Teaser, Evelyn Richter, Traumland

Evelyn Richter | Arno Fischer | Ursula ArnoldKünstlerische Fotografie in der DDR 

Ausstellung | 10. November 2012 - 12. Januar 2013

Einführung  

Im Gegensatz zu den anderen bildenden Künsten galt die Fotografie in der DDR offiziell nicht als eigenständige künstlerische Gattung. Sie war stattdessen nur in ihrer dienenden Funktion akzeptiert, so im Zusammenhang mit der Presse und mit gebrauchsgrafischen Anwendungen, wie Buchveröffentlichungen, Werbung oder Reportagen. Erst 1982, auf der 9. Kunstausstellung der DDR in Dresden, wurde erstmals eine „Sektion Photographie“ präsentiert. Bis dahin führte die künstlerische Fotografie eine Art Schattendasein. Dass sie sich als Kunstform dennoch durchzusetzen verstand, darf zum Einen als eines der typischen Phänomene von DDR-Geschichte und DDR-Kultur gesehen werden, die keineswegs so eingleisig und homogen waren, wie es sich die Politstrategen damals wünschten und wie es heute im Rückblick gern verallgemeinert wird. Zum Anderen war es aber dem Beharrungsvermögen und der herausragenden Lebensleistung einzelner Künstlerpersönlichkeiten zu verdanken, zu denen unbedingt Evelyn Richter und Arno Fischer zu zählen sind. Ähnlich wie in anderen Künsten auch, wie in Literatur und Film, wie in Theater, bildender Kunst oder Rockmusik, übernahm die Fotografie eine Stellvertreterfunktion für den fehlenden Diskurs über die immer weiter sich öffnende Kluft zwischen gesellschaftlicher Realität und politischer Scheinwirklichkeit.

Vielleicht ist es dem unerbittlichen Auge der Kamera unerträglich, eine andere als die sichtbare Welt zu propagieren. Jedenfalls wichen die Künstler dem Dilemma nicht aus, sondern schauten ganz bewusst und mit Leidenschaft auf den Menschen und forschten ihm an seinen Aufenthaltsorten nach, auf Straßen und Plätzen, in Straßenbahnen und Zügen, auch in Ausstellungsräumen und Museen. Insofern muss man, wenn man die Fotografie in der DDR als ein gesellschaftliches Phänomen beschreiben und zugleich stilgeschichtlich erfassen will, von einem „sozialen Realismus“ sprechen, der in Abkehr vom Dogma des „sozialistischen Realismus“, fernab von ideologischen Phrasen das Erzählen von den Menschen unternahm, das Schildern ihres Lebensraumes. Hier liegt der Schlüssel für den wundersamen Erfolg dieser Kunstform wider alle Umstände. Denn obwohl die sozialkritische Fotografie in der DDR weitgehend jeder Förderung entsagen musste, obwohl sie abseits der offiziellen Plattformen und linientreuen Organe auf kleine und peripher gelegene Ausstellungsorte und wenige Zeitschriften wie die "Sibylle" oder das "Magazin"  beschränkt blieb, wuchs das Interesse an ihr stetig.  

In unserer Ausstellung vereinen wir die Arbeiten dreier Fotografen, die Anfang der 1980er Jahre, als die Fotografie in der DDR endlich offiziell als künstlerische Gattung anerkannt wurde, bereits ein gewachsenes und gereiftes Werk vorlegen konnten. Dieses Werk hatten sie, ohne Aussicht auf eine angemessene Beachtung, ohne ausreichende Wirkungsmöglichkeit einer insgesamt eher ungünstigen kulturpolitischen Wetterlage abgetrotzt. Sie sind mit einer beneidenswerten Unbeirrbarkeit ihren jeweils eingeschlagenen Weg weiter gegangen, bis zu dem Punkt, an dem ein eigenständiges Werk geschaffen war, dass ihnen niemand mehr nehmen konnte.

Anja Himmel 

Ursula Arnold, 1.Mai, Berlin 1965, Vintage Print

Ursula Arnold ∙ 1. Mai ∙ Berlin 1965 ∙ Vintage Print, Silbergelatine auf Barytpapier ∙ 25 x 38 cm

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