Teaser Andreas Wachter - Leuchten | Ausstellung | Galerie Himmel

Andreas Wachter – Leuchten

Ausstellung  |  23. Oktober 2020 – 16. Januar 2021

Rundgang   |   Highlights   |   Vernissage   |   Einführung   |   Katalog   |   Presse

Einführung

Der Maler Andreas Wachter steht wie andere seines Jahrgangs 1951 zwischen der zweiten und der dritten Generation der Leipziger Schule, etwa zwischen Arno Rink und Neo Rauch, um es mit Namen fassbar zu machen. Und Andreas Wachter hat diese Sonderlage, dieses Verkeiltsein zwischen den prägenden Generationen, zu einem solitären Kraftzentrum entfaltet. Dies gelang vielleicht auch deshalb, weil er, konstellationsklug, seinen Schaffensort nicht ins Leipziger Musikviertel verlegte und die Umbrüche an der Hochschule für Grafik und Buchkunst somit nicht zu seinen biografischen machte.

Es ist schon viel gesagt und noch mehr geschrieben worden über die malerische Grandezza dieses nun ausgerechnet an der Freiberger Mulde lebenden Meisters Andreas Wachter. Manches gute Wort fiel auch schon über seine kunsthistorischen Referenzen an den venezianischen Manierismus, die gekonnte Beherrschung szenischer Hell-Dunkel-Dramaturgien oder das barocke Leidenschafts-Momentum. Kennzeichen, die zweifellos den Maler betreffen, aber genauso zu einem Markenkern der Leipziger Schule insgesamt gehören.

Man könnte diese Liste der Eigenheiten aber fortsetzen über die in seinem Werk wahrnehmbaren Parallelsequenzen gewählter Motivlandschaften. Da sind einerseits die Sehnsuchtsräume. Hassgeliebte Motive für die sich früher nach Italien träumenden und dann wirklich dorthin reisen könnenden Leipziger Künstler. Denen, wie im Fall Wachters,
unermüdliche Vor-Ort-Studien zwischen Sizilien und Rom nach der sogenannten „Wende“ folgten. Diese erzeugten ein Weltwissen, dem sinnliche Anschauung vorausging.

Das zeigt sich künstlerisch etwa am Topos des Strandbildes. Im Beharren auf dem Strand als einem imaginären Kulissen- und Grenzraum wurde in der Leipziger Malerei der harte Bruch des Systemwechsels durch ein künstlerisches Kontinuum überlagert. Somit sind wir heute in der glücklichen Lage, mit Andreas Wachter künstlerische Wechselbäder zu erleben, die von den Stränden der InselRügen bis zu jenen der Liparischen Inseln reichen.

Aber das mag für den an Eindeutigkeit interessierten Beobachtern ein äußeres Geschehen bleiben. Wichtig und im Falle Wachters wohl abgesicherter ist andererseits das Gebundensein in Rückhalt gebende Grundstrukturen. Deren Zentrum besteht, wie bei so vielen Malern der Leipziger Schule, im Prinzip einer Künstlerehe. Jene Überlagerung von privatimen und kollektiven Kausalitäten fand in der Leipziger Schule nicht nur eine institutionelle Akzeptanz, indem sie Kunstgeschichte in Familiengeschichten und umgekehrt übersetzte. Ganz in diesem Sinne finden wir auf den programmatischen Bildern dieser Ausstellung auch Familientableaus. Diese Thematisierung des unmittelbaren Umfeldes geschieht nicht in versteckter Symbolik, sozusagen als Modellersatz, sondern vielmehr im festen Glauben, dass in diesem, nur scheinbar kleinen Lebensausschnitt das ganze Mirakel der Existenz viel deutlicher aufleuchten mag als in vielen der historienhaften Panoramen, die für andere Leipziger zu einem Markenzeichen wurden.

Wie immer man den Erfolg der sogenannten „Neuen Leipziger Schule“ interpretieren mag, deren Akteure letztlich die vierte Generation im Komplex der „Leipziger Schule“ bilden: Ihr Erfolg ist eben nicht durch die Gunst neuer Verhältnisse entstanden, wie manche Einfältigen meinen, sondern im Gegenteil weit eher durch den befeuernden Blick in das Arsenal der anderswo fast vergessen scheinenden alten oder auch nur älteren Maler erlangt worden.

Andreas Wachter hat als wichtige Brückenfigur zwischen den Leipziger Generationen diese Haltung zur Malerei und zu ihrem Material bewahren helfen. Das geschah dadurch, dass er im Wandel festhielt an dem für ihn Unverrückbaren. Seine unbeirrbare Hinwendung zur menschlichen Figur mit ihren bizarren, erhabenen oder auch nur alltäglichen Momenten bietet kein Gefühl des platten Wiedererkennens, sondern die Chance, im Strudel des Lebens seine Kompassnadel immer wieder aufs Neue auszurichten – auch wenn die Nordung dann eine Südung bleibt.

Dr. Paul Kaiser

(Der Text ist die gekürzte Fassung des Katalogbeitrages zur Ausstellung von
Dr. Paul Kaiser, Kunst- und Kulturwissenschaftler, Kurator und Publizist in Dresden.)

Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Andreas Wachter | Leuchten
23.10.2020 - 16.01.2021

Die Ausstellung begleitet
ein reich bebilderter Katalog 
mit einem Beitrag von Dr. Paul Kaiser, Kunst- und Kulturhistoriker, Kurator und Publizist in Dresden.