Fritz Tröger - Alltag und Sachlichkeit | Ausstellung | Galerie Himmel

Fritz Tröger – Alltag & Sachlichkeit

Ausstellung  |  20. Januar  – 10. März 2018

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Presse

Lisa Werner-Art

Hört man den Namen Fritz Tröger (1894-1978), tritt der bis auf Ausnahmen sachliche Charakter seiner Kunst vor das "innere Auge". Man erinnert sich etwa an das "Bildnis Margarete Junge" (1928), Trögers Lehrerin an der Dresdner Kunstgewerbeschule und Entwerferin von Möbelstücken sowie Inneneinrichtungen für die Hellerauer Werkstätten, das mit zwölf weiteren seiner Gemälde zum Bestand des Albertinums gehört. Auch die "Lesende" (1931) aus der Städtischen Galerie kennt man. Nicht zuletzt die Ausstellung "Neue Sachlichkeit in Dresden" von 2011/12, Personalausstellungen im Bautzner Museum, in der Dresdner Volksbank oder auch in der Galerie Döbele haben Trögers Werk im Gedächtnis gehalten, wenngleich ein umfassender Personalkatalog bisher nicht existiert.

Ein wenig Abhilfe leistet der die aktuelle Ausstellung "Fritz Tröger - Alltag & Sachlichkeit" in der Galerie Himmel begleitende Band. Diese Exposition widmet sich ausschließlich Arbeiten auf Papier, die sich ausgesprochen vielfältig und oft bildhaft zeigen. Besonders seit dem weitgehenden Rückzug in die Lausitz ab 1936 hat der Künstler sich auf diese Art des Schaffens konzentriert - mittels Graphit, Öl- und Pastellkreide, Aquarell, Tempera, Feder und auch Kugelschreiber, meist mehrere Mittel miteinander kombinierend.

Der gebürtige Dresdner hatte nach dem Abschluss an der Kunstgewerbeschule von 1918 bis 1925 an der heimischen Kunstakademie studiert. Seine Malweise wurde bald allerdings mehr vom Geist der Zeit, der Neuen Sachlichkeit, als von den Auffassungen seiner Professoren Max Feldbauer, Otto Hettner, Georg Lührig oder auch Otto Gussmann beeinflusst. Spuren in seinem Schaffen dürften eher die genannte Margarete Junge und Paul Rößler hinterlassen haben sowie seine eigene Tätigkeit als Lehrer für Modezeichnen an der privaten Kunstschule Guido Richter (1928-1930). Exaktheit, Orientierung an der Linie - hier wirkte wohl auch der Zeichensaal von Richard Müller-, ebenso exzellenter Umgang mit der Farbe waren zentrale Aspekte, die er für sich verinnerlicht hatte. Interessiert haben Tröger auch japanische Farbholzschnitte.

Erwähnenswert ist aber wohl auch die Verbindung und Freundschaft mit verschiedenen Kollegen, so etwa mit Hermann Glöckner, dessen Weg zum Konstruktivismus sich ja in den 1920er/30er Jahren vollzog. Tröger ging zwar nicht soweit, aber eine Konzentration auf wesentliche Formen, zeitweilig auch des Konstruktiven, ebenso das Flächige, ist augenfällig. Im Zyklus zu den Kasernen in der Albertstadt von 1932 - seine Lehrtätigkeit an der Heeres-Handwerkerschule (1929-1933) hatte ihn in dieses Areal geführt - tritt das besonders hervor.

Das Konstruktive der Architektur steht im Vordergrund, so bei den bei Himmel gezeigten Ölkreideblättern "Stallgebäude" und "Große Remise". Parallelen in dieser Richtung bieten ebenso spätere Arbeiten - etwa durch Strom- und Telegrafenmasten strukturierte Landschaften ("Am Morgen auf der Kippe", 1957) oder Dachlandschaften wie die ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Pastelle "Fernsehantennen über den Dächern" oder "Rote Sonne über dem Dach" (beide 1971). Dieses Interesse verband sich - vor allem vor dem Hintergrund des Wiederaufbauoptimismus nach 1945 - nicht zuletzt mit jenem an allem Technischen, was seinen Niederschlag etwa in Arbeiten fand, zu den ihn Verbindungen zu einer MTS bei Meißen oder zum Braunkohletagebau in der Lausitz anregten.

