Gerda Lepke & Kathrin Buskies - Geraer Arbeitstage | Ausstellung | Galerie Himmel

Gerda Lepke & Kathrin Buskies - Geraer Arbeitstage

Ausstellung  |  26. September - 14. November 2015

Rundgang   |   Künstler   |   Vernissage   |   Einführung   |   Laudatio   |   Presse 

Einführung

Vor etwa fünf Jahren begegneten sich die Malerin Gerda Lepke und die Keramikerin Kathrin Buskies zum ersten Mal. Neugierig und zugleich fasziniert näherten sie sich dem Werk des Anderen. Seitdem arbeiten beide intensiv zusammen. Regelmäßig treffen sie sich für mehrere Wochen im Jahr, meist dann, wenn Gerda Lepke nach Gera kommt, um im Atelierhaus mit Blick auf den urwüchsigen Garten zu malen. Kathrin Buskies arbeitet in mittelbarer Nachbarschaft. Ihre geräumige Werkstatt mit unzähligen fertigen und unfertigen Gefäßen, mit den Brennöfen, mit Tonen, Werkzeugen, Engoben und Oxiden erzählt von einer Frau, die ihr Leben der keramischen Kunst verschrieben hat.

Der erste Impuls des Kennenlernens ging von Gerda Lepke aus. Sie, die große Dresdner Malerin, die auf ein seit über vierzig Jahren gewachsenes, reifes Werk zurückschauen kann, reizte beim Anblick der archaischen Gefäße von Kathrin Buskies die Möglichkeit, Hauptthemen ihrer Malerei auf einem dreidimensionalen Gegenstand zu entwickeln: Bewegung, Licht, Raum und Fragment.

Ihren Bildmotiven ist Gerda Lepke über all die Jahre verbunden geblieben. Wieder und wieder hat sie menschliche Figur und antike Skulptur, Landschaft und Himmel, Baum und Geäst gemalt, immer deren Veränderlichkeit durch Zeit, Licht und Raum im Blick. Malerei bedeutet ihr Selbstgespräch, in dem um Findung und Erfindung gerungen, in dem der Gegenstand unablässig hinterfragt wird. Dabei ist das Sehen bei Gerda Lepke sehr stark mit dem Empfinden verbunden.

Gerda Lepke geht es nicht vordergründig um Inhalt und Bedeutung. Ihre Bilder entwickeln sich zwangsläufig aus der Form. Sie interessiert der spannungsvolle Körperaufbau einer menschlichen Figur, die Bewegtheit und der Ausdruck einer barocken Plastik. Form und Kontur werden durch malerische Mittel aufgelöst und verlebendigt. Sie erreicht dies
durch ihre ekstatische Linienführung, durch verdichtete Strichlagen, Pinselschwünge
und Farbspritzer, die vibrierende und flirrende Texturen entstehen lassen. Das bewusst skizzenhafte und fragmentarische Arbeiten, das An- und Ausschneiden der Bildgegenstände führt zu einer Verdichtung und Abstraktion, die stets ein Ausloten
des Darstellbaren zwischen Unkenntlichkeit und Erkennbarkeit thematisiert.

Die Keramikerin und Formgestalterin Kathrin Buskies spricht bescheiden davon,
Gerda Lepke „Leinwände“ aus Ton zur Verfügung zu stellen. Mit Freude und Lust am Experimentieren und Entdecken entwickeln beide gemeinsam die Gefäßformen.
Kathrin Buskies baut jeden Gefäßkörper mit den Händen auf. Die dabei entstehenden Objekte aus gewalzten Platten und anderen zusammengefügten Tonelementen werden zeitaufwändig modelliert. Sie strahlen in ihrer klaren und reduzierten Form etwas
Archaisches aus.

Kathrin Buskies ist dem Material Ton zutiefst verpflichtet, mit der gebotenen Weitsicht,
aber auch einem Gespür für seine Möglichkeiten und Unwägbarkeiten. Trotz langjähriger Erfahrung spielen Zufall und Überraschung beim Prozess des Brennens eine große Rolle. Nicht selten kann nur ein kleiner Teil der gebrannten Gefäße vor ihr bestehen. Kathrin Buskies ist erst dann zufrieden, wenn die Gefäße jeder Blickrichtung, Drehung und haptischen Prüfung standhalten, wenn sie genau diese Kraft und Schönheit entfalten,
die ihre Handschrift so unverwechselbar macht.

Gerda Lepke zeichnet, malt und ritzt mit Pinseln, Hölzern und Messern auf den feuchten
Ton, trägt mitunter Material auf, um Strukturen herauszuarbeiten. Immer wieder bringt Kathrin Buskies ihre Erfahrung während des Arbeitsprozesses ein, denn die reduzierte Farbpalette der Engoben und Oxide sowie die Veränderung der Farben während des Brandes sind für Gerda Lepke Neuland, Herausforderung und Glück zugleich. Auf den Gefäßen hat Gerda Lepke die ganze Virtuosität ihres einzigartigen malerischen Stils, der immer auch ein zeichnerischer ist, ausgebreitet. Es sind Figuren und Figurenreihungen, die sich auf der tönernen Oberfläche zu bewegen scheinen. Auch Landschaften, geritzt
und gemalt, gehen mit der Rundung des Gefäßes mit. Das Ergebnis führt zu einem außergewöhnlichen Zusammenklang zweier außergewöhnlicher Stimmen.

Anja Himmel

Anne Kern - Essenzen | Ausstellung | Galerie Himmel

Nächste Ausstellung

Anne Kern - Essenzen
24. August - 5. Oktober 2019

Vernissage
Freitag, 23. August 2019, 19 Uhr

Einführung: Anja Himmel, Galeristin

Musik: Dörte Drieschner, Cello und Yiannis Brauweiler, E-Piano