Abstrakte Landschaft · 1962 · Aquarell · 59 x 42 cm 

Mutter mit Kind · um 1955 · Bleistift auf Papier · 49,5 x 37,5 cm 

Meine Mutter und meine Schwester · 1955-60 · Öl auf Hartfaser · 32,5 x 31 cm 

Beratung · 1955-60 · Pastell auf Papier · 16 x 20,5 cm 

Pietà · 1955-60 · Graphit auf Papier · 31,5 x 21,5 cm 

Mädchenkopf · um 1999/2000 · Bronze · 24 cm (Höhe) 

Ralf Winkler (A.R. Penck), Akt und alte Dame, um 1960, Federzeichnung auf Papier, Sammlung Böttcher

A.R. Penck - Sammlung Agathe Böttcher 

Ausstellung | 16. Januar - 27. Februar 2010 

Einführung 

1953/54 besuchte Ralf Winkler 15-jährig einen Mal- und Zeichenkurs bei Jürgen Böttcher, der später als der Maler und Dokumentarfilmer Strawalde bekannt wurde. Mit den begabtesten seiner Schüler initiierte dieser einen Freundeskreis, dem außer Ralf Winkler auch der Bildhauer Peter Makolies und die Maler Peter Graf und Peter Hermann angehörten. Man traf sich in der Rungestrasse bei Jürgen Böttcher zu Hause, um miteinander zu malen, zu diskutieren oder einfach Musik zu hören. Dort sorgte Agathe Böttcher, die Frau Jürgen Böttchers, sozusagen für einen Wärme und Häuslichkeit ausstrahlenden Mittelpunkt, brachte sich aber mit ihren eigenen Gemälden, Collagen und Zeichnungen in den schöpferischen Austausch mit ein. Nach ihrer Trennung von Jürgen Böttcher und dessen Weggang nach Babelsberg blieben ihr die Freundschaften der frühen Jahre erhalten. Vor allem Peter Graf und Ralf Winkler kamen regelmäßig zu ihr zu Besuch.

Für den jungen Ralf Winkler war die 10 Jahre ältere Künstlerin über 20 Jahre lang ein geduldiger Gesprächspartner in persönlichen wie künstlerischen Fragen. War er zu Besuch, zeichnete und skizzierte er beständig, nutzte dafür jedes sich findende Stück Papier und ließ die Zeichnungen dann meist zurück. Oft kam er und brachte neue Arbeiten mit, um sie zu zeigen und an Agathe Böttcher und ihre Tochter zu verschenken. Später dann, als er schon in West-Berlin, London und Dublin lebte, schickte er in seinen Briefen kleinere Arbeiten mit. So wuchs über die Jahrzehnte eine Sammlung von frühen Dresdner Arbeiten A.R. Pencks, die von der besessenen Suche nach einer originären Bildsprache ebenso geprägt ist wie von der Freundschaft beider Künstler.

Dieser Geschichte entsprechend ist die Sammlung Agathe Böttcher weniger eine planvoll strukturierte Collection, sondern bildet eher die Begebenheiten und Fügungen jahrelanger Freundschaft in ihrem lebendigen Verlauf ab. Die Sammlung umfasst vor allem Papierarbeiten, Zeichnungen und Skizzen, von denen die meisten in hoher zeitlicher Dichte während der Besuche entstanden. Im Frühwerk von Penck dominiert die realistische figürliche Zeichnung, die in noch ungeklärter Handschrift einen umso intensiveren Ausdrucksdrang dokumentiert. Mitte der 50er Jahre atmen die Zeichnungen zunächst den Geist des Kreises um Jürgen Böttcher. Dann tauchen in den Zeichnungen der späten 50er und frühen 60er Jahre nicht von Ungefähr stilistische und motivische Anmutungen von Werken Pablo Picassos, Fernand Legers und Van Gogh's aber auch alten Meistern wie Rembrandt auf. Regelrecht programmatisch und in kritischer Distanz werden die Vorbilder dieser Jahre abgearbeitet, bis sich schließlich Mitte der 60er Jahre eine sich festigende eigenständige Bildauffassung abzeichnet.

