeit am „Geschichtsbild“, formuliert Hubertus Giebe in klassischen Sujets wie dem Porträt, dem Akt, der Landschaft oder dem Stillleben eine nicht weniger forcierte, nicht weniger fordernde Bildsprache, bestimmt von demselben expressiven Duktus, demselben kraftvollen Kolorit, derselben Reduktion der Form und Schärfung der Kontur. Wahlverwandt sind dem Künstler hierin augenscheinlich Picasso, Beckmann, Kokoschka und Dix.

Immer wieder widmet er sich der unmittelbaren Umgebung, variiert die Herkulesfiguren an den Eingängen zum Großen Garten, verinnerlicht und verdichtet sie. Diesen Bildern, aber auch jenen der Masken und der Meereslandschaften, wie in dieser Ausstellung zu sehen, wohnt etwas Beunruhigendes inne, das sie in den Chorus der großen Geschichtsdramen
einstimmen lässt. Diese Malerei ist kraftvoll, verstörend und irritierend zugleich, von nachhaltig bohrender Intensität.

Anja Himmel

Galerie Himmel

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Dr. Paul Kaiser, Kunst- und Kulturhistoriker, Kurator und Publizist, Dresden