Egon Pukall, Stilleben mit Muscheln, 1963, Öl auf Harfaser

Stilleben mit Muscheln ∙ 1930 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 65 x 50 cm

Egon Pukall, Schmilka, 1984, Öl auf Hartfaser

Schmilka ∙ 1984 ∙ Öl auf Haartfaser ∙ 54 x 65 cm

Egon Pukall, Mole mit Leuchtturm, 1988, Monotypie

Mole mit Leuchtturm ∙ 1988 ∙Monotypie ∙ 32,5 x 25 cm

Egon Pukall, Laubegast I, 1980, Öl auf Hartfaser

Laubegast I ∙ 1980 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 54 x 64 cm

Egon Pukall, Fenster, 1986, Tempera auf Leinwand

Fenster ∙ 1986 ∙ Tempera auf Leinwand ∙ 130 x 90 cm

Egon Pukall, Steilküste am Meer, 1980, Aquarell über Bleistift auf Papier

Steilküste am Meer ∙ um 1980 ∙ Aquarell über Bleistift auf Papier ∙ 29,6 x 41,9 cm

Egon Pukall, Fachwerkhaus, Aquarell

Egon Pukall - Fernes nahes Land  

Ausstellung | 1. Oktober - 19. November 2011 

Einführung  

Sehnsucht. – Sehnsucht ist ein zentrales Thema in den Bildern und im Leben des Dresdner Malers Egon Pukall. Gemeinsam mit anderen Künstlern des Dresdner Elbhangs, deren Treffpunkt bezeichnender Weise das "Café Toscana" war, träumte er vom Süden, vom Mittelmeer, von seinem Licht, den Farben, der Landschaft und der Kultur. Es ist sicher kein Zufall, dass Egon Pukall in Loschwitz sesshaft wurde, an einem Ort mit einer Art mediterranem Flair. Hier, im Künstlerhaus, eingebettet in die Landschaft zwischen Loschwitz und Pillnitz, mit dem Blick über die Elbe nach Blasewitz und Laubegast, entstehen in drei Jahrzehnten seine einzigartigen Landschaften. Pukalls Landschaften erinnern mitunter an die Landschaften Italiens oder der Provence. Vieles in seiner Malerei spricht von der Sehnsucht nach diesem Süden. Doch erst am Ende seines Lebens wurde ihm die Reise nach Südfrankreich gewährt und er konnte dem Geist der Malergeneration begegnen, die ihn in seiner Anfangsphase intensiv geprägt hatte.  

Egon Pukall wurde 1934 in Riesenkirch in Westpreußen geboren. Von 1948 bis 1951 absolvierte er eine Ausbildung als Photolithograph in Leipzig, die ihm den Zugang als „Arbeiterstudent“ für das Studium der Malerei an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig ermöglichte. Von 1951 bis 1954 studierte er dort bei Hans Mayer-Foreyt. Ihm wird das Studium nicht leicht gemacht und er macht es sich nicht leicht. Pukall wird vorgeworfen, dass „er der ideologischen Erziehung“ gleichgültig gegenübersteht. Wegen anhaltender Schikanen will er nach Dresden wechseln. Doch auch an der Dresdner Akademie begegnet man dem Studenten mit einem Misstrauen, das bei seiner Diplomprüfung im Jahr 1957 kulminiert. Man wirft ihm vor, er vertrete mit seinem Gemälde Maler und Modell - einem selbst gewählten Thema - eine rückwärtsgewandte Kunstauffassung des 19. Jahrhunderts. Er sei: „verführt von schematischen Auffassungen der vergangenen Zeit“. An dieser Kritik zeigt sich zweierlei, nämlich erstens, dass der Konflikt zwischen der Enge und Intoleranz der offiziellen Kunstdoktrin und einem individuellen Kunstbegriff unauflösbar war – und er blieb es im Grunde auch. Zweitens aber wird in dem Beharren des jungen Malers etwas deutlich, dass sich nur teilweise als Anknüpfung an die Tradition der Malerei verstehen lässt. Es ist der unbeirrbare Wille, fernab von allen politischen Zwängen eine eigene Ausdrucksform für selbst gewählte Themen zu finden.

Nach dem Studium wurde Pukall Mitglied des Verbandes Bildender Künstler und war seitdem freischaffend in Dresden tätig. Mit Maria Gadasch, seiner zweiten Ehefrau, bezog Pukall 1960 eine kleine Wohnung im Loschwitzer Künstlerhaus. Hier, im Künstlerhaus, wo er fast 30 Jahre lebte, beginnen seine fruchtbaren Künstlerjahre. Hier sollte er nicht nur seine Themen und Motive finden, hier traf er auch auf ältere Künstlerpersönlichkeiten wie Wilhelm Lachnit, Hans Jüchser, Otto Westphal und Herrmann Glöckner. Künstler, die für den Kolorismus der Dresdner Malerei stehen, der - wie Sigrid Walther treffend beschreibt - "in einer besonderen Konstellation von Landschaft, Fluss und Licht seinen Ursprung hatte" und dem auch Pukall nachspürte. Mit großem Interesse besuchte der junge Künstler Ausstellungen, studierte Rubens, Rembrandt und Tizian in der Gemäldegalerie, las die Schriften Karl Schefflers und Paul Cassirers, die leidenschaftliche Verteidiger und Befürworter des Impressionsimus in Deutschland waren. Pukalls Auseinandersetzung mit den Impressionisten, ganz besonders mit der Malerei von Henri Matisse, öffnete ihm den Weg zu einer eigenen malerischen Sprache. Die Stofflichkeit der Farbe wurde zum primären Stilmittel und das Licht spielte fortan eine zentrale Rolle.