Doch dann kommt es zum Bruch. Der Zeichner findet aus der repressiven Umklammerung der Realismusdoktrin heraus, indem er mit archaischen, rudimentären Formeln eine universelle Bildsprache entwickelt. In Anlehnung an frühgeschichtliche Höhlenmalerei, die ihn seit seiner Kindheit fasziniert, gelangt er zu stark abstrahierten Formen und piktogrammartigen Reduktionen. Und ausgehend von seinen wissenschaftlichen Interessen unter anderem für Mathematik, Logik oder Kybernetik entwickelt er zwischen 1964 und 1970 die sogenannten "Standarts", standardisierte Zeichen und Symbole. Beides geht in der neu gefundenen Bildform der "System-Bilder" eine dialektische Beziehung miteinander ein. Ähnliche Entwicklungsstadien lassen sich auch an den Beispielen der Plastik und der Malerei ablesen, wobei die Klimax innerhalb der Sammlung Böttcher mit dem großformatigen Gemälde „Die Posträuber" von 1974 erreicht zu sein scheint.

Allein diese verkürzte Schilderung seiner Entwicklung lässt ahnen, dass sich hier ein Künstler in diametralem Gegensatz zur offiziellen Kunstdoktrin entwickelte. Bevor Ralf Winkler jenseits der deutsch-deutschen Grenze unter seinem Pseudonym A.R. Penck die internationale Kunstwelt eroberte, blieb er in der DDR als Außenseiter lange Zeit verkannt und wurde regelrecht ausgegrenzt. 1956 hat man seine Bewerbungen an den Kunstakademien in Berlin und Dresden abgelehnt. Als Autodidakt musste er hart um seine künstlerische Entwicklung kämpfen. Schwerer noch fiel ins Gewicht, dass ihm die offizielle Kunstbühne versperrt blieb. Er durfte nicht ausstellen und obwohl mit Theo Balden und Gerhard Kettner anerkannte Mentoren für ihn sprachen, verweigerte man ihm 1966 den Eintritt in den Verband bildender Künstler in Dresden. Dies aber bedeutete nichts anderes, als dass er sich mit seiner Kunst keinen Lebensunterhalt verdienen konnte und durfte. Er war über viele Jahre zu minderwertigen Tätigkeiten gezwungen, um sich unter Entbehrungen seine Existenz zu sichern.

Dieser Staat hatte ihm keine Chance gegeben, alle seine Versuche vereitelt und ihn in seiner Entfaltung bewusst behindert. Das hatte Folgen: Schon 1957 lernte er Georg Baselitz kennen, der Kontakt zur westdeutschen Kunstszene hatte und ihn mit dem umtriebigen Kölner Galeristen Michael Werner bekannt machte. 1968 wählte er, in Anlehnung an den sächsischen Eiszeitforscher Albrecht Penck und um zunächst von den DDR-Behörden unerkannt und ungestört im Westen ausstellen zu können, das Pseudonym A.R. Penck. Später folgten andere Pseudonyme, wie Ypsilon, Mike Hammer oder TM, die jeweils den Abschluss oder das Hinter-sich-Bringen eines Stadiums bedeuteten - „Penck ist tot - Ypsilon lebt" - doch keines ist so sehr zu seinem Markenzeichen geworden wie A.R. Penck. Unter diesem Namen tritt er 1969 auf seiner ersten Ausstellung in der Galerie Michael Werner in Köln auf, die man mit Recht als wichtigsten Markstein auf dem Weg zum Weltruhm bezeichnen kann.

Doch der im Westen protegierte und international zunehmend erfolgreiche Künstler arbeitet weitere 10 Jahre im provinziell abgeschotteten Kunstraum DDR - ein gelebtes und durchlittenes Paradoxon, dass er in seinen „Autobiographischen Notizen" von 1970 rückblickend so schildert:

