Anne Kern - Essenzen | Ausstellung | Galerie Himmel

Anne Kern – Essenzen

Ausstellung  |  24. August – 5. Oktober 2019

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Laudatio

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
liebe Anne Kern,

ich freue mich sehr, dass Sie an diesem hochsommerlichen Abend zu uns gekommen sind und begrüße Sie herzlich zur Eröffnung der Ausstellung „Essenzen“, in der wir aktuelle Arbeiten der Künstlerin Anne Kern zeigen. Viele von Ihnen, wahrscheinlich die meisten, werden einen Begriff von der Malerei Anne Kerns haben. In unserer Galerie konnten Sie ihr bereits drei Mal begegnen. Einmal 2017 anlässlich ihrer Kabinettausstellung „Bruchstücke“ und dann 2016 und 2018 in den  Gruppenausstellungen „fünfmal Landschaft“ und „Blickwechsel“, an denen sie beteiligt war. Nun ist es an der Zeit, Ihre Malerei in einem größeren Rahmen und in ihrer ganzen Bandbreite zu präsentieren. Die aktuelle Personalausstellung versammelt eine Auswahl an Gemälden und Papierarbeiten, die in den letzten drei Jahren entstanden und zum Teil frisch aus dem Atelier kommen.

Anne Kern hat sich ganz der Landschaftsmalerei verschrieben. Ihr ist das Studium der Natur und die künstlerisch-schöpferische Auseinandersetzung mit Landschaft als einem jahrhundertealten Kunstgegenstand ein tiefes Anliegen. Ihre expressive Handschrift ist unbeeindruckt von Äußerlichkeiten oder malerischer Moden. Sie entstand aus dem unbedingten Wunsch, der Größe der Natur und ihrer monumentalen überzeitlichen Dimension angemessen zu begegnen.

Wie kaum ein anderes Sujet in der Malerei eignet sich die Darstellung von Landschaft, die Beschaffenheit der Welt aus der Sicht des Einzelnen zu befragen: Landschaft ist immer auch Weltsicht. Für die Malerei von Anne Kern bietet die Landschaft scheinbar Alles. Sie ist ihr Sujet, Faszinosum, Experimentierfeld und Metapher in Einem. Der von Menschenhand gebrochene Sandstein ist ihr Gegenstand, die bildgewaltige Natur der Sächsischen Schweiz ihre Kulisse. Steinbrüche, bizarre Felsformationen, die sich im kristallklaren Wasser spiegeln, ab und an Spuren menschlichen Lebens, wie ein verwaistes Boot, eine verwitterte Hütte oder ein altes Wasserkraftwerk, stehen im Mittelpunkt dieser ruhigen, beinahe lautlos wirkenden Malerei.

Anne Kerns Malerei orientiert sich an der Natur und geht doch weit über eine reine Wiedergabe hinaus. Mit Bedacht legt die Künstlerin den Fokus auf geeignete Ausschnitte und verdichtet sie kompositorisch. Immer wieder schafft sie neue Perspektiven, sucht durch intensives Vergrößern von Objekten und Oberflächen, den Betrachter mit der Materie zu konfrontieren. Unmittelbar vor der Natur, mit Leinwand oder Zeichnungsblock ausgestattet, entstehen Kompositionen, deren Ziel es ist, die äußere Form des Gesteins zu durchdringen, um dem Wesentlichen, der Essenz, auf den Grund zu gehen.

Anne Kerns metaphorische Steinbruchvariationen kreisen um die Schönheit
der Schöpfung. Sie gleichen einer Sinnsuche angesichts der Bedeutungslosigkeit des eigenen Ichs gegenüber der Natur und ihrer ehernen Gesetzen. Sie erzählen von Verwandlung, von Zerstörung und Ausbeutung der Landschaft durch den Menschen und von ihrer Regeneration. So wird der Steinbruch zur Metapher für elementare Fragen der Existenz, nach Leben und Sterben, Wachsen und Vergehen.

Der Pinselstrich von Anne Kern ist breit, große lineare Züge ordnen und geben als Bruchkanten, Spalten und Risse angemessenen Halt. Die Farbpalette kommt ohne koloristische Sensationen, ohne Maskerade und laute Töne aus. Blau, Türkis und Grau sowie Grün, Braun und Ocker sind fein abgestimmt und kontrastreich gegeneinander gesetzt, zwischen Hell und Dunkel moduliert. In den jüngsten Bildern scheinen expressionistisch anmutende, leuchtende Farben auf. Diese Malerei ist – bei aller formalen Strenge – sinnlich und steckt voller Leben.

Anne Kern macht das Unscheinbare, nur nebenbei Gesehene bildwürdig. Dabei erhält Alles gleich wichtige Bedeutung, denn Raumtiefe gibt es kaum, alles scheint gleich nah oder fern. Ihre Landschaften fügen sich aus einem großen Gewebe breitquastig aufgetragener Farbflächen zusammen. Anne Kern strebt künstlerisch nach einer möglichst hohen Bildstabilität, nach einem festen Gefüge, in dem auch hin und wieder auftauchende Artefakte regelrecht verankert werden. Sei es ein treibendes Boot, sei es eine verlassene Hütte, immer haben die Dinge etwas Gesetztes, Festes, scheinbar Ehernes. Dieses Dauerhafte beschwört Anne Kern durch ihren dichten und bestimmten Farbauftrag. Er verleiht den Dingen Kontur und Halt. So wirken die kraftvoll strahlenden und eindringlichen Bilder ruhig, beinahe still. Etwas Selbstverständliches, Unabänderliches geht von ihnen aus. Anne Kern hat für sich eine Sprache gefunden, in der Gegenstand und Malerei zu einer neuen Wirklichkeit, einer stimmigen Bildwirklichkeit verschmelzen. Sie schildert nicht, sie spricht vom Wesen der Dinge und berührt damit eine philosophische Dimension. So verstanden schöpft sie aus ihrem Naturerleben und aus ihrer Auffassung von Malerei gleichermaßen kostbare Essenzen: Essenzen der Zeit, Essenzen des Raumes, Essenzen des Lichts.

Am Ende so vieler nach Einordnung und Verständnis ringenden Worte bleibt festzuhalten: Zunächst einmal spricht diese Malerei für sich selbst. Sie bedarf keiner Ausdeutung und keines intellektuellen Kommentars. Sie ist zuerst Malerei und will als solche gesehen und erfahren werden. Deshalb: Machen Sie sich selbst ein Bild! Kunstgenuss wird garantiert! Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

                                                                                                                                             Anja Himmel

Anne Kern - Essenzen | Ausstellung | Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Anne Kern - Essenzen
24. August - 5. Oktober 2019

Vernissage
Freitag, 23. August 2019, 19 Uhr

Einführung: Anja Himmel, Galeristin

Musik: Dörte Drieschner, Cello & Yiannis Brauweiler, E-Piano