1967 zog Pukall innerhalb des Loschwitzer Künstlerhauses um, in ein großes Maleratelier mit angrenzender Wohnung im 4. Stock. Das Atelier eröffnete dem Künstler ganz neue Perspektiven. Pukall spricht darüber 1988 in einem Interview: "Die Gegend ist ... so reizvoll, das sie alles bietet. Ich kann ... zum Fenster hinaus malen, auf die Südseite, auf die Nordseite, auf die Ostseite ... Man braucht also keinen Schritt vors Haus zu tun, wenn man so will. Und es bietet sich geradezu an, ... Interieur und das Innen und Draußen zu einer Synthese zu bringen." Der Blick aus dem Fenster, geradewegs wie von einem Turmzimmer aus über das Elbtal, die Elbhänge, auf den Loschwitzer Friedhof und die Pillnitzer Landstraße, bot ihm durch den Fokus des Fensterausblicks eine sehr konzentrierte Sicht auf die Dinge. Veränderungen des Lichteinfalls der Tageszeit und der Wandel der Jahreszeiten ließen sich so bequem studieren. Die in dieser Zeit entstandenen Bilder, wie das hier gezeigte Gemälde Loschwitzer Hang im Herbst von 1966 oder das Gemälde Schneeschmelze von 1964 wurden zu Sinnbildern des Wandels. Sie sind Zustandsberichte, erzählen vom Vergehen und von Erneuerung.

Etwa in der Mitte der 70er Jahre werden Interieur und Fenster zum Hauptthema von Pukalls Kunst. Knapp angeschnittene Bildräume, sparsam eingerichtet mit einem Tisch, einem Blumenstrauß oder einfach nur einer Staffelei, werden von einem Fenster begrenzt, das den Blick nach außen öffnet. Zwei schöne Beispiele dieser zentralen Werkgruppe sind die hier gezeigten Gemälde Interieur mit Staffelei von 1978 und Ausblick mit Moritzburger Leuchtturm von 1982. Pukalls Interieurs können ganz im Sinne der Romantik als Gleichnisse für die Begrenztheit des irdischen Daseins gelesen werden. Sigrid Walther, die dem Künstler seit 1977 sehr nah stand, hat in ihrem lesenswerten Beitrag im Ausstellungskatalog des Leonhardi-Museums von 2009 den Gedanken geäußert, dass der Innenraum für Pukall zum Refugium, zum Ort des Rückzugs und der Zuflucht wurde. Sie sagt weiter: "Der Innenraum wird zum Resonanzraum für ein Weltgefühl aus Melancholie und Erwartung, Stillstand und Fernweh, Wirklichkeit und Illusion. Die Melancholie wird zur Triebkraft künstlerischen Tuns."

1978 beginnen die malerischen Rekonstruktionsarbeiten beim Wiederaufbau der Dresdner Semperoper, die bis 1984 andauern. Pukall erhält den Auftrag für die Rekonstruktion der sechs großen ovalen Deckengemälde von Theodor Große für das obere Rundfoyer. Während der Ausführung an den Opernbildern kommt er nur eingeschränkt zu eigenem künstlerischem Arbeiten. Erschwerend hinzu kommen schlechte Arbeitsbedingungen im Künstlerhaus wegen Bauarbeiten.

Bis Mitte der 80er Jahre scheint Pukall allen Ballast hinter sich zu lassen: der Opernauftrag ist abgeschlossen, das Künstlerhaus ist renoviert und die provisorischen Ateliersituationen haben ein Ende. Mit neuer Schaffenskraft vollzieht Pukall eine radikale Veränderung seiner Malerei. Diese Veränderung bestand in der schrittweisen Abkehr vom Illusionismus eines realistischen Raumes hin zur reinen Farbe. Zu Gunsten von beruhigten Flächen und einem homogenen Farbauftrag wurden die Stofflichkeit der Farbe und die malerische Spontanität aufgegeben, was zu einer größeren Strenge und nach und nach auch zu einem höheren Abstraktionsgrad der Bilder führte. Einflüsse auf diese malerische Entwicklung dürfen durch Hermann Glöckner und den konstruktivistisch arbeitenden Freund Manfred Richard Böttcher, mit dem er im engsten Austausch stand, angenommen werden. Das erste Bild, in dem dieser radikale Wechsel greifbar wird, ist sein Gitarrenstilleben von 1976. In seinem späten Gemälde Fenster von 1986, hier im Eingangsbereich präsentiert, findet diese Formensprache ihren Höhepunkt.

