Corinna Rosteck - Lichte Wasser  

Ausstellung | 26. Juli - 20. September 2008 

Einführung  

Eine eigentümliche Sogwirkung ist den Bildern von Corinna Rosteck eigen. Die auf den ersten Blick kühl und verschlossen anmutende, metallische Oberfläche der Fotografien beginnt sich bei genauer Betrachtung zu öffnen. Das Dargestellte scheint sich im Vorübergehen, beim Herantreten und Beiseitetreten zu verändern - gerade so, als würde es auf uns und unsere Bewegung reagieren. Der sich dabei entwickelnde Dialog zwischen Betrachter und Bild lässt eine Form von Lebendigkeit und Unmittelbarkeit entstehen, die man von konventioneller Fotografie nicht erwartet.

Corinna Rostecks Arbeiten ziehen uns neben ihrer technischen Raffinesse vor allem auch durch die Wahl der Bildmotive in den Bann: Ruhige, sich spiegelnde Flächen, sich sanft wellendes Wasser, tropfendes, spritzendes, sprudelndes Wasser, ins Wasser Eintauchende und wieder Auftauchende. Daneben Bilder von Häuserfassaden, deren starre Strukturen im Wasser zu amorphen Trugbildern zerfließen. Bilder von Tänzerinnen mit theatralisch ausgreifenden Bewegungen und einer Farbigkeit, deren Sinnlichkeit das Auge regelrecht verführt.

Corinna Rosteck studierte an der Berliner Hochschule der Künste Malerei und Künstlerische Fotografie. Sie war Meisterschülerin bei Katharina Sieverding. Stipendien führten sie nach Japan und in die Vereinigten Staaten. Sie lebte in London, Paris und in New York, wo sie am International Center of Photography lehren und arbeiten durfte. Im Jahr 2006 war Corinna Rosteck Dozentin für Fotografie an der in diesen Tagen wieder stattfindenden Dresdner Sommerakademie. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Ausstellungen von renommierten Galerien und Kunstmessen präsentiert worden. Gerade war sie im deutschen Pavillon der EXPO in Zaragosa u. a. mit „Wake“ vertreten - ein Bild, das wir ins Zentrum unserer Ausstellung genommen haben.

Zahlreiche Arbeiten von Corinna Rosteck finden sich auch im öffentlichen Raum. Zuletzt hat sie eine mehrteilige und raumgreifende Installation für das Foyer der Berliner Wasserbetriebe geschaffen. Rostecks Arbeiten sind in namhaften öffentlichen Sammlungen vertreten, so unter anderem in der Fotosammlung der Deutschen Bank in Frankfurt am Main, der e-on AG in Düsseldorf, der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und im Neuen Berliner Kunstverein.

Corinna Rosteck widmet sich in ihren Arbeiten immer wieder Oberfläche, Transparenz und Spiegelung des Wassers. Das Faszinosum, das dem Wasser als Motiv zugrunde liegt, geht wohl auf seine schier unerschöpfliche Assoziationsfülle zurück. Wir wissen, wie es sich anfühlt, Wasser mit dem Finger zu berühren, Kreise in seine Oberfläche zu malen, ins Wasser einzutauchen. Die scheinbar stetige Bewegung des Wassers, seine extreme Veränderlichkeit sind Sinnbild für die fortwährende Veränderung allen Seins. Wasser steht für den Kreislauf der Natur und die Fruchtbarkeit auf der einen, für das Unberührte und Reine auf der anderen Seite. Bürgt Wasser einerseits für Klarheit und Transparenz, so bleibt es doch im Eigentlichen undurchschaubar, dunkel und geheimnisvoll. Und es besitzt - das hat Dresden vor wenigen Jahren selbst erfahren müssen - eine nach wie vor ungebändigte Zerstörungskraft, in alttestamentarischer Erzählung im Sinnbild der Sintflut gefasst.

Um diesem faszinierenden und in seinen Bedeutungen changierenden Element fotografisch gerecht zu werden, verwendet Corinna Rosteck - ausgehend von Malerei und Drucktechnik - reflektierende Metallfolien, die mit transparenten Schutzfolien versiegelt und auf Aludibondplatten als Bildträger aufgetragen werden. Dieses aufwendige Verfahren hat die Künstlerin über lange Zeit hinweg gemeinsam mit einem Fachlabor für fotografische und digitale Medien in Berlin entwickelt. Die reflektierenden Metallfolien verleihen den Bildern anders als konventionelles Fotopapier eine überraschende Dynamik.

Man muss auf die Bilder zugehen, beiseite treten, um sie herumwandern - die Wahrnehmung verändert sich mit jedem wechselnden Standpunkt. Der Lichteinfall auf die Bilder verstärkt diese Wirkung noch: Farbtöne des Wassers changieren, Wellen geraten in Schwingung, Wassertropfen scheinen zu perlen. Diese Wahrnehmung wird durch das bewusste Einbeziehen von Unschärfen, welche die Strukturen fließend und weich erscheinen lassen, noch unterstützt. Doch nähert sich diese Fotografie nur scheinbar der Malerei. Umgekehrt liegen die künstlerischen Wurzeln der Fotografin Corinna Rosteck in der Malerei und folglich ist es nicht überraschend, dass sie sich selbst als eine fotografische Malerin begreift.

Die Künstlerin sagte selbst dazu:

"Aluminium als reflektierender Bildträger spiegelt den Betrachter mit im Bild. ... Die Position des Betrachters verändert sich - je nach Standpunkt. Der Betrachter erfährt Bewegung im Bild, und zugleich die eigene Bewegung im Raum. Es entstehen dadurch ständig wechselnde Ein-Blicke. Körper, Bildträger und Raum gehen einen Dialog ein. Meine Fotografien thematisieren Spiegelungen und Oberflächen im Stadtraum und im Liquiden. Wie auch beim Licht sind es Transparenz und Spiegelungen, die mich beim Wasser faszinieren. Meine Bilder sind nicht kalkuliert, es bleibt die Sehnsucht nach dem Bild." 

Anja Himmel 

Nach dem Regen | Ausstellung | Galerie Himmel

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