Teaser Andreas Wachter - Gestrandet | Ausstellung | Galerie Himmel

Andreas Wachter – Gestrandet

Ausstellung  |  1. Dezember 2018 – 26. Januar 2019

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Einführung

Waghalsige Kompositionen, eine frappierende Lichtregie, ein stimulierendes Farbkonzept, nicht zuletzt die virtuose, technisch brillante Handschrift, all das charakterisiert die Malerei von Andreas Wachter. Heute darf man den 1951 in Chemnitz Geborenen getrost zu den herausragenden Vertretern der „Leipziger Schule“ rechnen. In seinem seit vier Jahrzehnten folgerichtig wachsenden Werk verbindet sich die für Leipzig typische hohe Zeichenkunst mit einem außergewöhnlichen Kolorismus eigener Prägung. Die Bildästhetik der Lehrer Arno Rink und Volker Stelzmann gab dem jungen Andreas Wachter einen ersten Kompass. Doch verfiel er den allegorisch-surrealen Verdichtungen Arno Rinks nicht, nicht den veristischen Bühnenszenen des Großstadt-Theaters von Volker Stelzmann. Stattdessen ging er einen anderen Weg und verankerte seine Malerei in seinem privaten Lebens- und Erfahrungsumfeld, an Orten, die er bereiste, vor allem aber in der Geschichte der Malerei. Die alten Meister wurden ihm aufgrund seiner profunden kunsthistorischen Neugier und Kennerschaft zum unverzichtbaren Resonanzboden beim Malen und erschlossen ihm einen schier unerschöpflichen Fundus an Motiven, Bildformeln und Imaginationen, aber auch an gültigen malerischen Lösungen.

Anfang der 1980er Jahre zog sich Andreas Wachter mit der Familie nach Erlln zurück, einem kleinen Dorf an der Freiberger Mulde, nahe der Stadt Colditz. Dort lebt und arbeitet er bis heute. Doch Bilder des Muldentals findet man in seinem Werk eher selten. Es scheint fast so, als biete die Welt mehr Zuflucht als das heimische Dorf am Fluss, dessen trügerische Idylle die Zerstörungen eines Hochwassers erst vor wenigen Jahren sichtbar machten. Das unbekannte Terrain hingegen regt Andreas Wachter zu genauem Hinsehen an und inspiriert zu neuen Bildern. Seine Werke führen den Betrachter nach Paris und New York, nach Venedig und Florenz, nach Pompeji, auf die Inseln Sylt und Rügen oder in die Weiten Grönlands. Besonders Italien ist ein wichtiges Reiseziel und wesentliche Inspirationsquelle für Wachters künstlerisches Schaffen. Die allgegenwärtige Gleichzeitigkeit von mediterraner Landschaft, von Antike, Renaissance, Manierismus und Barock, ist für seine Kunst prägend, immer auch vom Klang einer pan-europäischen Italianità getragen.

Wachters Malerei verführt das Auge. Die kostbare Farbenpalette ist eine seiner großen Stärken. In lasierenden, aus der Tiefe leuchtenden Farbschichten wird ein dominierendes, gleichwohl tonig abgestimmtes Kolorit durch schärfere Töne zum Beispiel von Rot, Grün oder Gelb erweitert. Eine spezielle Lichtregie nach Art venezianischer Manieristen oder auch des römischen Barock erzeugt ein dramatisches Hell-Dunkel, das lichtdurchflutete Partien in Kontrast zu nachtschwarzer Finsternis setzt. Dagegen sind allzu scharfe Umrisse zugunsten einer plastischen Durchformung der Bildgegenstände zurück-genommen. Oft bleiben Figuren nur skizzenhaft angedeutet, scheinen im Ungefähren auf. In dünn lasierendem Farbauftrag, nur hauchzart die Volumen modellierend, führt der Maler in einer an Tintoretto gemahnenden atemberaubenden Malökonomie vor, wie „wenig“ es braucht, um dem Auge eine glaubhafte Illusion zu eröffnen.

Figur und Landschaft sind die zentralen Themen in Wachters Malerei. In mal beobachteten, mal erfundenen Szenarien treffen Figuren aufeinander, beleben in zurückhaltender Theatralik Interieurs, Straßenszenen oder weit gespannte Sehnsuchts-landschaften. Sie erscheinen introvertiert, öffnen sich höchstens verhalten. Oft agieren
sie im Raum wie einander fremd, wie auf einen verborgenen dramaturgischen Zielpunkt ausgerichtet. Wachters Bilder können als Momentaufnahme einer disparaten Gesellschaft verstanden werden, gleichwohl sind sie nicht dechiffrierbar, wollen sich nicht in Bild-deutungen entleeren. Ihr Geheimnis ist vor allem eines: Diese wunderbare, sinnliche und virtuose, das Bildwissen der Jahrhunderte zelebrierende Malerei, stets zwischen Illusion und Wirklichkeit changierend.

Anja Himmel

Andreas Wachter - Gestrandet | Ausstellung | Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Andreas Wachter - Gestrandet

1.12.2018 - 26.01.2019

Vernissage
Freitag, 30.11.2018, 19 Uhr
Einführung: Dr. Paul Kaiser, Kunstwissenschaftler, Kurator und Publizist, Dresden