„Ralf Winkler alias A.R. Penck. Geb. 1939, 5. Oktober in Dresden. Sah 1945 die brennende Stadt vom Fenster aus, stand auf dem Rasen, ringsum Feuer. Sah weisse Fahnen und Granaten, erlebte die Verwirrung und Katastrophe eines Hierarchiezerfalls durch militärische Niederlage. Spielte in den Trümmern. Liebe zu dem Mädchen mit Schillerlocken aus den Holzhäusern. Entdeckte im Kindergarten ein Buch über Urtiere, Saurier, Säbeltiger, Höhlenbären und Urmenschen. Beeindruckt von Dürer's ‚Ritter, Tod und Teufel' und von ‚Weisst du, wieviel Sternlein stehn'. Sinn für Nebenstrassen, Randorte und  Abseitssituationen. War Zeitungsträger, Stopfer (Margarinefabrik), Nachtwächter (VEB Madix) und Kleindarsteller (Dok.-Film). Liebe zur Musik, Neigung zur Malerei, Philosophie, Logik, Literatur, Technik und ‚Wissenschaft' (wie ich sie verstehe). Idol: Domenico Scarlatti. Trieb, unterstützt von meiner Mutter, private wissenschaftliche und art-Studien. Versuchte, mich anzupassen, was misslang. Ich will mich und anderes bestimmen, aber nur als das was es ist - scheinfrei.

Ich war vorübergehend: Schüler (38. Grundschule, OS-Süd ‚1 Jahr'), Lehrling (Zeichner ‚Dewag', Mitglied in J. P., FDJ, FDGB, SVK, DSF, Sportschwimmen, Schachclub Rotation Mitte, Kandidat des VBKD. Ich war Gruppenratsvorsitzender und Klassenvertrauensmann. Erhielt einen Preis (dritten) für ein Gedicht. Meine Schriften (Eingaben mit Verbesserungsvorschlägen) wurden von der Autorität mit Schweigen honoriert. Gemustert für Art - ill - er - ie."

Mit der Ausbürgerung und Übersiedlung nach Westberlin 1980 folgte sein Aufstieg zum international beachteten Star der deutschen Kunstszene. Doch den eigentlichen Durchbruch seiner Karriere hatte er da schon hinter sich, hatte in den 70er Jahren auf zahllosen Ausstellungen in Westdeutschland, der Schweiz und den Niederlanden für Aufsehen gesorgt. Und - sicher ein Triumph für einen, dem die Akademien der DDR verschlossen geblieben waren - ihm wurde 1976 der Will-Grohmann-Preis der Akademie der Künste in West-Berlin zugesprochen.

In einem Gedicht, das Penck nach dem Fall der Mauer schrieb, ist der sarkastische Unterton seiner „Autobiographischen Notizen" inzwischen einer Drastik gewichen, die an Deutlichkeit nichts mehr zu wünschen übrig lässt:

DDR Sie ist verschwunden, fast so wie ein Traum,
den man geträumt und weiß er ist vorbei.
Ein Alptraum sicher wie ein Horrorraum,
ein Irrer - Geist und Seele ganz entzwei. Doch auch ein Funken Freiheit, seltnes Licht!
Ein Ausruhn, eine Wiege, Kindergarten,
ein Mißverständnis, das sich selbst zerbricht,
ein tiefes Leiden und ein langes Warten. Ein Embryo durch alten Geist verführt
so deutsch, wie dumm, die schlimmste Perversion.
Scheißlöffel, der in großer Kacke rührt,
der Mangel selbst, das Elend der Nation. Doch war sie ein Versuch, Versuch zu leben
als Totgeburt, Versagen, Wahnsinnsschweben.

 Michael Böhlitz 

Anne Kern - Herbstzeitlose | Ausstellung | Galerie Himmel

Aktuelle Ausstellung

Klaus Drechsler - Herbstzeitlose
25. Nov. 2017 - 13. Jan. 2018

Vernissage

Freitag, 24. Nov. 2017, 19 Uhr
Der Schauspieler Friedrich Wilhelm Junge liest Gedichte von Hermann Hesse und Wulf Kirsten.

Einladungen  

Lassen Sie sich zu unseren Vernissagen einladen!

Selbstbildnis · um 1960 · Radierung ·  10,5 x 8,8 cm (Platte)

Stickende Frau (Agathe) · 1955/60 · Feder & Tusche auf Papier ·16 x 17 cm 

o. T. (Feuer) · um 1968 · Mischtechnik auf Hartfaser · 29 x 53 cm 

Lesende Frau · 1955-60 · Feder & Tusche auf Papier · 25,5 x 19,5 cm 

Zwei Männer am Tisch · um 1960 · Feder & Tusche auf Papier · 21 x 29,5 cm 

Die Posträuber · 1974 · Latex auf Leinwand · 100 x 100 cm