Fritz Tröger - Alltag und Sachlichkeit | Ausstellung | Galerie Himmel

Fritz Tröger – Alltag & Sachlichkeit

Ausstellung  |  20. Januar – 10. März 2018

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Einführung

Diejenigen, die Fritz Tröger noch kennenlernten, sprechen heute mit Hochachtung von ihm und seinem konstant verfolgten künstlerischen Weg. In den sechziger und siebziger Jahren war er für junge Künstler ein Vorbild. Ähnlich wie Curt Querner oder Hermann Glöckner bewunderte man in ihm einen Maler, der mit Beharrlichkeit und Konsequenz in einer Zeit politischer Einflussnahme Halt und Orientierung zu geben vermochte.

Alltag und Sachlichkeit - an diesen in den zwanziger Jahren entwickelten Prämissen seiner Malerei hat Tröger über Jahrzehnte festgehalten, so dass mit ihnen sein Lebenswerk überschrieben werden kann. Es waren schlichte Sujets die ihn interessierten, häusliche Szenen, der Arbeitsalltag der Menschen, der Handwerker in ihren Werkstätten, später vermehrt der Arbeiter und Bauern in der modernen Arbeitswelt. Hierfür bildete er einen allgemein der Neuen Sachlichkeit zugehörigen, aber sonst eigenwilligen Stil eher konstruktiv-klassizistischer Prägung aus, in dem Linie und Fläche die Bildwirkung bestimmen.

Bei der gewissenhaft-sachlichen Behandlung von Alltagsgegenständen stand immer der Mensch im Zentrum seines Schaffens. Schon während des Studiums beschäftigte sich Tröger intensiv mit dem Porträt. Er malte jedoch nie prominente Auftraggeber. In der für ihn typischen Durchdringung von nüchterner Betrachtung und sozialer Empfindung porträtierte er Menschen aus einfachen Verhältnissen, zunächst Verwandte, Freunde und Künstlerkollegen wie Erich Fraaß oder Bernhard Kretzschmar, später Bauern und Arbeiter.

Zu Beginn der dreißiger Jahre verstärkte sich sein Interesse an der technischen Dingwelt, an Architektur, Ingenieurs-Konstruktion und Maschine, was sich in Bildern von Frachtschiffen und einem Zyklus sog. „Kasernenbilder“ der Dresdner Albertstadt niederschlug. Die Faszination Technik ließ ihn nie mehr los. Nach einer durch die innere Emigration in der Lausitz erzwungenen Unterbrechung entstanden Bilder von Maschinenhallen, Landmaschinen und Großtechnik im Tagebau, nicht zu vergessen die Antennenbilder der siebziger Jahre. Geradezu kennzeichnend für sein Landschaftsbild wurden strukturierende technische Elemente wie Telefonmasten und Stromleitungen.

Seit 1936, mit seinem Rückzug in das Landatelier im sorbischen Laske konzentrierte sich Tröger mehr und mehr auf das Arbeiten auf Papier. Stilistisch schlug er dabei scheinbar moderatere Töne an. Die Radikalität der um 1930 entstandenen Tafelmalerei, die in ihrer strengen Flächigkeit und gedämpften Farbigkeit an Holzintarsien erinnert, findet in den Federzeichnungen, Aquarellen und Ölpastellen keine direkte Entsprechung. Die Formulierungen scheinen milder, weniger hart und trocken, der Farbklang leuchtender und delikat verfeinert. Erkennbar bleibt seine Handschrift aber auch hier, denn sein Formwille drängte ihn zur Reduktion, in der Beschränkung auf unscheinbare Motive, in der Vereinzelung der Bildgegenstände, in der Vereinfachung von Umrissbildung und Binnenzeichnung sowie in der Konzentration auf einen reduzierten Farbakkord.

Mit beruhigtem geschlossenem Ausdruck strebte Tröger dem Ideal einer „neuen Klassik“ zu, einer Klassik, zu der ihn die archaische Kunst Ägyptens und Griechenlands ebenso inspiriert hatte, wie der japanische Farbholzschnitt und die Malerei der italienischen Proto- und Frührenaissance.

Michael Böhlitz

Galerie Himmel

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mit einem Beitrag von René-Marc Pille, Professor für deutsche Literatur- und Kulturgeschichte an der Univerité Paris 8 Vincennes-Saint-Denis