1986 erkrankte Egon Pukall an Krebs. Die folgenden Jahre waren geprägt von einer großen Schaffenskraft. Er malte gegen die Angst und gegen den Tod an. Im Herbst 1987 bekam Pukall die Gelegenheit, mit seinem Bruder Friedrich 14 Tage an die Mittelmeerküste nach Südfrankreich zu reisen. Endlich konnte er sehen, was er immer hatte sehen wollen - die lichtdurchflutete Landschaft des Mittelmeerraumes, die Farben, das Meer und vor allem die Bilder der von ihm bewunderten Maler. Zahlreiche Skizzen und Aquarelle brachte er von dieser Reise mit. Nach seiner Rückkehr entstanden Arbeiten mit einer helleren Palette. Das mediterrane Licht hatte sich auf eine besondere Strahlkraft der Farben ausgewirkt. Der Malerfreund Rainer Zille, der seit 1984 Pukalls Ateliernachbar war, berichtet: "Ich erinnere mich gut an die Reiserückkehr Egon Pukalls aus dem Süden. Die innere Erregung, Folge der Erfüllung eines lang gehegten Wunsches, setzte eine letzte, intensive künstlerische Arbeit von erstaunlicher Dichte und Klarheit frei ... Gemeinsam haben wir (...) Tage damit zugebracht, Monotypien anzufertigen. Für Egon Pukall war es gerade diese Technik (...), die es ihm ermöglichte, seinen Reiseerlebnissen einen starken Umsetzungsgrad zu verleihen. Der Druckvorgang mit seinen Verfremdungen und Seitenverkehrtheit beförderte seine Suche nach dem Einfachen und Klaren. Bedingt durch die technischen Eigenarten der Monotypie gewannen die Blätter an Spontaneität." Die Technik der Monotypie hat Pukall in seinen letzten beiden Lebensjahren ausgesprochen angeregt und gefesselt.

Im Frühjahr 1989 verschlechtert sich sein Gesundheitszustand weiter. In einem Kalendereintrag vom 20. März schreibt er: "Schönes Wetter, Frühlingsanfang, wünsche mir meine Gesundheit so sehr zurück..." Am 23. September 1989 verstirbt Egon Pukall im Alter von nur 55 Jahren im Künstlerhaus. Pukall wird auf dem Loschwitzer Friedhof begraben - ein Ort von sanfter Schönheit, den er in seinen letzten Lebensjahren immer wieder als südlich anmutende Parklandschaft gemalt hatte.  

Anja Himmel

(Auszug aus der Rede zur Eröffnung der Ausstellung am 30. September 2011) 

Bertram Kober - Carrara und Sacri Monti | Ausstellung | Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Bertram Kober - Carrara & Sacri Monti. Fotografie
7. Oktober - 18. November 2017

Vernissage

Freitag, 6. Oktober 2017, 19 Uhr
Einführung: T.O. Immisch, Kustos Sammlung Fotografie, Kunst-museum Moritzburg, Halle/Saale

Kunstgespräch
Freitag, 27. Oktober 2017, 19 Uhr
Bertram Kober & Anja Himmel
Rundgang durch die Ausstellung

Egon Pukall, Selbstbildnis, um 1960, Öl auf Hartfaser

Selbstbildnis ∙ 1960 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 48 x 39 cm

Egon Pukall, Stilleben mit Alpenveilchen, um 1956-57, Öl auf Hartfaser

Stillben mit Alpenveilchen ∙ 1971 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 43 x 36 cm

Egon Pukall, Loschwitzer Friedhofsgärtnerei III, 1970, Öl auf Hartfaser

Loschwitzer Friedhofsgärtnerei III ∙ 1970 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 60 x 50 cm

Egon Pukall, Ausblick (Leuchtturm Moritzburg), 1982, Tempera und Öl auf Hartfaser

Ausblick (Leuchtturm Moritzburg) ∙ 1982 ∙ Tempera und Öl auf Hartfaser ∙ 120 x 90 cm

Egon Pukall, Stran mit Wasserlache, 1985, Öl auf Leinwand

Strand mit Wasserlache ∙ 1985 ∙ Öl auf Leinwand ∙ 75 x 130 cm

Egon Pukall, Winterlicher Fensterausblick mit Blattpflanze, 1987

Winterlicher Fensterausblick mit Blattpflanze ∙ 1987 ∙ Tempera auf Hartfaser ∙ 126 x 95 cm

Egon Pukall, Stilleben mit Philodendron, 1987, Tempera auf Hartfaser

Stilleben mit Philodendron ∙ 1987 ∙ Tempera auf Hartfaser ∙ 106 x 70 cm 

Egon Pukall, Stilleben, um 1956-57, Öl auf Hartfaser

Stilleben ∙ um 1956/57 ∙ Öl auf Hartfaser ∙ 25 x 32 cm

Egon Pukall, Blick aus dem Fenster, um 1980, Aquarell über Bleistift auf Papier

Blick aus dem Fenster ∙ um 1980 ∙ Aquarell über Bleistift auf Papier ∙ 30 x 29 cm