Solche Werke wie überhaupt sein ganzes Schaffen sind ohne die Darstellung von Menschen seines Umfelds, sei es das private oder das der Bauern, der Bergarbeiter oder Eisenbahner, denen er begegnete, nicht denkbar, wie etwa der "Blockwärter der Reichsbahn" (1954) oder der "Alte Bergmann" (1972) bei Himmel beispielhaft dokumentierten. Ganz modern muten farbige Blätter wie "Autofahrer" (1963) an, ein Auto-Interieur vom Rücksitz aus gesehen.

Hervorzuheben sind ebenso die Porträts, die sich auf Wesentliches konzentrieren, gleichwohl die Person erfassen - beispielhaft etwa das frühe, mit wenigen Linien gezeichnete "Dora Frohberg" (1924). Nicht unerwähnt bleiben sollen ebenso die wiederkehrenden Selbstporträts von 1926, 1931 und 1944. Ein gewissermaßen erweitertes Selbstporträt von 1975, das Tröger beim Nähen zeigt - er hatte im Übrigen in jungen Jahren Schneider gelernt -, hat eine Art Parallele im atmosphärischen Bildnis, das Carl Lohse, es war sein letztes Bild, 1964 von Tröger malte und das aktuell in der Lohse-Ausstellung des Albertinums zu sehen ist. Scheint sich dieses Bild fast aufzulösen, zeigt Rudolf Nehmer den Künstler 1957 in der ihm eigenen lasierenden Malweise. Beide Bilder vermitteln Wesentliches über diese Persönlichkeit.

Noch nicht Gegenstand dieser Zeilen war die Farbe, die oft eine differenzierende Rolle spielt. Unterstreicht etwa in den Kasernenbildern das Rot die Klinkerflächen und verleiht den Arbeiten trotz der Konzentration auf die Architektur lebendigen Charakter, so verleiht die Farbe den Landschaften bei aller Sachlichkeit durchaus Atmosphäre.

Anders als bei Blättern, die einzelne Bäume oder Baumstämme in den Blick nehmen und bei denen es dem Künstler auf eine Grundform ankommt ("Baum", 1926, "Baumstämme im Wald", 1977), spielt in den Arbeiten wie "Streuobstwiese im Oktober" oder "Untergehende Sonne über dem Waldteich" (beide 1944) das Tages- und Jahreszeitliche eine Rolle, das durch den Einsatz von Farbe suggeriert wird.

Die Ausstellung in der Galerie Himmel bietet, wie schon gewohnt, eine qualitätvolle Übersicht. Auch an den Arbeiten auf Papier kann man nachvollzeihen, dass Trögers Werk sich in Kontinuität, ohne eklatante Brüche, entwickelt hat. Vielleicht liegt das daran, dass der Künstler - vor allem nach 1936 - trotz eines 1933 wohl aus opportunistischen Gründen erfolgten und mit Illusionen behafteten Eintritts in die NSDAP eher die Distanz zu Dresden suchte. Gleichwohl blieb er im Kontakt mit Kollegen und Freunden, hatte bis in die späten Kriegsjahre, als ihn ein Ausstellungs- und Verkaufverbot ereilte, einige Ausstellungsmöglichkeiten. Der Kontakt zu Kollegen verschiedener Altersgruppen blieb für ihn auch in den kommenden Jahrzehnten wichtig. Und mancher jüngere schätzte ihn. Nicht zufällig entstand wohl das Porträt Wolfgang Mattheuers in dessen Atelier - eine Arbeit, die Holger John in seiner Ausstellung "Schnee von gestern" gezeigt hat. Mit seiner Kunst blickte Tröger auf den Alltag und die Menschen, die ihn bewältigten.

"Fast ohne Brüche", Dresdner Neueste Nachrichten, 3./4. März 2018

Galerie Himmel

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23.10.2020 - 16.01.2021

Die Ausstellung begleitet
ein reich bebilderter Katalog 
mit einem Beitrag von Dr. Paul Kaiser, Kunst- und Kulturhistoriker, Kurator und Publizist in Dresden.