Teaser, Evelyn Richter, Traumland

Evelyn Richter | Arno Fischer | Ursula ArnoldKünstlerische Fotografie in der DDR

Ausstellung | 10. November 2012 - 12. Januar 2013

Evelyn Richter  

Evelyn Richter (*1930 Bautzen) lernte während ihrer Ausbildung zur Fotografin von 1948-52 bei dem Dresdner Porträtfotografen Pan Walther die Ästhetik der Kunstfotografie kennen. Ihre ersten Porträts entstanden ausschließlich mit der Plattenkamera. Das geistige Umfeld im Hause Walther, in dem alteingesessene Künstler und Intellektuelle ein- und ausgingen, prägte die junge Fotografin nachhaltig. 1953 ging Evelyn Richter nach Leipzig, um Fotografie an der Hochschule für Graphik und Buchkunst zu studieren. Anschließend wurde sie freiberuflich und musste mit Theaterfotografie, Industriereportagen und Messegestaltung ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese Art der Lebensführung, oft den plumpen Bespitzelungen seitens der Obrigkeit ausgesetzt, kostete die Künstlerin viel Kraft. Es ist ihrer unbändigen inneren Widerstandskraft zu verdanken, dass in diesen frühen Jahren bereits Fotografien mit einer unverwechselbaren Bildsprache entstanden. Fernab von jedweder Propaganda oder Gefälligkeit reflektieren die im eigenen Auftrag entstandenen Fotografien Lebens- und Arbeitswelten ihrer Mitmenschen. So wurde sie zu einer Art fotografischen Dokumentaristin und Historikerin.

Getragen von Empathie und eigenem tiefen Erleben erzählt Evelyn Richter in schwarz-weißen Bildern von Künstlern, Musikern, Ausstellungsbesuchern und Straßenbahnfahrern, aber auch von hart und erschöpft arbeitenden Frauen in der Produktion, die in gar keiner Weise dem Mythos der "Heldinnen der Arbeit" entsprachen. Impulse für ihre Arbeit erhielt Evelyn Richter 1955 durch den Besuch der Ausstellung „The Family of Man”, aber auch aus der zeitgenössischen westlichen Fotografie, die sie durch die Fotozeitschrift "Magnum" kennenlernte. Evelyn Richters Hauptwerk beeindruckt durch eine erzählerisch-sinnbildhafte Fotografie, die ein melancholisch-ernüchterndes Bild vom Zustand der Gesellschaft zeichnet. Ihren Porträts eignet tiefe Nachdenklichkeit ebenso wie träumerische Entrückung und musische Erfülltheit. Sie zeigen aber auch die seelische Erschöpfung des Menschen. Mit der Fotokamera zeichnet sie die Linien von Gesichtern, Mimik und Gestik nach, ohne den Dargestellten bloßzustellen.

1981 übernahm Evelyn Richter einen Lehrauftrag an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst, an der sie auch von 1990 bis 2001 eine Ehrenprofessur innehatte. Mit ihrem Kollegen Arno Fischer etablierte sie eine andere Leipziger Schule, die "Leipziger Schule der Fotografie". Diese Schule, die auf ein sensibles, anteilnehmendes, mitfühlendes Sehen setzt, wurde wegweisend für eine neue Fotografengeneration. 

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